17.01.2007 · Die Schwierigkeiten bei Airbus scheinen vorerst nicht abzureißen, darauf lässt eine erneute deutliche Gewinnwarnung von EADS schließen. Der Konzern rechnet für das Jahr 2006 allenfalls mit einer schwarzen Null.
Die Hiobsbotschaften von Seiten des europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS scheinen nicht abzureißen. Denn das Unternehmen geht nach Aussagen der jüngsten Ad-hoc-Meldung am Mittwoch davon aus, dass der Geschäftsbereich Airbus voraussichtlich negativ zum Konzern-Ebit, also zum operativen Ergebnis, für das Gesamtjahr beitragen wird.
Bestimmte Einmalaufwendungen in der Folge von Ausgleichszahlungen an Kunden, von Abschreibungen auf Anlagevermögen oder von finanziellen Auswirkungen des „Power8“ genannten Restrukturierungsprogramms, die ursprünglich für das Jahr 2007 und später erwartet wurden, dürften nun voraussichtlich bereits im Geschäftsjahr 2006 berücksichtigt werden, heißt es weiter. Das dürfte kaum jemanden überraschen.
Weitere, bislang nicht erwartete A380-Kosten können anfallen
Im Gegensatz zur Aussage „Zudem könnten weitere, bislang nicht erwartete A380-Kosten anfallen.“ Diese lässt einen großen Interpretationsspielraum und dürfte den Blick der Anleger auf die weitere operative Performance des Unternehmens noch kritischer als bisher werden lassen. Das zeigt sich alleine schon daran, dass der Kurs der EADS-Aktie am Mittwoch vorbörslich 3,6 Prozent auf 24,80 Euro nachgibt.
Weiter heißt es „die erwarteten positiven Ebit*-Beiträge der anderen, sich plangemäß entwickelnden EADS-Geschäftsbereiche sollten den erwarteten negativen Beitrag von Airbus zum Konzernergebnis des Jahres 2006 in etwa ausgleichen.“ Das lässt darauf schließen, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr mit viel Glück eine schwarze Null erreicht haben wird. Die Mehrheit der mit dem Unternehmen vertrauten Analysten geht bisher noch von einem Gewinn aus, auch wenn die Gewinnerwartungen aufgrund eines offensichtlich höchst unterschiedlichen Informationsstandes sehr stark divergieren.
Aktie bleibt vorerst spekulativ
Insgesamt bleibt die Aktie aufgrund der vorerst unsicheren operativen Entwicklung und der verbleibenden Restrisiken im Zusammenhang mit der Entwicklung des A380 spekulativ. Das zeigt sich an Einschätzungen wie „ die Ankündigung von EADS, wonach Airbus möglicherweise negative Ebit-Beiträge zum Gesamtjahresergebnis 2006 liefern wird, könnte laut Analyst Edmund Shing von Kepler Equities darauf hindeuten, dass das Schlimmste noch nicht vorüber ist. Die Ankündigung selbst sei nicht überraschend, da Rückstellungen für Streitigkeiten mit Kunden nichts Neues seien, sagt er. Schlecht sei allerdings, dass laut EADS der A380 mit bislang nicht eingeplanten Verlusten dazu beitragen könne. „Erst glaubt man, es ist ausgestanden und dann stellt sich das als nicht wahr heraus“, so der Experte kritisch,“ gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.
Mittel- und langfristig dürfte jedoch kein Zweifel daran bestehen, dass sich das Unternehmen wieder fangen wird. Denn die Krise wird dazu beitragen, dass betriebswirtschaftlich kritische, bisher im „Konsensbrei“ nicht realisierbare, Entscheidungen umgesetzt werden und zu einer Effizienzsteigerung führen können. Gleichzeitig spricht der Erfolg der Vergangenheit für das Unternehmen.
In diesem Sinne dürfte die Aktie in einem anhaltend positiven weltkonjunkturellen Umfeld auf tiefem Niveau und aufgrund der Vermutung, das Unternehmen habe nun so langsam alle nur denkbaren negativen Nachrichten vorweggenommen, um schließlich positiv überraschen zu können, gewisse spekulative Reize bieten. Grundsätzlich ist jedoch zu beachten, das die gesamte Luftverkehrsbranche sehr zyklisch und damit anfällig für konjunkturelle und auch exogene Schocks ist.
* EADS verwendet das Ebit, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, vor Goodwill-Wertminderungen und außerordentlichen Posten als Schlüsselindikator für die wirtschaftliche Leistung. Der Terminus „außerordentliche Posten“ bezieht sich auf Sachverhalte, wie Aufwendungen aus Abschreibungen der aufgedeckten stillen Reserven aus der Gründung der EADS, dem Airbus-Unternehmenszusammenschluss, der Gründung der MBDA sowie in diesem Zusammenhang stehende Abschreibungen aufgrund von Werthaltigkeitstests.
der kurzsichtige (Aktien-)Quartalsblick war schon immer,
W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)
- 17.01.2007, 18:07 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |