16.02.2011 · Der Dax hat am Mittwoch den fünften Tag in Folge zugelegt und damit den seit Mitte Januar eingeschlagenen Aufwärtskurs fortgesetzt. „Derzeit gibt es unter den Investoren so gut wie keine Abgabereitschaft,“ heißt es. Alle sind sehr optimistisch.
Der Dax hat am Mittwoch den fünften Tag in Folge zugelegt und damit den seit Mitte Januar eingeschlagenen Aufwärtskurs fortgesetzt. Der deutsche Leitindex stieg trotz negativ aufgenommener Zahlen des Automobilherstellers Daimler um 0,19 Prozent auf 7.414,30 Punkte und schloss damit auf dem höchsten Stand seit mehr als drei Jahren.
Seit Anfang des Jahres summieren sich die Aufschläge damit auf rund 500 Zähler oder etwas mehr als sieben Prozent. Der MDax trat am Mittwoch hingegen mit einem Abschlag von 0,03 Prozent auf 10.585,53 Punkte erneut auf der Stelle, der TecDax stieg um 0,38 Prozent auf 912,07 Punkte.
„Es geht weiter nach oben“
„Derzeit gibt es unter den Investoren so gut wie keine Abgabereitschaft“, sagte Christoph Schmidt vom Vermögensverwalter N.M.F., „daher geht es derzeit weiter nach oben.“ Es sei derzeit ein eher ruhiger und träger Handel. Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank, verwies auf die weiter gute Stimmung am Markt. „Das fundamentale Umfeld stimmt“, sagte er. Angesichts der Gewinne in den vergangenen Wochen warnen einige Händler allerdings auch vor der steigenden Gefahr eines drohenden Rückschlags. Nach unten ging es am Mittwoch für die Daimler-Papiere. Die Titel des Automobilbauers rutschten nach der Vorlage der 2010er-Bilanz mit einem Abschlag von 4,36 Prozent auf 53,54 Euro an das Dax-Ende. Händler nannten die Resultate „etwas schwächer als erwartet“. Die Stuttgarter haben die Erwartungen trotz eines deutlichen Umsatzanstiegs und eines Milliardengewinns nicht erfüllt. Die geplante Dividende von 1,85 Euro je Aktie liege zwar im Rahmen der Schätzungen, biete damit aber auch keinen positiven Impuls.
Die Aktien der Deutschen Börse verloren 1,69 Prozent auf 58,84 Euro und verloren damit weiter an Boden. Die Papiere hatten bereits am Dienstag nachgegeben, nachdem die Kontrollgremien des deutschen Börsenbetreibers sowie der amerikanisch-europäischen Börse NYSE Euronext der geplanten Fusion zugestimmt hatten. Am Mittwoch haben sich nach Einschätzung von Experten die am Dienstagabend veröffentlichten Zahlen negativ ausgewirkt. Der Konzern hatte im vierten Quartal unter hohen Abschreibungen im Zusammenhang mit der 2007 übernommenen amerikanische Optionsbörse ISE gelitten. Gestützt wurde der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch vor allem von starken Bank- und Versicherungswerten sowie einem deutlichen Plus beim Schwergewicht Siemens. Die Banktitel profitierten von positiv aufgenommenen Zahlen der französischen Societe Generale. Die Deutsche-Bank-Aktien kletterten an der Dax-Spitze um 3,50 Prozent auf 48,54 Euro und waren damit so teuer wie seit Mitte September nicht mehr. Die Papiere der Allianz, der Commerzbank und der Münchener Rück zogen zogen deutlich an. Bei Siemens stützten positive Analystenkommentare. So nahm beispielsweise die britische Investmentbank Barclays die Aktie mit „Overweight“ und einem Kursziel von 116 Euro in die Bewertung auf. Die Deutsche Bank erhöhte außerdem das Kursziel auf 95 Euro. Zudem habe die Aktie eine charttechnisch wichtige Marke durchbrochen, sagten Händler. Bis Handelsende legte sie um 2,17 Prozent auf 96,90 Euro zu und stieg damit auf den höchsten Stand seit Januar 2008.
