10.03.2010 · Die europäischen Aktienmärkte verzeichnen am Nachmittag nach zunächst lethargischem Handel deutliche Kursgewinne. Kurz vor den konzertiert und europaweit einsetzenden Wertpapierkäufen hatte es noch geheißen: „Es fehlt der richtige Schub, wir wissen nicht, was wir machen sollen.“
Die europäischen Aktienmärkte verzeichneten am Nachmittag deutliche Kursgewinne. . Der Leitindex Dax kletterte auf den höchsten Stand seit anderthalb Monaten und schloss 0,86 Prozent höher bei 5.936,72 Punkten. Für den MDax mittelgroßer Werte ging es um 1,28 Prozent auf 7.926,49 Zähler hoch. Der TecDax profitierte vom Kurssprung bei Aixtron und legte mit plus 1,67 Prozent auf 843,67 Punkte am stärksten zu.
Der Dax nähert sich immer mehr der 6.000-Punktemarke, die er zu Beginn des Jahres schon einmal für kurze Zeit überwunden hatte. Einen eigentlichen Grund für die Kursgewinne scheint es zunächst nicht zu geben. Kurz vor den konzertiert und europaweit einsetzenden Wertpapierkäufen hatte es noch geheißen: „Es fehlt der richtige Schub, wir wissen nicht, was wir machen sollen. Alle warten auf neue Impulse, zum Beispiel von der Konjunkturseite“, klagte ein Händler.
Kurse steigen ohne große nachrichtliche Impulse
Nachträglich lässt sich jedoch alles begründen. „Es war nicht viel los am Markt und so konzentrierten sich die Anleger auf positive Impulse von der Charttechnik“, sagte Postbank-Händler Thomas Stengl schließlich. Interessant sei auch die Aussage der Munich Re, die Aktienquote eventuell auf über fünf Prozent zu steigern. Das könnte Kaufinteresse bei Versicherern wecken. IG Markets-Analyst Patrick Pflüger goss aber Wasser in den Wein und warnte: „Die aktuelle Situation am Markt ist deutlich überkauft und ein Rücksetzer muss nun jederzeit einkalkuliert werden.“ Auch aus seiner Sicht sei der Handelstag relativ impulslos verlaufen und die Umsätze seien relativ gering geblieben. Positiv hätten die Großhandelszahlen aus den Vereinigten Staaten gewirkt.
Von Seiten der Firmen gab es ebenfalls wenig Impulse. „Die Unternehmensmeldungen sind einfach nicht prickelnd genug, um die Anleger wieder an den Markt zu locken“, fasste ein Händler zusammen. „Viele sind ratlos und haben keine klare Vorstellung, in welche Richtung es schließlich weitergeht.“ Börsianern zufolge waren zahlreiche Kursbewegungen zufallsbedingt. „Wegen der geringen Umsätze kann eine kleine Order relativ große Bewegungen auslösen, ohne dass dies die Einschätzung der Mehrheit am Markt widerspiegelt“, sagte ein Händler.
Die Berichtsunternehmen standen in den Dax-Indizes im Fokus. Eon-Aktien verteuerten sich um 1,38 Prozent auf 27,250 Euro. Der Energiekonzern hatte 2009 zwar einen leichten Gewinnrückgang hinnehmen müssen und gab einen vorsichtigen Ausblick. Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank relativierte aber: „Mit einem stabilen Geschäftsmodell und einer Dividendenrendite von deutlich über fünf Prozent zeigt Eon Steherqualitäten.“ Titel von Munich Re legten um 1,38 Prozent auf 117,90 Euro zu. Der Rückversicherer peilt trotz der Belastung durch Naturkatastrophen weiter einen Milliardengewinn an.
