Am deutschen Aktienmarkt hat am Montag nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland die Zuversicht über die Skepsis triumphiert. Seine deutlichen Auftaktverluste im Zuge der Unsicherheit über die Folgen des Wahlausgangs in Paris und Athen konnte der Dax am Nachmittag deutlich eindämmen. Zum Handelsschluss verbuchte das Barometer dann sogar ein Plus von 0,1 Prozent auf 6569 Punkte. Für den M-Dax ging es um 0,3 Prozent auf 10.626 Punkte nach oben. Der Tec-Dax kletterte um 0,3 Prozent auf 784 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index stieg um 0,1 Prozent auf 1450 Punkte.
Investoren gingen inzwischen davon aus, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und François Hollande zusammenrauften und keine erneute Euro-Krise heraufbeschwören würden, sagte Robert Halver, Marktanalyst von der Baader Bank, die im Tagesverlauf zurückgekehrte Zuversicht. Händler Markus Huber von ETX Capital ergänzte: „Die Kurse im frühen Geschäft waren doch für einige Anleger einfach zu billig und zu verlockend, um nicht zuzugreifen.“
Nach zwei Jahren harter Sparpolitik ohne Aussichten auf Besserung hatten die Wähler in Griechenland die etablierten Parteien abgestraft. Konservative und Sozialisten können weder alleine noch zusammen weiter regieren. Nun zeichnet sich eine äußerst schwierige Regierungsbildung ab. In Frankreich wurde zudem der Sozialist François Hollande wie erwartet zum Staatspräsidenten gewählt. Der Politiker hatte sich im Wahlkampf gegen den strikten Sparkurs Deutschlands gestellt.
Commerzbank an der Spitze
Besonders deutlich spiegelte sich der Stimmungswechsel bei der Entwicklung der Bankaktien wider. Sie standen im frühen Handel noch klar im Minus, erholten sich dann aber deutlich. So gewannen Deutsche Bank zum Handelsende 1,5 Prozent. Die Anteilsscheine der Commerzbank stiegen um 3,2 Prozent und waren damit sogar bester Wert im Dax.
Zu den Gewinnern zählten ferner die Titel von Adidas mit plus 1,9 Prozent. BMW verteuerten sich nach starken China-Absatzzahlen um 1,5 Prozent. Konjunktursensitive Chemietitel wie Linde und BASF gerieten dagegen unter Abgabedruck. Klarer Verlierer im Tec-Dax waren die Aktien von QSC, die um 8,8 Prozent absackten. Der auf Geschäftskunden spezialisierte Telekom-Anbieter hatte mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen verfehlt.
Europäische Wahlergebnisse belasten Wall Street nur moderat
Die politische Unsicherheit nach den europäischen Schlüsselwahlen in Frankreich und Griechenland sorgt am Montag zu Beginn des Handels an Wall Street nur für leichte Abgaben. Die Indizes folgen damit ihren Pendants aus Europa, die sich von ihrem anfänglichen Einbruch wieder erholt und sogar ins Plus gedreht haben. Der Dow Jones Index gibt um 0,3 Prozent auf 13.006 Punkte nach und der S&P-500 fällt um 0,1 Prozent auf 1368 Zähler. Händler verweisen zur Begründung für die Erholung der Kurse in Europa auf einen „zweiten Blick“ der Investoren auf die Ergebnisse vom Wochenende. „Interessanterweise haben zwar Nea Demokratia und Pasok schmerzliche Wahlschlappen hinnehmen müssen, dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 80 Prozent der griechischen Wähler im Euro und der EU verbleiben wollen“, kommentiert Stefan Hofrichter, Chefvolkswirt von Allianz Global Investors.
In Frankreich gewann mit dem Sozialisten Francois Hollande ein Kandidat die Wahl zum Präsidenten, dessen oberste Priorität offenbar nicht die Konsolidierung des Haushalts darstellt. Hollande will den europäischen Fiskalpakt um Wachstumsprogramme ergänzen. Händler befürchten, dass mit Schulden finanziertes Wachstum die europäische Schuldenkrise verschärfen könnte, zumal sich im hochverschuldeten Griechenland ein politisches Durcheinander nach den Parlamentswahlen abzeichnet. Bei dem Urnengang am Wochenende haben mit der Nea Demokratia und der Pasok die beiden großen zu den Verpflichtungen der Rettungspakete für Athen stehenden Parteien die Mehrheit verloren. Der globale Risikoappetit leide unter den Wahlergebnissen in Frankreich und Griechenland. Zwar sei der Wahlsieg von Hollande erwartet worden, aber sein Verhältnis zu Deutschland gelte weiterhin als unsicher, heißt es von einem Marktstrategen.
Die gestiegene Risikoaversion ist auch am Ölmarkt ablesbar. Sowohl der Preis für amerikanisches Leichtöl WTI als auch die europäische Referenzsorte Brent geben nach. Es ist bereits der vierte Tag in Folge mit fallenden Notierungen. Vor diesem Hintergrund bevorzugen Anleger die vermeintliche Sicherheit von amerikanischen Staatsanleihen. Am langen Ende des Marktes ziehen die Notierungen der amerikanischen Anleihen an, die Renditen sinken. Bei den zehnjährigen Anleihen erhalten Anleger aktuell eine Rendite von 1,86 Prozent. Der Euro büßt zum Dollar an Boden ein und handelt bei 1,3055 Dollar. Allerdings erholt sich die Gemeinschaftswährung weiter analog zum Aktienmarkt von den Tiefstständen aus dem frühen Handel. Da Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten nicht anstehen, bleibt der Fokus an den amerikanischen Finanzmärkten weiter gen Europa gerichtet. Zudem setzt sich auch die amerikanische Berichtssaison fort. American International Group verlieren 5 Prozent. Die amerikanische Regierung hat dem Verkauf eines Aktienpaketes des Versicherers im Umfang von 5 Milliarden Dollar zugestimmt. Der Preis je Aktie liegt bei 30,5 Dollar und damit 7 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag. Mit einer überraschenden Stärke zeigen sich die Bankenwerte. Sie folgen damit den positiven Vorgaben aus Europa, wo Deutsche Bank und die Aktien von Société Générale ebenfalls im Plus liegen. Im Dow Jones Index gewinnen Bank of America 1,6 Prozent. Merck & Co verlieren dagegen 0,4 Prozent. Marktteilnehmer verwiesen zur Begründung auf negative Nachrichten von Roche. Der Pharmakonzern gibt die Entwicklung des Herz-Kreislauf-Mittels Dalcetrapib, ein Hoffnungsträger des Unternehmens, auf. Merck & Co entwickle derzeit in diesem Bereich mit CETP ebenfalls ein Präparat. „Da sind die Anleger wohl etwas vorsichtig“, sagt ein Analyst. GTSI haussieren um 47 Prozent. Eine Tochter von UNICOM Systems übernimmt das Unternehmen, der Wert der Transaktion beläuft sich auf 76,7 Millionen Dollar. Die Aktien von Georgia Gulf geben um 8,4 Prozent nach, Westlake Chemical nimmt Abstand von der geplanten Übernahme des Unternehmens. Westlake-Aktien reduzieren sich um 0,1 Prozent.