Schwach entwickelten sich dagegen die Versorgerwerte. Spekulationen um einen wenig inspirierenden Ausblick drückten Eon-Titel mit 1,05 Prozent auf 24,48 Euro ins Minus. Vor allem das Gasgeschäft könnte für Probleme sorgen, hieß es am Markt. Das sollte aber eigentlich nicht überraschen. Auch die Anteilsscheine des Konkurrenten RWE gaben nach und zwar um 1,53Prozent auf 52,05 Euro. Zu den Verlierern im Dax zählten auch K+S, die sich um 1,64 Prozent auf Euro verbilligten. Börsianer führten das auf Berichte zu den Kalipreisen in Indien zurück. Demnach dürften die Preise für Kali in Indien von April an bei 390 amerikanische Dollar je Tonne liegen. Das liegt Händlern zufolge 10 Dollar unter dem vor einigen Wochen in China vereinbarten Preis. Im MDax lagen Praktiker mit einem Plus von 6,51 Prozent auf 8,440 Euro. Das Unternehmen kündigte an, bis 2013 das operative Ergebnis um 100 Millionen Euro verbessern zu wollen. Im TecDax richteten sich die Blicke auf die Titel von Pfeiffer Vacuum Technology nach Zahlen. Sie lagen mit 1,58 Prozent bei 95,25 Euro im Plus. Commerzbank-Analyst Norbert Kretlow sprach von einem „guten vierten Quartal“. Dass es nicht weiter nach oben ging, begründete ein Händler damit, dass die Titel schon am Montag deutlich gestiegen seien. Der EuroStoxx 50 schloss 1,04 Prozent höher bei 3061,92 Punkten. Auch die Pariser und Londonder Börsen legten zu. In den Vereinigten Staaten ging es ebenfalls nach oben.
Aktien-Rally stützt den Euro im späten Handel
Die Fortsetzung der Rally an den Aktienmärkten hat am Mittwoch im späten europäischen Devisenhandel den Euro zum Dollar gestützt. Als an Wall Street die Blue-Chip-Indizes im frühen Handel auf neue mehrjährige Rekordmarken stiegen, kauften Investoren wieder Euro gegen Dollar. Handelte die Gemeinschaftswährung gegen 15.00 Uhr im Tagestief noch mit 1,3462 Dollar, so hat sie sich gegen 17.10 Uhr bis auf 1,3512 Dollar erholt. Zuvor hatten überraschend stark gestiegene Erzeugerpreise in den Vereinigten Staaten den Euro nachgeben lassen. „Mit dem Risiko-Appetit an Wall Street ist dann im Währungshandel einmal mehr reflexartig der Appetit auf den Euro zurückgekehrt, weil ausländische Investoren eben auch europäische Aktien kaufen“, sagte ein Händler. Die Kernrate der Erzeugerpreise in den Vereinigten Staaten ist im Januar um 0,5 Prozent gestiegen im Vergleich zum Dezember. Sie ist bereinigt um die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel. Die Konsensschätzung von Volkswirten lautet auf eine Teuerung von lediglich 0,2 Prozent.
„Der kräftige Preisanstieg bei Rohstoffen scheint sich allmählich auf verarbeitete Produkte auszuwirken“, stellte Heinrich Bayer von der Postbank fest. Noch sei die Entwicklung nicht alarmierend. Sollte sich der Anstieg der Rohstoffpreise jedoch fortsetzen, könne das Wohlwollen mit Blick auf den noch moderaten Preisanstieg in Unbehagen umschlagen. In Großbritannien wird die Inflation der Bank of England (BoE) zufolge kurzfristig höher ausfallen als noch im November 2010 erwartet. Den Leitzins will die Notenbank aber dennoch langsamer anheben als Marktteilnehmer bislang projizieren. Daraufhin wertete das Pfund Sterling zum Euro und zum amerikanische Dollar ab. Die Metzler Bank macht beim Tief des Euro vom Montag bei 1,3430 Dollar eine technische Unterstützung für den Euro zum Greenback aus. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1.371,25 Dollar gefixt. Am Vormittag wurde sie dort mit 1.374,50 Dollar festgestellt.
