Schlechte Nachrichten aus der Finanzbranche haben zu Wochenbeginn die Ängste vor einer Verschärfung der weltweiten Wirtschaftskrise angeheizt. Die Aktienmärkte gingen auf Talfahrt. An der Wall Street rutschte der Dow-Jones-Index erstmals seit 1997 wieder unter 7000 Punkte.
In Frankfurt fiel der Dax um 3,5 Prozent auf ein Viereinhalbjahrestief von 3710 Punkten. Der Europa-Index Stoxx50 fiel um 5,4 Prozent auf ein Allzeittief von 1674 Zählern. „Die Verunsicherung ist allenthalben groß“, brachte ein Händler die Stimmung auf den Punkt.
Für den MDax ging es um 3,62 Prozent auf 4440,94 Zähler nach unten - zuletzt war der Index der mittelgroßen Werte im November 2003 schwächer aus dem Handel gegangen. Der TecDax büßte 4,64 Prozent auf 423,50 Zähler ein, was für den Technologiewerte-Index den niedrigsten Schlussstand seit Mai 2003 bedeutete.
Tiefster Schlussstand seit März 1997
Die amerikanischen Börsen haben ihre Talfahrt der vergangenen Wochen beschleunigt. Massive Verluste im Bankensektor schickten den Dow Jones erstmals seit 1997 deutlich unter die psychologische Marke von 7000 Zählern. Zur Schlussglocke stand ein Minus von 4,24 Prozent auf 6763,29 Zähler zu Buche der tiefste Schlussstand seit März 1997. Noch schlechter sah es für den marktbreiten S&P-500-Index aus, der mit minus 4,66 Prozent auf 700,82 Zähler den niedrigsten Schluss seit September 1996 markierte.
An der Technologiebörse NASDAQ verlor der Composite-Index 3,99 Prozent auf 1322,85 Zähler. Der NASDAQ 100 büßte 3,61 Prozent auf 1076,67 Zähler ein. Der Kurs des Euro fiel im späten Handel unter 1,26 Dollar und kostete zuletzt 1,2580 Dollar. Am Rentenmarkt gewannen richtungsweisende 10-jährige amerikanische Staatsanleihen einen ganzen und 20/32 Punkte auf 97 27/32 Punkte. Sie rentierten mit 3,618 Prozent.
AIG braucht nach neuem Rekordverlust weitere Staatshilfen
„Die Nachrichten zu AIG werden als Ausdruck für das weitere Fortschreiten der Finanzkrise gewertet. Und sie macht vor Deutschland nicht halt“, sagte ein Händler. AIG braucht nach einem Rekordverlust weitere Staatshilfen. Während dies für Finanztitel insgesamt belastend wirkte, schoss der Aktienkurs des Versicherers um 14,3 Prozent nach oben. Börsianern zufolge sind die Anleger erleichtert, dass mit den Staatshilfen die Gefahr neuer Herabstufungen durch die Ratingagenturen abgewendet wurde.
Im Dax gaben die Aktien der Versicherer Allianz und Münchener Rück vier beziehungsweise fünf Prozent ab. „Für die deutschen Versicherer kann man das aber auch positiv sehen“, kommentierte ein Händler die Schwierigkeiten von AIG. „Sie werden AIG sicher den einen oder anderen Kunden abjagen können.“ „Nach den Nachrichten zur Citigroup ist die Einschätzung entstanden, dass das amerikanische Finanzsystem taumelt und entweder weiter Staatshilfen braucht oder sogar komplett verstaatlicht werden muss“, sagte Merck-Finck-Analyst Konrad Becker. „Das lässt natürlich nichts Gutes ahnen.“
Inzwischen könne auch für hiesige Banken nichts mehr ausgeschlossen werden. Die Vereinigten Staaten haben in der Vorwoche eine Teilverstaatlichung der Citigroup beschlossen.
HSBC muss Anlegern hohen Abschlag einräumen
Der europäische Bankenindex rutschte um fast zehn Prozent ab. Belastet wurde der Markt von einer Rekord-Kapitalerhöhung der größten europäischen Bank HSBC und Aussagen von Commerzbank-Chef Martin Blessing über weitere Staatshilfen.
Derweil hat die Ratingagentur Moody's das Finanzstärkerating der Commerzbank
auf „C-“ von „C“ gesenkt. Der Ausblick für das Rating bleibe „negativ“, teilte Moody's mit. Das Finanzstärkerating der Dresdner Bank AG wurde auf „E+“ von „C-“ gesenkt. Hintergrund der Ratingmaßnahme bei der Commerzbank sei eine erwartete anhaltende Schwäche bei Tochterunternehmen und die Auswirkungen
aus der Restrukturierung des Investment-Bankings. Zudem seien weitere Verluste bei angeschlagenen Assets möglich, so die Kreditanalysten.
HSBC will 12,5 Milliarden Pfund einsammeln. Die neuen Papiere werden zu je 254 Pence angeboten. Am Montag fiel der Kurs der Titel um fast 19 Prozent auf 290,08 Pence. „Die Abschläge für die Kapitalerhöhung der HSBC sind enorm“, sagte ein Händler. Dies zeige, wie schwierig es für die Finanzbranche sei, an frisches Kapital zu kommen. Analysten werteten die Kapitalerhöhung als Zeichen dafür, dass das Management für längere Zeit keine Erholung der Weltwirtschaft erwarte.
Größter Dax-Verlierer waren die Aktien der Commerzbank mit einem Minus von 7,4 Prozent. Konzernchef Blessing hatte nicht ausgeschlossen, dass sein Institut weiteres Geld vom Staat benötigen werde. Die Papiere der Deutschen Bank und der Postbank verloren fünf beziehungsweise 6,7 Prozent.
Deutlich besser als der Markt hielten sich nach der Bilanzvorlage die Aktien von Volkswagen mit einem Minus von 0,5 Prozent. „Die Zahlen waren zwar etwas besser als erwartet. Aber es verunsichert den Markt, dass sie sich nicht konkret zu den nächsten Jahren äußern“, sagte ein Händler.
Einer der wenigen Gewinner am deutschen Aktienmarkt waren die MDax notierten Titel von Continental mit einem Plus von vier Prozent. Wie von der F.A.Z. berichtet, ist ein Szenario für eine Loslösung vom Großaktionär Schaeffler entworfen worden. „Für Conti wäre die Trennung von Schaeffler das Beste“, sagte ein Analyst.
Die Woche der Kapitulation?
Fionn Huber (fionn)
- 02.03.2009, 11:06 Uhr
Fionn: Wall Street entscheidend
Hermes September (hermesimseptember)
- 02.03.2009, 13:27 Uhr
Verleihnix
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- 02.03.2009, 14:00 Uhr
alles planmäßig
Fritz Vandermöhlen (FritzV)
- 02.03.2009, 14:26 Uhr