Im MDax reagierten Immobilientitel weniger entschlossen auf die Bilanzvorlagen in dem Sektor. Gagfah hatte nach einem Schlussspurt im vierten Quartal seine Ziele für das abgelaufene Jahr erreicht. Händler bezeichneten die Zahlen aber als „unspektakulär“. Die Aktien gewannen 0,97 Prozent auf 6,958 Euro. Für IVG fielen die Kommentare an der Börse noch zurückhaltender aus. Ein Börsianer sagte: „Die Aktien sind nicht mehr im Fokus und es gibt nicht viele Schätzungen - sehr überzeugend sehen die Ergebnisse aber nicht aus.“ So gingen die Papiere auch unverändert bei 5,700 Euro aus dem Handel.
Im TecDax legten die Kurs der Aixtronpapiere nach endgültigen Zahlen und einem laut Börsianern „sehr guten Ausblick auf 2010“ um 8,01 Prozent auf 25,88 Euro deutlich zu. Bei 26,75 Euro erreichte die Aktie den höchsten Stand seit Dezember 2001.
In Europa gewann der EuroStoxx 50 1,00 Prozent auf 2909,40 Zähler. Die Börsen in Paris und London verzeichneten auch ein Plus. In New York stand der Dow Jones zum Ende des europäischen Handels 0,11 Prozent höher, die Nasdaq legte um 0,70 Prozent zu.
Euro legt deutlich zu - Pfund weiter unter Druck
Der Euro legt am Mittwochnachmittag deutlich gegenüber dem Dollar zu. Betrachtet man einen längeren Zeitraum, eröffnet sich das Bild, dass die Gemeinschaftswährung im Bereich bei 1,35 Euro einen Boden gefunden hat. Die Positionsdaten von der Terminbörse in Chicago belegen weiterhin, dass große Shortpositionen im Euro bestehen: Von dieser Seite scheint momentan die Nachfrage an den Markt zu kommen. Denn diejenigen, die auf einen weiter steigenden Dollar gesetzt hatten, müssen in einen steigenden Kurs hinein Euro kaufen. Ein anderes Bild zeigt sich im Pfund. Auch in der britischen Währung bestehen große Shortpositionen, die von einem schwachen Pfund profitieren. Am Morgen gab es schwache Konjunkturdaten von der Insel. Die britische Industrieproduktion ist zu Jahresbeginn überraschend gesunken, wobei die Erzeugung im verarbeitenden Gewerbe jedoch den ersten Anstieg binnen Jahresfrist seit fast zwei Jahren verzeichnete.
Zudem rückten die Staatsfinanzen Großbritanniens verstärkt in den Fokus des Marktes, hieß es von den Devisen-Spezialisten der Commerzbank. Es stelle sich zunehmend die Frage, ob das Land in der Lage sein werde, den Staatshaushalt ausreichend schnell zu konsolidieren. Die anstehenden Parlamentswahlen im Frühling hätten die Skepsis diesbezüglich verstärkt und das Pfund kräftig unter Druck gebracht. Leichter tendierte der Yen zum Euro und zum Dollar nach einem Rückgang der japanischen Maschinenbauaufträge. Sie fielen im Januar um 3,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Neue Impulse für den Devisenmarkt sind erst am Freitag zu erwarten, wenn die amerikanische Einzelhandelsumsätze und der Index des amerikanische Verbrauchervertrauens aus Michigan veröffentlicht werden. Die Feinunze Gold notierte zum Nachmittags-Fixing in London bei 1.120,50 Dollar nach einem Vormittagsfixing mit 1.124,50 Dollar.
Deutsche Anleihen: Kursverluste nach freundlichen Aktienmärkten
Die deutschen Staatsanleihen sind am Mittwoch von freundlichen Aktienmärkten belastet worden. Der richtungweisende Euro-Bund-Future sank bis zum Abend um 0,15 Prozent auf 122,64 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,153 Prozent. Händler führten die schwache Tendenz der Festverzinslichen vor allem auf die recht gute Stimmung an den Aktienmärkten zurück. Fundamentale Impulse blieben jedoch erneut Mangelware. Aus den Vereinigten Staaten wurde lediglich ein leichter Rückgang der Großhandelslagerbestände gemeldet. Auch neue Zahlen zur Industrieproduktion aus einzelnen Mitgliedsländern des Euroraums konnten nicht nachhaltig bewegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |