Home
http://www.faz.net/-gv6-757gj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Marktausblick 2013 Durch die Wüste

2012 war für Anleger kein allzu schlechtes Jahr. Doch William De Vijlder, Chefstratege der BNP Paribas, macht für 2013 keine großen Hoffnungen.

© REUTERS Vergrößern 2013: Ein Dürrejahr für Anleger?

Ein Mann geht durch die Wüste, einem unbekannten Ziel entgegen. Mit diesem Bild ist schon viel darüber ausgesagt, wie William De Vijlder, Chefstratege der französischen Bank BNP Paribas das Jahr 2013 sieht. Vieles sei positiv, so habe sich die Lage der Finanzbrachen entspannt und auch die Unsicherheit hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung Amerikas sei nicht mehr so groß.

Martin Hock Folgen:    

Doch an und für sich werden die Themen des alten Jahrs die Anleger auch im kommenden weiter beschäftigen. Die rekordtiefen Renditen amerikanischer Staatsanleihen und der weiter hohe Goldpreis zeigten an, dass es Zweifel daran gibt, dass die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed den gewünschten konjunkturellen Effekt haben wird.

Impulse der Geldpolitik lassen nach

Selbst wenn, so dürften die Sorgen der Anleger damit nicht abnehmen. Denn schon jetzt achte man insgeheim sehr sowohl auf die Inflationsrate als auch die Arbeitslosenquote. Denn sobald letztere sich der Schwelle von 6,5 Prozent und erstere der von 2 Prozent nähert, werden die Märkte sich wegen eines Ausstiegs der Fed aus der lockeren Geldpolitik sorgen. Und die habe ja schließlich gerade 2012 den Aktienmarkt befeuert.

Dass die 2013 tatsächlich geschieht, bezweifelt De Vijlder indes, nicht zuletzt weil die Fed angekündigt hat, ihre Politik bis mindestens 2015 durchzuhalten. Doch die Antriebskraft der Geldpolitik werde weltweit erlahmen. Ihre Wirksamkeit ist ohnehin begrenzt gewesen. Der Aufschwung in den Vereinigten Staaten sei im historischen Kontext eine Enttäuschung.

Mehr zum Thema

In Europa sei der geldpolitische Transmissionsmechanismus blockiert, Unternehmens- wie Verbraucherkredite kämen per saldo nicht in Schwung, in machen Ländern tue sich gar nichts. Die Eurokrise sei zwar unter Kontrolle, doch fehle immer noch eine dauerhafte Lösung. Dort wie in den Vereinigten Staaten lasse die Verschuldung der öffentlichen, aber auch privaten Haushalte ein strukturell schwächeres Wachstum unvermeidbar erscheinen.

Auch die möglichen Impulse aus den Schwellenländern seien begrenzt. Diese hätten ihre konjunkturstimulierenden Maßnahmen in der Finanzkrise mit einem deutlichen Anstieg der Inflationsrate bezahlt. Insofern sei zu erwarten, dass diese geldpolitisch eher zurückhaltend agierten. Indien etwa befinde sich derzeit in der Zange zwischen doppeltem Defizit in Staatshaushalt und Leistungsbilanz einerseits und hoher Inflation andererseits. China habe zwar den Tiefpunkt erreicht, werde aber schwächer wachsen.

Kaufen und Liegenlassen macht 2013 keinen Spaß

Insofern verwundert nicht, dass die BNP Paribas den Anlegern wenig Hoffnung macht. Es bleibe ihnen letztlich nur die Wahl zwischen wenig Risiko und kaum Rendite und dem Spekulieren auf höhere Renditen unter Inkaufnahme höhere Risiken.

Vor allem der Blick auf eine einjährige Strategie des Kaufens und Liegenlassens macht 2013 keinen Spaß. Von sicheren Staatsanleihen sei wenig zu erwarten, diese eigneten sich vor allem zur Risikostreuung. Bei Hochzinsanleihen und Schwellenländeranleihen könnten die aktuell noch höheren Renditen mitgenommen werden. Große Sprünge sind aber eher nicht drin, wobei die Fundamentaldaten die Situation für Schwellenländeranleihen besser erscheinen ließen.

