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Märkte Die Börsen stehen im Spannungsfeld der Politik

06.09.2010 ·  Die Politik gibt derzeit an den Börsen den Takt vor - ob es nun um amerikanische Konjunkturprogramme geht oder die längere Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke. Zugleich schwindet die Furcht vor einer weiteren Rezession.

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Die großen Debatten am Finanzmarkt drehen sich momentan kaum um höhere Dividenden oder steigende Unternehmensgewinne aufgrund neu erschlossener Märkte oder gesenkter Kosten. Im Fokus der Anleger stehen vielmehr politische Entscheidungen. Dass beispielsweise die über das Wochenende bekannt gewordene mögliche Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke mehr Geld in die Kassen der dahinterstehenden Konzerne spült, hat am Montag die Aktienkurse der Energieversorger Eon und RWE im Handelsverlauf um jeweils mehr als 3 Prozent zulegen lassen. Der deutsche Aktienmarkt, abgebildet durch den Standardwerteindex Dax, kletterte demgegenüber nur um rund ein halbes Prozent auf etwa mehr als 6150 Punkte.

Die Situation auf der anderen Seite des Atlantiks ist ähnlich: Dort richtet sich das Augenmerk der Anleger gerade auf die amerikanische Steuerpolitik. In der Regierung Obama gibt es Überlegungen, nach denen ein unter seinem Vorgängen Bush gewährter Steuernachlass für Reiche zum Jahresende auslaufen soll und die daraus erzielten Einnahmen dann in Steuerkürzungen für kleine Unternehmen und Arbeiter umgewandelt werden, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Leicht gestiegene Arbeitslosenquote

Denn die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch für amerikanische Verhältnisse und spiegelt sich in schlechten Umfragewerten für den Präsidenten. Dabei gibt es auch Hoffnung: Im August ist die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten zwar von hohen 9,5 Prozent auf 9,6 Prozent leicht gestiegen. Allerdings hatten die Ökonomen das erwartet. Und zudem überraschte sie, dass die private Wirtschaft unerwartet viele Stellen geschaffen hat. „Die Zahlen waren sicher insofern eine Zäsur, als das sie gezeigt haben, dass nicht alles schlecht läuft“, sagt Jürgen Michels, der Chefvolkswirt für Deutschland und Euroland der Citigroup. Die Marktteilnehmer hielten nun immerhin ein Szenario, in dem die amerikanische Wirtschaft abermals in die Rezession abrutscht, für etwas weniger wahrscheinlich. Zumal vor den Arbeitslosenzahlen ein Index über die Aussichten der amerikanischen Industrie wesentlich besser ausgefallen war als erwartet und die Aktienkurse in Amerika und Europa kräftig angeschoben hatte. Der bekannteste amerikanische Aktienindex Dow Jones stieg so in der vergangenen Woche von rund 10.000 auf mehr als 10.400 Punkte, was auch daran gelegen hatte, dass kaum Nachrichten veröffentlicht wurden, welche die aufgekommene Freude trübten. Gleichwohl hält Michels die Debatte über die amerikanische Wirtschaft für alles andere als beendet.

Eine mögliche Quelle schlechter Nachrichten ist für ihn auch Europa. „Die Wirtschaftsdaten aus dem August waren zwar gut, aber die Schuldenprobleme der Peripherieländer sind nicht gelöst und auch die anstehenden Haushaltsberatungen werden von den Anlegern genau beobachtet werden. Zudem könnten die bevorstehenden Streiks, etwa in Frankreich, Investoren verunsichern “, sagt Michels. Dabei geht er davon aus, dass angekündigte Konsolidierungsprogramme – obwohl sie kurzfristig die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dämpfen könnten – positiv aufgenommen werden an den Märkten. Auch, weil die Europäische Zentralbank so länger und ungefährdeter die Wirtschaft des Euro-Raums mit niedrigen Zinsen stützen könne.

„Wir erleben gerade stark makroökonomisch geprägte Börsen“

Die Haushaltspolitiken und auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der großen Volkswirtschaften werden wahrscheinlich zunächst der wichtigste Treiber der Märkte bleiben. „Wir erleben gerade stark makroökonomisch geprägte Börsen“, sagt Michael Köhler, Aktienstratege der LBBW. Auch seiner Ansicht nach ist die Diskussion um eine abermalige Rezession in den Vereinigsten Staaten wegen der guten Zahlen der vergangenen Woche etwas abgeflacht. „Aktien als Anlageklasse sind wieder interessanter geworden.“ Er mahnt allerdings zur Vorsicht und rät abzuwarten, ob sich die guten Nachrichten durch weitere Zahlen bestätigen werden. „Eine gute Zahl ergibt noch keinen Trend.“ Auf Sicht der nächsten drei Monate sieht er den Dax um ein Niveau von 6000 Punkten herum notieren.

Viele Hinweise darauf, wie sich die Gesamtwirtschaft entwickelt und die Politik agiert, bekommen die Anleger auch in dieser Woche wieder. Die Zentralbanken von Japan, Kanada, Australien und Großbritannien entscheiden über die Leitzinsen in den entsprechenden Währungsgebieten. Präsident Obama wird sich außerdem zur Steuer- und Konjunkturpolitik äußern.

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