Vor den Ergebnissen des Stresstests für spanische Banken hat der Dax am Freitag nachgegeben. Zudem belasteten enttäuschend ausgefallene Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten die Stimmung. Der deutsche Leitindex schloss mit einem Abschlag von ein Prozent bei 7216 Punkten auf Tagestief. Im Wochenverlauf verbuchte er damit ein Minus von 3,2 Prozent. Vor einer Woche am Hexensabbat, dem großen Verfallstag an den Terminmärkten, hatte der Dax noch ein 14-Monatshoch markiert. Für das dritte Quartal beläuft sich das Plus auf etwas mehr als 15 Prozent. Der M-Dax beendete den Handel an diesem Freitag mit minus 0,3 Prozent bei 10.978 Punkten. Der Tec-Dax schloss nahezu unverändert mit minus 0,04 Prozent bei 809,5 Punkten. Der marktbreite FAZ-Index ging 0,9 Prozent tiefer bei 1541 Punkten aus dem Handel.
Die beschlossenen Rekordeinsparungen der spanischen Regierung hätten den Markt nur kurzzeitig gestützt, sagte ein Händler. Viele Anleger seien aber wegen der anstehenden Bekanntgabe des geschätzten Kapitalbedarfs spanischer Banken nervös geworden und hätten Gewinne mitgenommen. Dies habe sich auch in anziehenden Renditen für Staatsanleihen klammer Euro-Länder wie Spanien und Italien gezeigt. Ein Börsianer verwies auch auf ein Interview des „Handelsblatts“ mit Allianz-Chef Michael Diekmann, wonach Europas größter Versicherer wegen gestiegener Risiken kaum noch Staatsanleihen kauft.
Nach Börsenschluss teilte die spanische Zentralbank jedoch mit, dass der angeschlagene spanische Bankensektor 59,3 Milliarden Euro an Hilfszahlungen braucht. Damit benötigen die Banken Spaniens weniger Geld als befürchtet. Die Eurozone hatte dem südeuropäischen Land im Juli eine Finanzspritze von bis zu 100 Milliarden Euro zugesichert, um die nach dem Platzen der Immobilienblase angeschlagenen Kreditinstitute zu stützen.
Zurückhaltung vor Moody’s-Urteil zu Spanien
Zudem warteten die Märkte auf das Urteil der Ratingagentur Moody’s über Spanien. Mitte Juni hatte die Agentur eine weitere Senkung der Kreditwürdigkeit angedroht. Die gesetzte Frist von drei Monaten läuft im September ab. Moody’s bewertet Spanien derzeit nur eine Note über Ramsch-Niveau. Unter den Einzelwerten zählten die Aktien von Thyssen Krupp mit plus 0,8 Prozent zu den größten Gewinnern. Der Stahlkonzern verkauft seine Tochter Tailored Blanks an den chinesischen Wettbewerber Wuhan Iron and Steel für einen nicht öffentlich genannten Preis. Zudem erwägt der südkoreanische Wettbewerber wohl den Kauf des Thyssen-Stahlwerks in Alabama.
Die Bankenwerte, die am Vormittag noch zu den attraktivsten Werten gehört hatten, gingen mit Verlusten aus dem Handel. Die Aktien der Deutschen Bank verloren 1,1 Prozent und die der Commerzbank 0,8 Prozent. Die Anteilsscheine der Lufthansa litten mit minus 1,7 Prozent unter Aussagen von Konzernchef Christoph Franz. Die schwierige konjunkturelle Lage, hohe Treibstoffkosten und die Krise in der Eurozone könnten die Sparbemühungen der größten deutschen Fluggesellschaft ausbremsen. Franz will die Sparanstrengungen daher verschärfen.
Rhön-Aktien legen weiter zu
Die Aktien von Rhön-Klinikum bauten im M-Dax ihre Vortagesgewinne weiter um 0,4 Prozent aus. Der Klinikbetreiber hatte am Vorabend angekündigt, dass Vorstandschef Wolfgang Pföhler und Finanzvorstand Erik Hamann das Unternehmen verlassen. Nach der gescheiterten Übernahme durch den Medizinkonzern Fresenius will Rhön zudem nun selbst wieder zukaufen.
Die EADS-Papiere sanken um 0,4 Prozent. Die Spitze des Luftfahrtkonzerns warnte davor, die geplante Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE zu verschleppen. „Ein solches Vorhaben verlangt schnelle Entscheidungen“, sagte Airbus-Chef Fabrice Brégier der Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Die Regierungen in Berlin und Paris beharren allerdings darauf, ihren Einfluss in dem neuen Konzern zu sichern.
Euro unter 1,29 Dollar
Am Rentenmarkt stieg die Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,16 (Vortag 1,15) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,04 Prozent auf 134,28 Punkte. Der Bund-Future kletterte um 0,13 Prozent auf 141,65 Punkte.
Der Euro fiel bis zum Abend wieder unter 1,29 Dollar und stand zum europäischen Aktienmarktschluss bei 1,2850 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2930 (Donnerstag: 1,2874) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7734 (0,7768) Euro.
Gewinnmitnahmen an der Wall Street zum Quartalsende
Gewinnmitnahmen haben die Aktienkurse an der Wall Street am Freitag zur Börseneröffnung ins Minus gedrückt. Auch die weiter schwelenden Sorgen um Spanien belasteten die Indizes, obwohl die Regierung in Madrid mit der Vorlage neuer Sparpläne am Donnerstag die Lage zunächst beruhigt hatte. Am Freitag wurde die Entscheidung der Ratingagentur Moody's zur Kreditwürdigkeit des Königreichs erwartet. Wenig Einfluss hatten die Daten zu den amerikanischen Konsumausgaben, die im August erwartungsgemäß um 0,5 Prozent zulegten. Der Dow-Jones-Index sackte im Handelsverlauf um 0,4 Prozent auf 13.436 Punkte ab. Der breiter gefasste S&P-500 notierte mit 1438 Zählern 0,6 Prozent im Minus. Und auch der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,4 Prozent auf 3125 Punkte nach. Vor allem die Erwartung neuer geldpolitischer Lockerungen durch die amerikanische Notenbank hatte den Kursen in New York im am Freitag endenden Quartal Auftrieb gegeben. Der Dow Jones verbuchte in den vergangenen drei Monaten bisher ein Plus von 4,7 Prozent, der S&P sogar von 6,2 Prozent.
Bei den Einzelwerten standen Nike und Research in Motion (RIM) im Fokus. Der Adidas-Rivale Nike verbuchte im Quartal zwar ein Umsatzplus von 10 Prozent, der Gewinn reduzierte sich allerdings um 12 Prozent. Vor allem der Rückgang der Bestellungen im wichtigen chinesischen Markt machte Nike zu schaffen. Die Aktie verlor 1,2 Prozent. Die in New York gelisteten Titel des Blackberry-Herstellers RIM schnellten um fast 10 Prozent in die Höhe, nachdem der Konzern für das abgelaufene Quartal ein überraschend starkes Finanzpolster bekanntgegeben hatte. Das kanadische Unternehmen gab seine Barmittel mit 2,3 Milliarden Dollar im zweiten Geschäftsquartal an nach 2,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal.