Home
http://www.faz.net/-gv7-70eh9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Marktbericht Dax schließt deutlich fester

 ·  Nach heftigen Schwankungen haben die deutschen Aktienmärkte am Mittwoch Boden gut gemacht. Alle wichtigen Leitindizes schlossen im Plus. Dass die Europäische Zentralbank den Banken vorerst keine weiteren Kredite geben will, drückte auf die Stimmung.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Deutsche Aktien haben sich am Mittwoch nach turbulentem Verlauf von den Verlusten der vergangenen Tage erholt und deutlich fester geschlossen. Zwischenzeitlich hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Anlegern die Stimmung verdorben. Während der Pressekonferenz der EZB gab der Leitindex Dax einen großen Teil seiner zuvor erzielten Gewinne von rund 2 Prozent ab, legte aber im späten Handel dank der starken Wall Street wieder zu. Am Ende stand ein Plus von 2,1 Prozent bei 6094 Punkten zu Buche - knapp unter Tageshoch. Der M-Dax kletterte gar um 3,1 Prozent auf 10.036 Punkte und der Tec-Dax rückte um 2,8 Prozent auf 736 Punkte vor. Der marktbreite FAZ-Index stieg um 2,2 Prozent auf 1331 Punkte.

Dass die EZB keine neuen, langfristigen Refinanzierungsgeschäfte plant, habe die Stimmung der Anleger zwischenzeitlich eingetrübt, hieß es. Mit dieser Art Liquiditätshilfe hatten die Währungshüter den Banken bereits im Dezember und Februar unter die Arme gegriffen. Den Leitzins beließ die EZB am Mittwoch unverändert. Allerdings ist eine weitere Zinssenkung nach Einschätzung der Commerzbank wahrscheinlich. „Der bisherige wirtschaftliche Ausblick, der weiter von einer graduellen Erholung ausgeht, dürfte zu optimistisch sein“, sagte Commerzbank-Experte Michael Schubert.

Rettung des spanischen Bankensektors im Blick

Für eine weitere Zinslockerung sprächen auch einige Abweichler im EZB-Rat, die sich für eine sofortige Zinssenkung ausgesprochen hätten. Entscheidend dürfte aber der Ausgang der griechischen Wahlen sein. Denkbar seien bei einem ungünstigen Ausgang auch weitere Langfristtender, da eine Zinssenkung alleine nur eine beschränkte Wirkung hätte, sagte Schubert. Mit Erleichterung hatte der Markt am Vormittag darauf reagiert, dass die Probleme des spanischen Bankensektors nun offenbar auf europäischer Ebene angepackt werden.

Stützend wirkte auch die Medienmeldung, wonach das verstaatlichte spanische Kreditinstitut Bankia weniger Hilfen benötige, als die gegenwärtig im Raum stehenden 19 Milliarden Euro. Zudem konnte sich Portugal bei hoher Nachfrage und wieder günstigeren Konditionen frisches Kapital am Geldmarkt beschaffen.

Bankenwerte trotzen Moody’s-Herabstufung

Im Fokus der Anleger standen Bankenwerte, die einer Abstufung durch die Ratingagentur Moody’s trotzten. Die Papiere der Commerzbank stiegen um knapp 3 Prozent, jene der Deutschen Bank um 3,7 Prozent.

Im M-Dax profitierten die Aktien des Lackieranlagenherstellers Dürr von positiven Analystenkommentaren und kletterten um 11,5 Prozent. Sie waren damit Tagessieger im Index mittelgroßer Werte.

Wall Street deutlich im Plus

Die Wall Street ist am Mittwoch beflügelt von Hoffnungen auf ein Eingreifen der Zentralbanken mit deutlichen Gewinnen in den Handel gegangen. Der Dow Jones Index legte eine Stunde nach dem Start um 1,2 Prozent auf 12.272 Punkte zu. Schon am Dienstag hatte er nach vier Verlusttagen in Folge den Handel mit einem leichten Gewinn abgeschlossen. Im Mai hatte der Dow mit einem Verlust von über 6 Prozent noch das größte Minus seit 24 Monaten eingefahren. Für den marktbreiten S&P 500-Index ging es am Mittwoch um 1,2 Prozent auf 1.301 Zähler aufwärts. An der Technologiebörse Nasdaq legte der Composite Index um 1,4 Prozent auf 2817 Punkte zu.

Es gebe keine Anzeichen für eine Erholung der europäischen Wirtschaft auf kurze Sicht, sagte ein Händler. Die Dinge könnten sogar noch schlechter werden. Investoren hofften daher auf ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank hatte den Leitzins zwar bei 1,0 Prozent belassen. Einige Mitglieder des geldpolitischen Rates hatten allerdings eine Senkung gefordert. Auch in den Vereinigten Staaten schauen die Anleger auf die Zentralbank: Am Abend wird die Federal Reserve ihren monatlichen Konjunkturbericht (Beige Book) veröffentlichen. In den Vereinigten Staaten sorgt die konjunkturelle Entwicklung derzeit ebenfalls nicht für Begeisterung: Zuletzt enttäuschten die Daten zur Produktivität im ersten Quartal, diese war deutlicher gesunken als bisher geschätzt. Daher waren auch in den Vereinigten Staaten abermals Hoffnungen aufgekeimt, dass die Fed ein neues Anleihekaufprogramm (QE3) auflegen könnte.

Home Depot legten um überdurchschnittliche 1,8 Prozent zu. Die Baumarktkette hatte vor Börsenbeginn angekündigt, ihr Aktienrückkaufprogramm für das laufende Jahr aufzustocken. Zudem bekräftigte der Konzern seine jüngst angehobenen Prognosen für Gewinn und Umsatz für das laufende Jahr. Microsoft gewannen 1,7 Prozent. Das japanische Analysehaus Nomura hatte die Einstufung für die Titel des Softwarekonzerns auf „Buy“ mit einem Kursziel von 37,00 Dollar bestätigt. Der Fokus eines Pressetermins zur Spielekonsole „Xbox“ habe auf neuen Spieletiteln und auf der Ausweitung der Plattform gelegen, hieß es zur Begründung. Die Richtung der präsentierten Themen sei positiv und deute auf eine weiter steigende strategische Relevanz der Spielekonsole hin.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Aktienmärkte
Name Wert Änderung
  FAZ-INDEX --  --
  DAX --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei225 --  --
  Hang Seng --  --
  FAZ-Euro-Index --  --
  Eurostoxx 50 --  --
  S&P500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  SDAX --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche