30.12.2009 · Der deutsche Aktienmarkt hat den letzten Handelstag des Jahrzehnts mit Verlusten beendet. Mit Sicht auf das Gesamtjahr können sich die Anleger aber nach zwischenzeitlichem Rutsch über einen Zuwachs des Leitindex von 23,85 Prozent freuen.
Der deutsche Aktienmarkt hat den letzten Handelstag des Jahrzehnts mit Verlusten beendet. Bei erwartungsgemäß sehr ruhigem und verkürzten Handel rutschte der Dax am Mittwoch unter die erst zum Wochenauftakt erreichte Marke von 6.000 Punkten zurück und büßte 0,90 Prozent ein auf 5.957,43 Punkte.
Mit Sicht auf das Gesamtjahr können sich die Anleger aber nach zwischenzeitlichem Rutsch um rund 25 Prozent über einen Zuwachs des Leitindex von 23,85 Prozent freuen. Wer bereits seit zehn Jahren investiert ist, sitzt jedoch noch auf einem Verlust von rund 15 Prozent.
Liquiditätsschwemme der Zentralbanken als treibende Kraft
Für den MDax ging es an diesem Tag um 0,09 Prozent auf 7.507,04 Zähler nach unten und der TecDax gab um 0,08 Prozent nach auf 817,58 Punkte. Im Jahresvergleich steht aber ein Plus von 34,01 Prozent und 60,84 Prozent zu Buche.
Den aktuellen Rücksetzer führt Stefan de Schutter, Stratege bei der Alpha Wertpapierhandels GmbH, vor allem auf Positionsschließungen zum Jahresende zurück. „Insgesamt hat das Jahr aber nach dem Kursrutsch seit März eine unerwartet positive Wendung genommen“, bilanziert de Schutter.
„Die Anleger müssen sich hierfür bei den Notenbanken und deren Liquiditätsschwemme bedanken, denn die Konjunkturdaten und die Gewinnentwicklung der Unternehmen geben diese Aufwärtsbewegung wie an der Perlenschnur eigentlich nicht her.“ Für 2010 sieht de Schutter damit bereits „eine Menge Vorschusslorbeeren“ verteilt. Dennoch blieben die Aussichten für die ersten Wochen des neuen Jahres mit den Kursgewinnen im Rücken zunächst gut.
Experten - Aufwärtspotential für 2010 begrenzt
Am deutschen Aktienmarkt wird sich die seit März anhaltende Aufwärtsbewegung nach Einschätzung von Experten im kommenden Jahr nur noch abgeschwächt fortsetzen. Mehr als 30 von Reuters befragte Experten gehen im Schnitt davon aus, dass der Dax im ersten Halbjahr 2010 noch um gut vier Prozent auf 6239 Zähler steigen wird. Dann dürfte dem Index schon die Puste ausgehen: Die durchschnittliche Schätzung für den Leitindex zum Jahresende 2010 liegt bei 6200 Punkten.
Die Expertenmeinungen gehen allerdings weit auseinander. Die Spanne der Prognosen zum Jahresende 2010 liegt bei 4150 bis 7500 Punkten. Aktienstratege Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel erklärt dies mit zwei komplett gegensätzlichen Szenarien, die derzeit für die weltweiten Märkte durchgespielt würden. Eine Seite rechne damit, dass die expansive Geldpolitik zu einer neuen Blasenbildung bei den Vermögenswerten führen wird. Entsprechend wäre auch ein deutlicher Anstieg der Aktienkurse absehbar. Das andere Szenario unterstelle, dass sich die Hilfsmaßnahmen der Notenbanken und Regierungen als ineffektiv herausstellen. In der Konsequenz könnten deutlich steigende Staatschulden - wie zuletzt am Beispiel Dubai gesehen - zunehmend ein Problem für den Finanzmarkt werden.
Einige Experten, wie die der Commerzbank oder der Postbank, prognostizieren eine Fortsetzung des aktuellen Aufwärtstrends bis zum Frühjahr. Bis dahin sollten die niedrigen Zinsen, Konjunkturprogramme und Bankenrettungsfonds zu weiteren Kurszuwächsen führen. „Sollte jedoch eine nachhaltige Rückkehr zum Trendwachstum in den westlichen Industrienationen ausbleiben, während die geldpolitischen Konjunkturstimuli auslaufen, könnte es im Verlauf des kommenden Jahres zu Rückschlägen kommen“, warnt Andreas Utermann, der für Allianz Global Investors die Aktienmarktstrategie verantwortet. Dann sei auch wieder mit größeren Schwankungen zu rechnen.
Auch Thomas Grüner von der Landesbank Berlin sieht große Unsicherheiten. Die Finanzkrise sei zwar im Abklingen, aber der vom Internationalen Währungsfonds berechnete Abschreibungsbedarf der Banken sei gerade einmal zur Hälfte vollzogen. Die Notenbanken müssten beim Zurückfahren ihrer lockeren Geldpolitik ein enormes Fingerspitzengefühl aufbringen. „Auch die Preisentwicklung bei Rohstoffen und die starke Aufwertung des Euro stellen nicht zu unterschätzende Risikofaktoren dar“, warnt Grüner. Aktienstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank verweist auf Zinserhöhungserwartungen, die ab dem Sommer die Aktienmärkte belasten dürften. Zum Jahreswechsel 2010/2011 könnten aber neue Konjunkturhoffnungen auch neuen Schwung bringen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |