Der amerikanische Flugzeug-Bauer Boeing hat am Mittwoch mit gemischten Nachrichten aufgewartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie ist besser ausgefallen, als von Analysten vorhergesagt. Allerdings hat das Unternehmen eine sogenannte Gewinnwarnung für den weiteren Jahresverlauf verlautbart, also seine Prognosen gesenkt.
Für Anleger wiegt am Mittwoch die bessere der beiden Nachrichten in einem neutralen bis freundlichen Börsenumfeld schwerer: Die Aktie von Boeing verbessert such in New York leicht um 0,47 Prozent auf 27,93 Dollar.
„Sonderfaktoren“ belasten das Ergebnis
Vor dem Hintergrund wachsender Marktanteile des europäischen Konkurrenten Airbus und der Turbulenzen, in denen sich die Luftfahrtindustrie seit Monaten befindet, ist der Umsatz des Branchenriesen auf 12,260 Milliarden Dollar nach 13,821 Milliarden Dollar gesunken. Das Nettoergebnis ist in roten Zahlen geschrieben - aber besser als vor einem Jahr. Es betrug minus 478 Millionen Dollar nach 1,249 Milliarden Dollar.
Das ausgewiesene Ergebnis je Aktie ist mit minus 60 Cent nach minus 1,54 Dollar ebenfalls negativ ausgefallen. Es sei abermals durch Wertverluste bei Beteiligungen sowie Abschreibungen auf Maschinen der Leasing-Sparte belastet worden. Ohne diese „Sonderfaktoren“ lag der Gewinn laut Boeing bei 42 Cent gelegen. Das waren zwar 30 Cent weniger als vor Jahresfrist, aber elf Cent mehr, als Analysten erwartet hatten. Prognose getoppt - das freut Börsianer.
Weniger Gewinn jeAktie erwartet
Doch wenn sich diese Freude gelegt hat, dürfte die weniger gute Nachricht ins Blickfeld geraten: die „Gewinnwarnung“. Statt 1,90 bis 2,10 Dollar erwartet der Boeing-Vorstand jetzt lediglich 1,70 bis 1,90 Dollar je Anteilsschein aufs Jahr gerechnet. Darin spiegele sich eine „unbare Belastung“ wider, die aus dem neu bewerteten Kunden-Kreditportfolio folge.
Dessen ungeachtet sollen die Geschäfte wie geplant abgewickelt werden: Boeing geht weiter davon aus, 280 Flugzeuge in diesem Jahr zu verkaufen; zum Vergleich: Airbus plant mit 300 Maschinen. Zudem macht sich Konzernchef Phil Condit mit der Erwartung Mut, die Branche werde sich von den Folgen des Irakkriegs rasch erholen.
Unsicherheitsfaktor Lungenseuche
Die Rechnung in Sachen Irak mag aufgehen. Aber da wäre als Zucker im Flugzeugtank zum einen noch die latente Terrorangst. Und zum zweiten - und derzeit wichtiger und wirkungsvoller - die Lungenseuche SARS. Nicht nur asiatische Fluggesellschaften streichen einen Flug nach dem anderen und motten Maschinen ein; zuletzt Singapore Airlines und Partner Lufthansa. Diverse Airlines fliegen am Rande zur Zahlungsunfähigkeit, darunter Primus American sowie Air Canada.
Angesichts dessen ist mit einem Umsatz und Gewinn treibenden Auftragsboom bei Flugzeug-Bauern nicht zu rechnen. Und mithin nicht mit nachhaltiger Kursphantasie, die die ziemlich gebeutelten Aktionäre gebrauchen könnten. Denn der Titel hat sich seit April 2000 um gut 40 Prozent verbilligt und scheint bei 28 Dollar seinen Boden zu suchen. Die bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,3 auf den ersten Blick neutrale Bewertung des Titels ist da nur ein schwacher Trost.