Nach guten Konjunkturdaten aus Europa und den Vereinigten Staaten hat der deutsche Aktienmarkt am Montag deutlich zugelegt. Der Dax kletterte um 1,5 Prozent auf 7327 Punkte, nachdem er in den vergangenen fünf Handelstagen noch um insgesamt 3,2 Prozent abgerutscht war. Der M-Dax mittelgroßer Werte legte am Montag um 1,4 Prozent auf 11.129,5 Punkte zu, und der Tec-Dax verbuchte ein Plus von 1,1 Prozent auf 818,5 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gewann 1,4 Prozent auf 1563 Punkte.
Zunächst hatten positive europäische Konjunkturdaten die Aufwärtsbewegung gestützt: Die Stimmung der spanischen, italienischen, französischen und deutschen Einkaufsmanager aus der Industrie hatte sich im September überraschend etwas aufgehellt. Am Nachmittag sorgte dann der amerikanische ISM-Einkaufsmanagerindex für weiteren Auftrieb. Auch hier hatte sich die Stimmung im Vormonat verbessert. Zudem zeigt die Kennzahl wieder ein Wachstum des Industriesektors an. Für Marktanalyst Frank Geilfuß vom Bankhaus Löbbecke waren die Daten zum ISM-Index das „Tüpfelchen auf dem I“. Nach den Gewinnmitnahmen der Vorwoche deckten sich die Anleger nun wieder ein, was allerdings auch nicht überbewertet werden sollte. Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets begründete die Gewinne am Markt zudem mit dem besser als erwartet ausgefallenen Stresstest für den spanischen Bankensektor.
Bankentitel bevorzugt
Vor diesem Hintergrund zählten Bankenwerte zu den Favoriten der Anleger. So zogen Deutsche Bank um 2,7 Prozent und die der Commerzbank sogar um etwas mehr als 3 Prozent an. Analyst Stefan Bongardt von Independent Research verwies darauf, dass beide Finanzhäuser noch relativ stark in Spanien engagiert seien. Angesichts der Stresstest-Resultate sei das Risiko für beide Institute sowie auf dem Interbankenmarkt gesunken.
Daneben dürften auch Medienberichte über weitere Zahlungen an Griechenland positiv gewirkt haben, hieß es von Händlern. Demzufolge soll der griechische Staat die nächsten Hilfsgelder selbst bei Verstößen gegen die Sparauflagen erhalten. Hintergrund sei die Angst vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands mit anschließendem Euro-Austritt.
Infineon erholen sich etwas vom Vorwochenminus
Die Aktien von SAP gingen prozentual unverändert aus dem Handel, nachdem sie zuvor noch um mehr als 1,5 Prozent zugelegt hatten. Der Software-Riese hatte grünes Licht aller Wettbewerbshüter für die 4,3 Milliarden Dollar (3,35 Milliarden Euro) schwere Übernahme des Cloud-Anbieters Ariba erhalten. Außerdem sei die Datenbanksoftware Hana ein einwandfreies neues Produkt des Softwarekonzerns, schrieb Barclays-Analyst Raimo Lenschow in einer Studie im Anschluss an die jüngsten Anwenderkonferenz.
An die Dax-Spitze schafften es derweil die Papiere von Infineon Technologies, die nach den deutlichen Verlusten der Vorwoche um 4,5 Prozent nach vorne rückten. Da die schlechten Nachrichten infolge der Gewinnwarnung in der vergangenen Woche nun eingepreist seien, könnten die Investoren verstärkt auf das Erholungspotenzial im Zuge einer möglichen Restrukturierung achten, schrieb Analyst James Crawshaw von S&P Equity.
Evotec profitieren deutlich von Kooperation mit Bayer
Im M-Dax verteuerten sich die Anteilsscheine von Baywa um 2,3 Prozent. Analyst Heinz Müller von der DZ Bank bewertete die jüngsten Zukäufe des Agrarhändlers in einer aktuellen Studie positiv. Spitzenreiter im TecDax waren die Anteilsscheine von Evotec, die nach Bekanntwerden einer Kooperation mit dem Pharmakonzern Bayer um fast 6 Prozent nach oben schnellten. Im Rahmen der Allianz zur Bekämpfung der Gebärmuttererkrankung Endometriose erhält das Biotech-Unternehmen von den Leverkusenern eine Vorauszahlung in Höhe von 12 Millionen Euro.
Die Titel von Solarworld hingegen fielen um rund 4 Prozent. Börsianer begründeten dies mit dem Autozulieferer und Industrieausrüster Bosch. Dieser hatte seinen Rückzug aus dem Solarsektor angedroht. „Selbst ein langfristig orientiertes Unternehmen wie Bosch kann nicht auf Dauer ein Zukunftsgeschäft wie die Fotovoltaik subventionieren - langfristig heißt nicht ewig“, sagte Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach der „Financial Times Deutschland“. Unabhängig vom Preisverfall in der Branche sieht Fehrenbach die politische Unentschlossenheit als Hindernis. Bosch war erst 2008 in die Solarbranche eingestiegen.
Kurgewinn auch in London und Paris
Der Euro Stoxx 50 beendete den Tag mit plus 1,8 Prozent. Auch in London und Paris ging es an den Börsen spürbar nach oben. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,16 Prozent am Freitag auf 1,20 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,07 Prozent auf 134,19 Punkte. Der Bund Future gewann 0,01 Prozent auf 141,51 Punkte.
Der Kurs des Euro stieg über 1,29 Dollar, nachdem er im frühen Handel nur knapp über der Marke von 1,28 Dollar notiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2877 (Freitag: 1,2930) Dollar fest.
Hoffnung auf anziehende Konjunktur hilft amerikanischen Börsen zur Eröffnung
In der Hoffnung auf eine Konjunkturerholung haben Anleger am Montag zu Beginn des neuen Quartals bei amerikanischen Aktien zugegriffen. Börsianer setzten darauf, dass die im Handelsverlauf anstehenden Daten zu den amerikanischen Bauausgaben und dem ISM-Einkaufsmanagerindex (beide um 16.00 Uhr MESZ) Anzeichen einer Besserung für die amerikanische Wirtschaft zeigten. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Vereinigten Staaten fiel im September zwar um 0,4 Punkte, signalisierte mit 51,1 Zählern aber weiterhin Wachstum. Der Dow-Jones-Index legte im Handelsverlauf um 1,1 Prozent auf 13.5585 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg ebenfalls um 0,9 Prozent auf 1453 Zähler. Auch der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,4 Prozent auf 3128 Punkte. Die amerikanischen Indizes hatten am Freitag zwar niedriger geschlossen, verzeichneten aber trotzdem ihr bestes drittes Quartal seit 2010. Vor allem die lockere Geldpolitik der Notenbanken in den Vereinigten Staaten und der Euro-Zone sorgten an den Börsen für Käufe.
Bei den Einzelwerten stachen Ceradyne hervor, die um 43 Prozent auf 34,9 Dollar nach oben schossen. Der Mischkonzern 3M will den Hersteller von Hochleistungskeramik für rund 860 Millionen Dollar übernehmen. Die Aktien von 3M notierten 0,8 Prozent fester. Die Titel von Boeing und Lockheed Martin legten 1,2 beziehungsweise 0,4 Prozent zu. Das Gemeinschaftsunternehmen United Launch Alliance konnte vom amerikanischen Verteidigungsministerium einen rund 1,2 Milliarden Dollar schweren Auftrag für Raketen des Typs Delta IV und Atlas V an Land ziehen. Zudem droht nach Reuters-Informationen die Fusion der europäischen Rivalen EADS und BAE Systems am politischen Widerstand der beteiligten Länder Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu scheitern.