04.10.2006 · Die Schwierigkeiten bei Airbus scheinen unerwartet groß zu sein, darauf läßt eine deutliche Gewinnwarnung und die weitere Verschiebung der Auslieferung des A380 schließen. Das bringt auch die Aktie der Mutter EADS in die Defensive.
Konnte die Aktie des europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS von ihrem Tief bei 6,33 Euro im März des Jahres 2003 bis ins Frühjahr des laufenden Jahres bis zu 450 Prozent auf 35,42 im jüngsten Hoch zulegen, so kam es danach zu einer deutlichen Korrektur.
Von Ende März bis Mitte Juni verlor das Papier bis zu 53 Prozent seines Wertes und konnte sich davon danach nur zögerlich erholen. Nach einem Schlußkurs von 22,65 Euro am Dienstag dürfte es am Mittwoch erneut unter Druck geraten und nach vorbörslichen Indikationen bis zu sechs Prozent verlieren.
Deutliche Gewinnwarnung für die kommenden Jahre
Hintergrund ist eine Bestätigung dessen, was sich in den vergangenen Wochen immer mehr abzeichnete: Das Unternehmen ist nicht effizient organisiert, wurde schwach geführt und konnte lange Zeit vor allem von der Schwäche der Konkurrenten profitieren, die inzwischen deutlich besser geworden sind. Zusammengenommen hat diese Konstellation die kurz- und mittelfristigen Perspektiven des Unternehmens deutlich eingetrübt.
Das zeigt sich am Eingeständnis, die Auslieferung des in der Entwicklung befindlichen Super-Jumbos A380 um ein weiteres Jahr nach hinten verschieben und dafür Milliardeneinbußen hinnehmen zu müssen. Das erste Serienflugzeug solle erst im Oktober des Jahres 2007 statt noch in diesem Jahr ausgeliefert werden, teilte der mehrheitlich zur EADS gehörende Flugzeughersteller Airbus am Dienstag nach einer Verwaltungsratssitzung mit. Die weiteren Maschinen werden ab dem Jahr 2008 ausgeliefert. Im Schnitt verzögert sich die Auslieferung des Prestigeobjekts, dessen komplizierte Verkabelung Airbus noch nicht in den Griff bekommen hat, an die Fluggesellschaften um insgesamt zwei Jahre. Mehrere Kunden reagierten auf die erneute Verspätung ungehalten und forderten Schadenersatz.
Das schlägt sich auch betriebswirtschaftlich nieder. EADS kündigte an, durch die verzögerte Auslieferung werde der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) in den Jahren 2006 bis 2010 insgesamt 4,8 Milliarden Euro geringer ausfallen als erwartet. Die Prognose für das laufende Jahr, die ein Ebit von etwa 3,2 Milliarden Euro vorsah, zog EADS zurück, ohne eine neue Erwartung zu äußern. Das Unternehmen hatte schon im Sommer wegen Problemen mit der Verkabelung eine erste Verspätung des A380 angekündigt, die den Gewinn bis ins Jahr 2010 damals „nur“ um zwei Milliarden Euro schmälern sollte.
Aktie erst bei effizienterer Organisation und abschätzbaren Risiken interessant
EADS erwägt nun zwar, die für die Probleme verantwortlichen Manager zur Rechenschaft zu ziehen und die Airbus-Produktion „tiefgreifend“ umzubauen. So soll ein Sparprogramm die Kosten um zwei Milliarden Euro senken. Der neu eingesetzte Airbus-Chef Christian Streiff kündigte an, die Entwicklungszeiten drastisch zu verkürzen und die Produktivität um ein Fünftel steigern zu wollen. Die Fertigung werde komplett unter die Lupe genommen, ein Ergebnis soll innerhalb von vier Monaten vorliegen. Airbus hat 16 Fertigungsstandorte in mehreren europäischen Ländern, darunter die beiden Hauptmontagelinien in Toulouse und Hamburg.
Allerdings wird sich erst noch zeigen müssen, ob das ohne weiteres möglich sein wird. Denn das Unternehmen wurde zumindest bisher nicht nur unter betriebswirtschaftlichen, sondern auch unter europapolitischen Überlegungen geleitet. In diesem Sinne sollten Anleger die getroffenen Entscheidungen kritisch betrachten. Würde das Unternehmen auch in der Zukunft an unsinnigen Strukturen - beispielsweise umständliche Transporte von Einzelteilen und mangelhafte Koordination wie im Verkabelungsbereich - festhalten, wäre das kein sonderlich gutes Zeichen.
Insgesamt scheinen die Aktien des Unternehmens noch riskant zu sein. Interessant dürften sie erst dann werden, wenn sich eine vernünftige Reorganisation abzeichnet und sich der Erfolg der laufenden Projekte verläßlicher als bisher einschätzen läßt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |