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Marktbericht : Commerzbank - der große Wochengewinner

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Dax ging zum Wochenschluss mit einem kleinen Plus in den Feierabend. Positive Konjunkturnachrichten aus Deutschland und Europa könnten hingegen dem Leitindex in der kommenden Woche weiteren Auftrieb geben.

          Der Dax hat am Freitag nach einem richtungslosen Handelsverlauf moderat zugelegt. Letztlich habe doch noch die Risikofreude der Anleger überwogen und dem deutschen Leitindex kurz vor Börsenschluss die entscheidenden Aufwärtsimpulse geliefert, so ein Experte.

          Mit plus 0,24 Prozent bei 8338,31 Punkten ging der Dax aus dem Tag. Im Wochenverlauf stand damit ein Verlust von 0,8 Prozent zu Buche. Der breite F.A.Z.-Index verbuchte einen Aufschlag von 0,31 Prozent bei 1757,21 Punkte. An der Wall Street fiel der Dow Jones mit den 30 Standardwerten indes 0,7 Prozent auf 15.388 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,4 Prozent auf 1690 Zähler. Der Nasdaq notierte 0,3 Prozent im Minus bei 3658 Punkten.

          Commerzbank weiter auf Erholungskurs

          Bei den Einzelwerten war die Nachrichtenlage im Dax am Freitag übersichtlich. Auf der Gewinnerseite setzten sich die Kursbewegungen der letzten Tage fort: Commerzbank-Aktien bauten ihr knapp 16-prozentiges Kursplus vom Donnerstag aus und kletterten um 3,1 Prozent auf 7,89 Euro.

          Einige Investoren sehen die Commerzbank als günstige Kaufgelegenheit, nachdem sie die starke Kurserholung im Bankensektor der vergangenen Monate nicht mitgemacht hatten. „Größere Banken sind nach der jüngsten Rally weniger attraktiv geworden, also wenden sich Investoren jetzt Instituten mit höherem Risikoprofil zu“, sagt Analyst Neil Smith vom Bankhaus Lampe. Außerdem begrüßten Investoren die Fortschritte des Instituts beim Aufbau seines Kapitalpolster und Abbau riskanter Altlasten. Das überdecke die schwachen Ergebnisse im zweiten Quartal.

          Im M-Dax gewannen Rheinmetall 4,5 Prozent, obwohl der Rüstungs- und Zuliefererkonzern für das erste Halbjahr rote Zahlen vermeldete. DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald erklärte, die Zahlen seien nach der überraschend deutlichen Gewinnwarnung nicht so schlimm wie befürchtet ausgefallen. Rheinmetall hatte wegen schwächelnder Geschäfte bereits Ende Juli seine Jahresprognose reduziert.  Positiv überraschen konnte ElringKlinger. Der Autozulieferer hat sich im zweiten Quartal von den schwachen Fahrzeug-Märkten in vielen europäischen Ländern abgekoppelt und verbuchte einen deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg. Die Aktien legten um 7,5 Prozent zu.

          International sorgten die Übernahmepläne des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim für Wirbel. Der Mobilfunkanbieter America Movil will den niederländischen Konzern KPN für gut sieben Milliarden Euro vollständig schlucken. Die KPN-Papiere schossen um 16 Prozent auf 2,32 Euro in die Höhe. Wackeln könnte damit allerdings ein anderer Deal: KPN hat vor kurzem den Verkauf seiner deutschen Mobilfunk-Tochter E-Plus beschlossen, ohne Slim und sein Unternehmen America Movil dafür an Bord zu holen.

          „Bei E-Plus gibt es nun ein signifikantes Risiko, dass sie den Verkauf jetzt blockieren“, sagte Analyst Will Draper von der Bank Espirito Santo. Mit den Überlegungen bei America Movil vertraute Personen hatten zuvor schon betont, dass der Konzern die gut acht Milliarden Euro, die der Käufer Telefonica für E-Plus bietet, für zu niedrig hält. Telefonica Deutschland -Papiere schlossen im TecDax unverändert, die Aktien der Konzernmutter Telefonica legten in Madrid im freundlichen Marktumfeld sogar 0,3 Prozent zu. An der mexikanischen Börse sackten America-Movil-Aktien dagegen um 5,9 Prozent ab. Im Wiener Leitindex waren die Aktien von Telekom Austria, an der Slim ebenfalls Anteile hält, mit einem Plus von 8,7 Prozent auf 5,72 Euro stärkster Wert.

          Ausblick: Deutschland soll es richten...

          Experten hoffen, dass die Konjunkturlokomotive Deutschland an Fahrt aufnimmt und die Eurozone aus ihrer bisher längsten und bereits zwei Jahre anhaltenden Rezession zieht. Euphorie am Aktienmarkt ist allerdings nicht zu erwarten. Dafür sind die bisher vorgelegten Zahlen der Dax-Konzerne nicht gut genug. „Gute BIP-Daten sollten für ein Aufleben im Dax sorgen“, sagt LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht voraus. Angesichts fehlender anderer Impulse werde es aber „keinen Sturm über die Marke von 8500 Punkten“ geben. Am Mittwoch veröffentlichen Statistiker die Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Deutschland und der Eurozone.

          In Deutschland sollte sich die Wirtschaft im Frühjahr deutlich erholt haben“, schreiben die Postbank-Experten und rechnen mit einem Quartalsplus von 0,6 Prozent. Die LBBW-Experten prognostizieren sogar ein Wachstum von mindestens 0,7 Prozent. „Damit verfügt die Konjunkturlokomotive Deutschland über die nötige Power, die Eurozone erstmals seit dem Sommer 2011 wieder aus der Rezession zu ziehen“, meint Albrecht. Fest steht:

          Sollte die Wirtschaft im Währungsraum aus der Rezession finden, dann vor allem aufgrund der robusten Entwicklung in Deutschland. Die Euro-Wirtschaft außerhalb Deutschlands dürfte im Frühjahr dagegen nochmals leicht geschrumpft sein. Italien und Spanien haben bereits jeweils ein Minus von 0,2 Prozent und 0,1 Prozent gemeldet. Für Frankreich sagen Ökonomen bestenfalls Mini-Wachstum voraus.

          K+S dürfte weiter im Fokus sein

          In Amerika stehen vor allem am Donnerstag wichtige Daten an: Es geht um die Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung im Juli.

          Bei den Einzelwerten dürften weiter die K+S-Aktien im Fokus stehen. „Bei dem Düngemittel- und Salz-Hersteller dürften sich die Investoren am Dienstag weniger für die Zahlen als vielmehr für die Einschätzung des Unternehmens zum Kalimarkt interessieren“, erwartet LBBW-Experte Albrecht. Das K+S-Papier war wegen Sorgen vor einem Preisrutsch für Kali zeitweise um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Aus dem Dax berichten kommende Woche zudem die Energieversorger Eon und RWE sowie der Stahlkonzern ThyssenKrupp.

          Quelle: FAZ.net mit dpa-AFX, Reuters

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