Nach einer Berg- und Talfahrt hat der deutsche Leitindex Dax am Donnerstag nachgegeben. Am Ende setzte sich Marktbeobachtern zufolge die Enttäuschung über eine ausgebliebene weitere geldpolitische Lockerung seitens der Fed durch. Eher schwache amerikanische Konjunkturdaten belasteten ebenfalls. Nachdem der Dax gegen Mittag zu einer Erholung angesetzt hatte und am Nachmittag auf mehr als 6425 Punkte gestiegen war, verlor er bis zum Handelsende 0,8 Prozent auf 6343 Punkte. Der M-Dax sank um 0,3 Prozent auf 10.372 Punkte, und der Tec-Dax büßte 0,03 Prozent auf 748 Punkte ein. Der marktbreite FAZ-Index gab 0,8 Prozent auf 1379 Punkte nach.
Insgesamt herrsche derzeit Enttäuschung an den Märkten über die Nichteinführung einer weiteren geldpolitischen Lockerung durch die amerikanische Notenbank (QE3), sagte Marktanalyst Markus Kraus von GKFX Deutschland. Zudem trübte sich in den Vereinigten Staaten das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Juni stark ein. Der entsprechende Index der regionalen Notenbank von Philadelphia (Philly-Fed-Index) fiel auf den tiefsten Stand seit August 2011. Gleichzeitig waren in den Vereinigten Staaten die Verkäufe bestehender Häuser im vergangenen Monat überraschend deutlich zurückgegangen und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche höher ausgefallen als erwartet.
Am Nachmittag dürfte die - für griechische Verhältnisse - relativ konstruktiv und schnell vonstatten gegangene Koalitionsverhandlung und Regierungsbildung noch gestützt haben, sagte Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets. Zudem sei ein wenig Druck vom europäischen Anleihemarkt gewichen.
Thyssen Krupp legen zu
Im Dax schafften die Thyssen Krupp-Titel nach anfänglichen Verlusten ein Plus von 0,8 Prozent. Ein Bericht über das Interesse der beiden größten chinesischen Stahlkonzerne Hebei und Baosteel ein Thyssen Krupp-Stahlwerk in Brasilien wirkte laut Händlern positiv. Zudem denkt auch der weltweit drittgrößte Stahlkonzern Posco offiziell über eine Akquisition der beiden Thyssen Krupp-Werke in Brasilien und den Vereinigten Staaten nach. Am Wochenende hatte schon der brasilianische Stahlkonzern CSN auf das Werk in Südamerika geschielt.
Stärker als der Markt waren auch Heidelberg Cement, nachdem die HSBC das Kursziel für die Aktien auf 60,00 Euro angehoben hatte. Sie kletterten um ein halbes Prozent auf 37,3 Euro. Der Baustoffsektor biete derzeit eine hervorragende Einstiegsgelegenheit und Heidelcement sei neben Lafarge der „Top Pick“, schrieb Analyst John Fraser-Andrews in einer Branchenstudie. Insgesamt verschlafe der Markt die Widerstandsfähigkeit der Branche sowie die Möglichkeiten zur Selbsthilfe bei den Unternehmen. Am Ende des Dax waren Volkswagen mit einem Abschlag von mehr als 3 Prozent zu finden.
Dürr trotz Prognoseanhebung im Minus
Dürr konnten von einer Erhöhung der Unternehmensprognosen nur kurz profitieren und verloren bis zum Börsenschluss 1,3 Prozent auf 47,3 Euro. In einer ersten Reaktion waren die Papiere des Anlagenbauers für die Automobilindustrie noch bis auf 50,230 Euro nach oben gesprungen. Laut einem Händler lägen die neuen Unternehmensziele für Umsatz und Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit) über den mittleren Marktschätzungen. Dass der Kurs dennoch sank, könnte laut Börsianern an Gewinnmitnahmen nach den zuletzt deutlichen Kursgewinnen liegen.
Die ebenfalls im M-Dax gelisteten Papiere des Spezialchemiekonzerns Wacker Chemie gaben nach negativen Nachrichten zum Polysilizium-Geschäft um 2,3 Prozent nach. Laut Börsianern belastete, dass der Branchendienst PV Insights von weiter fallenden Preisen wegen des Überangebots sprach. Zudem rechnet das südkoreanische Konglomerat Hanwha Group mit einer anhaltenden Überversorgung des Marktes mit diesem Grundstoff für die Solarindustrie.
