Eine der deutschen Aktien, die zum Wochenschluß im Zentrum des Interesses von Anlegern stehen, ist das Papier der Deutsche Post AG Worldnet. Die „Aktie Gelb“ geht mit gemischten Vorgaben in den Tag. Der Konzern hat bei Umsatz und Betriebsergebnis besser abgeschnitten als erwartet, ist beim Periodenüberschuß aber knapp unter den Prognosen der Analysten geblieben. Zugleich hat der Konzern seinen recht zuversichtlichen Ausblick bekräftigt.
Unter dem Strich erscheinen die Nachrichten eher positiv. Eine andere Frage ist, die die „Aktie Gelb“ durch sie wieder an Fahrt gewinnen kann. Denn zuletzt ging bei dem günstig bewerteten Papier keineswegs die Post ab. Vielmehr ist der kurzfristige Trend negativ, auch wenn die Aktie von dem Gerangel um die Postbank profitiert hat, da die Spekulation um einen Verkauf der Potsbank an die Deutsche Bank einen höheren Erlös versprach als der geplanten Börsengang.
Einmalaufwendungen belasten Ergebnis
Die Deutsche Post hat im ersten Quartal des Jahres trotz steigender Umsätze einen leichten Rückgang des Betriebsergebnisses (Ebita) verbucht. Der Umsatz stieg auf 10,532 Milliarden Euro nach 9,773 Milliarden Euro vor Jahresfrist; Analysten hatten mit 10,4 Milliarden gerechnet. Der Umsatz des Konzerns legte Angaben der Post zufolge vor allem durch verbesserte Auslandsgeschäfte zu. Die Post setzt konsequent auf Internationalisierung, um ihre Abhängigkeit vom Briefmonopol in Deutschland zu reduzieren, das 2007 ausläuft. Die Bereiche Express und Logistik konnten mit zweistelligen Zuwachsraten glänzen, teilte die Post mit. Zudem steht nun der Zukauf Airborne anders als noch vor einem Jahr in den Büchern der Post.
Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) verringerte sich von 950 auf 930 Millionen Euro, allerdings waren nur 921 Millionen Euro vorhergesagt worden. Grund für den Rückgang seien
Einmaleffekte bei Brief und Integrationsaufwendungen im Express-Bereich gewesen. Beim Überschuß blieb die Post mit 441 Millionen Euro um eine Million Euro hinter den Prognosen zurück. Zugleich bekräftigte sie jedoch den Ausblick. Das Ebita soll dieses Jahr um fünf bis zehn Prozent steigen, wie aus einer Pflichtmitteilung folgt.
„Unser Konzern hat sich in den vergangenen Monaten weiterhin sehr dynamisch entwickelt", resümierte Finanzchef Edgar Ernst am Freitag laut Reuters in Bonn. Im Jahresvergleich wirkten sich aber Einmaleffekte nachteilig aus. So hatte die Post bei Briefen etwa im ersten Quartal 2003 durch die damals wirksam gewordene Portosenkung ein im Vergleich sehr lebhaftes Geschäft verzeichnet. Im Auftaktquartal dieses Jahres ging dort das Betriebsergebnis nun aber von 798 Millionen Euro auf 749 Millionen Euro zurück. Deutliche Steigerungen gegenüber dem Vorjahr verbuchten dagegen die Bereiche Express, Logistik und Finanzdienstleistungen. In der letzten Sparte, die wesentlich durch die Postbank geprägt ist, stieg der Betriebsgewinn (Ebita) auf 160 Millionen Euro nach 116 Millionen Euro.
Post erwartet Ebita-Plus von bis zu zehn Prozent
Für das Gesamtjahr erwartet die Post weiterhin, das Ebita um fünf bis zehn Prozent steigern zu können. Mit Hilfe des im November 2002 aufgelegten Sparprogramms „Star“ solle das Ebita 2005 mindestens 3,6 Milliarden Euro erreichen, bekräftigte der Konzern erneut. Die Ergebnisse des Programms hatten allein einen Beitrag von 81 Millionen Euro zum Betriebsergebnis des ersten Quartals geleistet.
Vorbörslich wurde die Aktie aufgrund dieser Nachrichten leicht höher festgestellt. Ein Plus hat sie ihren Besitzern auch auf Jahressicht beschert. Zu Buche steht ein Aufschlag von gut 52 Prozent, wobei die Aktie besser abgeschnitten hat als der Dax und zwischenzeitlich sogar ihren Ausgabekurs von 21 Euro wieder ins Visier nahm. Doch in den vergangenen drei Monaten hat sie elf Prozent verloren und sich schwächer entwickelt als der Dax. Dadurch hat das mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,5 und einem bei 0,5:1 liegenden Verhältnis von Börsenwert zum Umsatz günstig bewertete Papier einen kurzfristigen Abwärtstrend aufgebaut. Wichtig ist es jetzt, nicht unter die Unterstützung bei 16,90 Euro zurückzufallen. Ermutigende charttechnische Signale würde der Titel bei einem Sprung über 18,50 Euro senden. Derzeit erscheint es nicht so, als ob bei der „Aktie Gelb“ auf Sicht wieder die Post abgehen könnte.