Aktienanlage ist 2013 Arbeit

Und für Aktien ist De Vijlder pessimistisch. Nur über aktives Management seien hier Erträge zu erwirtschaften. Man müsse die richtigen Zeitpunkte erwischen. Beispielsweise könne es vor den Wahlen in Italien zu Kursrückschlägen kommen. Das könnte ein Einstiegszeitpunkt sein. Grund für die vorsichtige Haltung des Strategen ist zum einem die Erwartung, dass aufgrund der Renditesituation am Anleihenmarkt mehr risikoaverse Investoren zu Aktien greifen werden. Das könnte die Volatilität erhöhen. Zum anderen  fehlten die Impulse für einen weiteren Anstieg der Bewertungen. Weder werde das Trendwachstum anziehen, noch Inflation und Zinsen fallen.

Die Gewinnprognosen beruhten auf einer Fortschreibung des alten Trends auf einer niedrigeren Basis. Doch die meisten Indikatoren sprächen eher für ein schwächeres Wachstum. Nach einer aktuellen Umfrage der Kommunikationsagentur Cometis unter Finanzanalysten beobachteten diese 2012 bei den von ihnen beobachteten Unternehmen vermehrt Kürzungen der Ergebnisprognosen.

Das einzige , was für einen Anstieg der Bewertungen spreche, sei die hohe Liquidität. Insofern überrascht nicht, dass De Vijlder weiter Gold empfiehlt. Hier sei BNP Paribas übergewichtet. Auf Sicht von drei bis fünf Jahren seien Aktien aber durchaus eine gute Anlage, doch 2013 geht es halt doch weiter durch die Wüste.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Devisenmarkt Türkische Lira verliert zusehends an Wert

Der Kurs der türkischen Lira fällt weiter und hat abermals ein Rekordtief erreicht. Wirtschaft und Notenbank stehen unter Druck. Die Politik ist dagegen eher weniger hilfreich. Mehr Von Martin Hock

14.04.2015, 17:46 Uhr | Finanzen
Erstmals seit Juni Dax knackt die 10.000-Punkte-Marke

Der deutsche Aktienindex hat zum ersten Mal seit Juli wieder die 10.000-Punkte-Marke überschritten. Grund für den Anstieg soll die Geldpolitik der EZB sein. Mehr

02.12.2014, 13:59 Uhr | Finanzen
Parkettgespräch Lateinamerikanische Anleihen erscheinen attraktiv

Anleger setzen gerne auf Schwellenländer – versprechen sie doch eine gesunde Rendite. Doch die Lieblinge ändern sich relativ schnell. Guillermo Ossés rät nun zu südamerikanischen Anleihen. Mehr Von Martin Hock

16.04.2015, 22:29 Uhr | Finanzen
Dax klettert Anleger verzückt

Um die Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen, will die japanische Notenbank mehr als 500 Milliarden Euro an den Aktienmärkten investieren. Bei den Händlern in Frankfurt sorgte die Nachricht für glänzende Augen. Mehr

31.10.2014, 15:28 Uhr | Finanzen
Mittelstandsanleihen-Ticker Senivita-Tochter bietet Wandelanleihe an

Eine Tochtergesellschaft der Senivita Sozial, die Senivita Social Estate, bietet eine Wandelanleihe mit einer Verzinsung von 6,5 Prozent an.Das Rating von Sanha sinkt. Mehr

14.04.2015, 14:10 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.12.2012, 13:18 Uhr

Letzte Chance für die Deutsche Bank

Von Gerald Braunberger

Nach siebenstündiger Sitzung hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bank einstimmig einen Kompromiss geschlossen – mit Stärken und Schwächen. Nun ist überzeugendes Management gefragt. Mehr 10 9


Aktienmärkte
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei --  --
  Hang Seng --  --
  F.A.Z.-Euro-Index --  --
  EuroStoxx 50 --  --
  S&P 500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  S-Dax --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche