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Luxusgüteraktien Besser als der Markt

18.05.2009 ·  Während sich die Verkäufe von „weichen“ Luxusgütern wie Schuhen, Handtaschen oder Accessoires relativ stabil halten, leiden insbesondere die Schmuck-, Uhren- und Getränkeindustrie. Doch Analysten geben sich insgesamt optimistisch.

Von Judith Lembke
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Glaubt man den Börsianern, dürften die Konsumenten schon bald wieder Lust auf Luxus haben. Zwar hat die Krise auch in den Bilanzzahlen der Luxusgüterunternehmen zum ersten Quartal wieder tiefe Spuren hinterlassen - doch der World Luxury Index, der die Wertentwicklung der 20 größten Luxuskonzerne abbildet, ist seit seinem Jahrestief am 9. März um 30 Prozent gestiegen.

Der Dax hat in diesem Zeitraum etwa 20 Prozent zugelegt, der Dow Jones 25 Prozent und der MSCI World Index 26 Prozent. „Wenn die Märkte nach unten gehen, leiden auch die Luxusgüteraktien. Dafür ziehen sie davon, wenn es wieder aufwärtsgeht“, sagt Scilla Huang Sun, Chefin der Aktienabteilung der Schweizer Privatbank Julius Bär, die sich als Fondsmanagerin seit zehn Jahren mit dieser Branche beschäftigt.

Richemont: Ergebnis besser als erwartet

Dabei sind die Resultate der Premiumhersteller für das erste Quartal sehr unterschiedlich ausgefallen. Während der weltgrößte Luxusgüterkonzern LVMH mit seinen Zahlen enttäuschte und den Umsatz nur minimal auf 4 Milliarden Euro steigern konnte, veröffentlichte Tod's am Mittwoch eine höchst erfreuliche Bilanz. Der Lederwarenhersteller konnte seinen Umsatz um mehr als 5 Prozent auf 201,3 Millionen Euro steigern, und auch der operative Gewinn wuchs um 4,4 Prozent auf knapp 46 Millionen Euro. Die Aktie des an der italienischen Börse notierten Unternehmens reagierte mit einem Kurssprung.

Ein ganz anderes Bild präsentierte hingegen der Juwelier Bulgari. Das italienische Unternehmen verkündete am Dienstagabend einen Netto-Quartalsverlust von 29,3 Millionen Euro, nachdem es im vergangenen Jahr noch 22,8 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet hatte. Der erste Quartalsverlust seit zehn Jahren drückte die Aktie tief ins Minus.

Besser als von Analysten erwartet fiel das am Donnerstag veröffentlichte Jahresergebnis des Schweizer Uhren- und Schmuckkonzerns Richemont aus, obwohl der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 982 Millionen Euro schrumpfte. Zu dem Unternehmen gehören unter anderen die Marken Cartier, IWC und Jaeger-LeCoultre. Der Umsatz konnte, vor allem wegen eines starken Wachstums in Asien, um 2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro gesteigert werden.

Grund zur Sorge gab jedoch der April, der erste Monat des neuen Geschäftsjahres. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnete Richemont einen Umsatzrückgang von 19 Prozent. Trotz der verhaltenen Aussichten stieg die Aktie um 6 Prozent und gehörte zu den Tagesgewinnern im Schweizer Leitindex SMI.

„Weiche“ Luxusgüter weiter stabil

Die jüngsten Ergebnisse unterstreichen einen Trend, der sich seit Ausbruch der Krise in der Branche abzeichnet: Während sich die Verkäufe von „weichen“ Luxusgütern wie Schuhen, Handtaschen oder Accessoires relativ stabil halten, leiden insbesondere die Schmuck-, Uhren- und Getränkeindustrie. Exemplarisch lässt sich dieser Trend zum Beispiel aus der Gegenüberstellung von Bulgari und Tod's erkennen, aber auch die Zahlen von LVMH zeigen diese Tendenz. Während die Lederwarenmarke Louis Vuitton die Rezession gut wegzustecken scheint, sind die Umsätze in der Getränkesparte vor allem wegen der lahmenden Champagnerverkäufe um 22 Prozent eingebrochen.

Trotzdem rät die Deutsche Bank zum Kauf der Titel von Richemont und des Schweizer Uhrenherstellers Swatch. „Die beiden sind langfristig Outperformer in der Sparte der harten Luxusgüter, weil sie sich auf ihre starken Marken, ihre Distribution und ihre gesunden Bilanzen verlassen können“, schreibt Analyst Warwick Okines in einem Marktkommentar. Die Bewertungen seien im Moment günstig und die Risiken eingepreist. Allerdings sind die Aktien seit ihren bisherigen Jahrestiefs auch schon deutlich teurer geworden. Der Kurs von Richemont ist seit Anfang März um mehr als 40 Prozent gestiegen und Swatch um knapp 30 Prozent.

Nicht die Marke verwässern

Auch Huang Sun geht davon aus, dass die schlechten Nachrichten, die die Unternehmen in diesem Halbjahr noch für den Markt bereithalten, größtenteils schon eingepreist sind. Sie ist zudem optimistisch, dass die Branche das Schlimmste schon überstanden hat. „In den Vereinigten Staaten war das vierte Quartal 2008 das schlechteste. Jetzt sehen wir aber, dass sich das Momentum dreht“, hat sie beobachtet.

Für den europäischen Markt geht sie davon aus, dass der stärkste Einbruch im ersten Quartal 2009 stattgefunden hat. Für das zweite Halbjahr erwartet sie eine Besserung. „Firmen, die gut aufgestellt sind, werden das Jahr mit einem Gewinn abschließen“, glaubt sie. Auch sie setzt vor allem auf starke Marken wie LVMH, Richemont, Swatch oder Hermès, die im absoluten Luxussegment aktiv sind, einen hohen Mittelzufluss (Cashflow) und gesunde Bilanzen haben.

Nun gelte es für die Unternehmen, vor allem durchzuhalten und nicht mit Dumpingpreisen und Billiglinien ihre eigene Marke zu verwässern, sagt Claudia D'Arpizio, Partnerin der Unternehmensberatung Bain und Expertin für die Luxusgüterbranche. „Im Moment ist für die Marken das Wichtigste, dass sie ihre Positionierung beibehalten.“ Sonst würden sie im Zuge einer Bereinigung vom Markt gefegt.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft.

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