Unruhen in arabischer Welt treiben Ölpreis nach oben
Die Ausweitung der Proteste in der arabischen Welt hat Investoren am Ölmarkt in Unruhe versetzt. Anleger fürchten, dass es zu Lieferschwierigkeiten kommen könnte, wenn die Demonstrationen und Auseinandersetzungen in Nordafrika und am Persischen Golf anhalten. „Der Markt ist sehr nervös“, sagte Thorbjorn Bak Jensen, Öl-Analyst bei A/S Global Risk Management Ltd. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent stieg am Mittwoch um 1,2 Prozent auf 102,77 Dollar pro Fass, nachdem erstmals auch im wichtigen Ölförderland Libyen Bürgerproteste aufkamen. Öl der Sorte WTI kostete mit 84,86 Dollar 0,6 Prozent mehr. Die arabische Welt wird seit Wochen von Demonstrationen und Unruhen erschüttert. In Ägypten und Tunesien wurden die autoritären Machthaber durch den Druck der Straße vertrieben. Auch in Bahrain und im Jemen kommt es seit Tagen zu Protesten gegen die Regierungen. „Es ist schwierig zu sagen, ob die Länder die Lage in den Griff bekommen“, sagte Bak Jensen. Die Furcht vor Lieferschwierigkeiten hatten den Brent-Preis Ende Januar erstmals seit 2008 wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar klettern lassen. Das jahrzehntelang als wichtigerer Richtwert wahrgenommene amerikanische Öl WTI blieb deutlich billiger. Im Moment sei rund ein Viertel der Preisdifferenz auf die Ängste rund um den Nahen Osten zurückzuführen und drei Viertel auf die überquellenden Vorratslager in den Vereinigten Staaten , sagte LBBW-Rohstoffanalyst Frank Schallenberger in einem Interview mit Reuters Insider. Über 20 Dollar dürfte die Preisdifferenz seiner Einschätzung nach wohl eher nicht gehen. „Fünfzehn, sechzehn Dollar sind schon das höchste der Gefühle, es wird peu a peu zurückgehen“, sagte Schallenberger. Zugegriffen haben Anleger auch am Goldmarkt. Der Preis für das Edelmetall kletterte bis auf ein Monatshoch von 1377,65 Dollar je Feinunze. Zunehmende Inflationsängste machten Gold wieder attraktiver, sagten Händler. Angefacht wurden die Sorgen vor allem von der am Dienstag veröffentlichten Teuerungsrate in China. Im Januar stiegen die Verbraucherpreise verglichen mit dem Vorjahr um 4,9 Prozent. In diesem Monat hat Gold bislang mehr als drei Prozent zugelegt. „Steigende Rohstoffpreise bei gleichzeitig anziehender Konjunktur und üppiger Liquidität sprechen für langfristig höhere Inflationsrisiken, wovon die Edelmetalle profitieren sollten“, erläuterten die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar.
Das Nachsehen hatte dagegen Kupfer: Spekulationen, dass die chinesische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter straffen könnte, um dem heimischen Wirtschaftsmotor abzukühlen, drückten den Preis für das Industriemetall unter 10.000 Dollar. Der Preis gab um mehr als ein Prozent auf 9904 Dollar je Tonne nach. Am Dienstag war er noch auf ein Rekordhoch von 10.190 Dollar gestiegen. Die Ungewissheit dämpft den Risikoappetit der Anleger, sagte ein Händler. China ist der größte Kupferkonsument der Welt und nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Ölverbraucher.
Deutsche Anleihen tendieren fester im späten Nachmittagshandel
Die deutschen Staatsanleihen haben am Mittwoch am späten Nachmittag fester tendiert. Der richtungweisende Euro-Bund-Future kletterte um 0,31 Prozent auf 123,06 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,250 Prozent. Nach dem Inflationsbericht der Bank of England (BoE) am Morgen hatten die Rentenmärkte ihre Kursgewinne kräftig ausgebaut. Grund könnten aus Sicht von HSBC-Experte Thomas Amend zu hohe Erwartungen in Richtung möglicher Zinserhöhungssignale der BoE gewesen sein. Auch technisch habe sich das Bild zuletzt für den Bund-Future aufgehellt. Im Nachmittagshandel gab der Bund-Future einen Teil seiner Gewinne wieder ab, nachdem er zeitweise bis auf 123,44 Punkte geklettert war. Stärker als erwartet gestiegene Baubeginne in den Vereinigten Staaten belasteten die Festverszinslichen etwas.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.050,29 | −3,42% |
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| TecDAX | 730,90 | −2,68% |
| MDAX | 9.870,46 | −2,73% |
| SDAX | 4.717,40 | −2,20% |
| REX | 439,15 | +0,37% |
| Eurostoxx 50 | 2.068,66 | −2,37% |
| F.A.Z. EURO | 67,11 | −2,09% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| Nasdaq 100 | 2.458,83 | −2,62% |
| S&P500 | 1.278,04 | −2,46% |
| Nikkei225 | 8.440,25 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
| Bund Future | 146,44 € | +0,36% |