Tom Tailor stark
Die Aktien von Tom Tailor gewannen nach einer angekündigten Übernahme fast mehr als 4 Prozent hinzu. Der im S-Dax notierte Freizeitmode-Spezialist übernimmt den Hersteller Bonita. Der Kaufpreis liegt den Angaben zufolge bei rund 220 Millionen Euro. „Für Tom Tailor mit einer Marktkapitalisierung von rund 190 Millionen Euro ist das ein ziemlich großer Zukauf“, meinte ein Händler. Der Preis erscheine allerdings angesichts der besseren Profitabilität von Bonita nicht zu hoch.
Auch die im Tec-Dax notierten Papiere von SMA Solar verteuerten sich um 0,4 Prozent. Eine Meldung des „Handelsblatts“, wonach Power One aus den Vereinigten Staaten den deutschen Weltmarktführer bei Wechselrichtern Marktanteile abjagen will, belastete die Titel offenbar nicht.
Notenbank und Konjunkturdaten drücken Wall Street
Wenig Grund zum Kaufen sehen die Investoren an Wall Street am Donnerstag. Zwar gibt es ein wenig Entspannung in der Krise der Eurozone. So hat Spanien eine Auktion insgesamt erfolgreich über die Bühne gebracht. Doch aktuelle Konjunkturdaten sowie Aussagen der amerikanischen Notenbank am Vortag fielen eher enttäuschend aus. Der Dow Jones Index verliert 1,2 Prozent auf 12.676 Punkte, der S&P-500-Index gibt 1,3 Prozent nach auf 1338 Stellen und der Nasdaq-Composite fällt um 1,6 Prozent auf 2883 Zähler. Der um 16.00 Uhr deutscher Zeit mitgeteilte Philadelphia-Fed-Index war schwach. Mit minus 16,6 Punkten ist er unter den Erwartungen von Null ausgefallen. Die Auftragskomponente ist mit einem Rückgang auf minus 18,8 regelrecht eingebrochen. Die Daten unterstreichen die konjunkturellen Risiken in den Vereinigten Staaten.
Auf der Haben-Seite steht eine überzeugende Aufnahme spanischer Staatsanleihen und die darauf folgende positive Reaktion am spanischen Aktienmarkt. So wurde ein höheres Volumen als geplant am Markt platziert, am Sekundärmarkt sinken die spanischen Renditen wieder recht deutlich. Für die zehnjährige Fälligkeit erhalten Investoren aktuell 6,5 Prozent nach zuletzt deutlich über 7 Prozent. Dies hilft ein wenig über die Enttäuschung durch die amerikanische Notenbank hinweg. Laut Händlern hatten sich einige Anleger etwas mehr von der Fed versprochen, die am Vorabend lediglich eine Verlängerung der „Operation Twist“ bekannt gegeben hatte. Gleichwohl behielt Notenbankgouverneur Ben Bernanke die Tür für künftige geldpolitische Lockerungen weit offen. Die Verluste halten sich in Grenzen, selbst schwache Daten aus Europa und China belasten das Sentiment nur bedingt. Am amerikanischen Rentenmarkt ziehen die Notierungen der Staatsanleihen deutlich an. Zehnjährige Titel rentieren mit 1,6 Prozent. Der Ölpreis wird unterdessen von den schwachen Daten aus Europa und China auf den tiefsten Stand seit dem 5. Oktober 2011 gedrückt, amerikanisches Leichtöl fällt unter die Marke von 80 Dollar. Auch der Goldpreis steht unter Druck und notiert nur noch bei 1585 Dollar je Feinunze. Hier lastet ebenfalls noch die enttäuschte Erwartung, dass die amerikanische Notenbank einschneidendere Maßnahmen ergreift. Die Inflationssorgen werden dadurch gemildert, was den Goldpreis belastet. Der Dollar zeigt sich deutlich gefestigt, die Gemeinschaftswährung handelt bei 1,2608 Dollar.
Mehr Bewegung offenbart der Blick auf einige Einzelwerte: Bed Bath & Beyond brechen um 16 Prozent ein. Die Möbelhauskette hat mit ihrem Ausblick die Erwartungen des Marktes enttäuscht. Rite Aid steigen dagegen um 8,5 Prozent, der Drogeriemarkt übertraf im vierten Quartal die Marktprognosen. Der gesenkte Ausblick wird bislang am Markt ignoriert. Micron Technology sinken um 6,2 Prozent, nachdem der Halbleiterkonzern einen Drittquartalsverlust oberhalb der Befürchtungen ausgewiesen hat. Onyx Pharmazeutika schnellen um 38 Prozent nach oben, das Mittel Kyprolis wird von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA positiv eingeschätzt.
Wem bitte nutzt ein hoher Dax?
Closed via SSO (JohnBrown)
- 21.06.2012, 20:24 Uhr