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Technische Analyse : Amsterdamer AEX bleibt im Aufwärtstrend

  • -Aktualisiert am

In Amsterdam haussiert weiterhin die Börse. Bild: dpa

Der niederländische Aktienindex lädt Anleger auch nach den Wahlen zum Investieren ein. Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es aber.

          Lassen Sie mich mit einem Geständnis der besonderen Art beginnen: Diesen Beitrag habe ich schon am vergangenen Dienstag ge-schrieben – lange bevor die Ergebnisse der Wahl in den Niederlanden bekannt waren beziehungsweise es überhaupt sein konnten. Und ich habe diesen Beitrag nun auch nicht noch einmal umgeschrieben. Was sich ein wenig wahnsinnig oder nach Lust auf den eigenen Untergang anhören mag, ist für mich mehr oder weniger das Ergebnis nüchternen Kalküls: Nur selten kommt es nach einem klar terminierten Ereignis zu einem völligen Bruch mit der jeweiligen Vorgeschichte.

          Zu sehr konnten sich die Investoren schon daran gewöhnen, dass das erwartete Ereignis so oder so ausgehen wird und sich entsprechend positionieren – trotz der nur allzu bekannten Unzulänglichkeiten der Wahlpropheten. Das beste Beispiel dafür sind nach wie vor die Wahlen in den Vereinigten Staaten. Die Charts der dortigen Indizes sahen schon zuvor gut aus und danach erst recht. Nur konnte sich so gut wie niemand vorstellen, dass eine derart vorteilhafte Entwicklung mit und trotz Trump möglich sein würde.

          Wieder einmal war und bin ich ziemlich froh, dass ich technischer Analyst bin und mich jede Form von Börsenfundamentalismus, alle Arten von Nachrichten, Botschaften; Gerüchten, Halb- und sonstige Wahrheiten, Fake News und alternative Fakten nicht zu kümmern brauchen. Ja – sie dürfen mich auf gar keinen Fall auch nur im mindesten bewegen. Sonst würde ich meiner Aufgabe und Berufung nicht gerecht, ausschließlich technische Analysen zu erstellen.

          Eine Trendwende ist unwahrscheinlich

          Im Land der Coffee-Shops und gelben Nummernschilder hat man also gewählt, und ich bin mir schon heute, einen Tag vor der Wahl, ziemlich sicher, dass dabei etwas herausgekommen ist, womit der niederländische Aktienindex, alle anderen europäischen Aktienindices und damit auch Europa sehr gut leben werden können. Eine andere Einschätzung lässt der abgebildete Chart des AEX, des Amsterdam Exchange Index, nicht zu. Er befindet sich auf allen entscheidenden Zeitebenen unverändert im Aufwärtstrend, und Hinweise auf eine drohende Wende nach unten sind schlicht nicht existent. Nichts ist demnach wahrscheinlicher als eine Fortsetzung der steigenden Kurse, und nichts ist unwahrscheinlicher als von sofort an dauerhaft, nachhaltig und richtig tief zurückkommende Kurse. Denn auch in der aktuellen Situation gilt mal wieder das eherne Grundgesetz der technischen Analyse:

          Bild: F.A.Z.

          Nichts ist unwahrscheinlicher als ein abrupter Trendwechsel, und nichts ist wahrscheinlicher als eine Fortsetzung des vorherrschenden Trends. Das hier vor ein paar Wochen genannte Ziel von 565 Punkten gilt unverändert und ohne Abstriche weiter. Es sollte spätestens im kommenden Jahr 2018 erreicht werden.

          Es gibt allerdings auch einen beachtenswerten Schönheitsfehler: Der AEX ist mit Werten um die 515 Punkte an einem außerordentlich markanten Widerstand angekommen. Die Abgabebereitschaft rund um dieses Niveau dürfe erst einmal kaum zu überwinden sein und den Index in eine Konsolidierung zwingen. Dies gilt völlig unabhängig von den Ergebnissen der Wahl. Vielleicht sind es gerade die allen Radikalinskis eine Absage erteilenden Ergebnisse, die dem AEX nach dem Motto „Sell on good news“, also bei guten Nachrichten zu verkaufen, eine Atempause verordnen.

          Frankreichs CAC40 auch im Trend

          Aber – das kann nicht genug betont werden: Diese Atempause wird mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht das Zeug haben, den AEX in eine dauerhafte Wende nach unten zu zwingen. Dies gilt selbst dann noch, wenn es in den kommenden Wochen richtig volatil zugehen und der Index signifikant, zum Beispiel in den Bereich der Unterstützung bei 475 Punkten, meinem analytischen Stop-Loss, zurückfallen sollte.

          Die Lage in Frankreich ist übrigens mit der in den Niederlanden gut vergleichbar. Auch dort hat der heimische Leitindex, der Cac-40, in den vergangenen Wochen per Saldo weiter zulegen können. Er wurde damit zum einen bislang meiner zum Jahreswechsel veröffentlichten Einschätzung gerecht, und zum anderen dürfte dies auch ein Signal dafür bleiben, dass auch der Souverän in Frankreich es mehrheitlich weit mehr mit der Europäischen Union hält als mit irgendwelchen alternativen Konzepten.

          Auch für den Cac-40 gilt das genannte Ziel von 5300 Punkten ohne Abstriche weiter. Vom aktuellen Niveau aus gemessen, sind es bis dorthin noch etwas mehr als 5 Prozent. Der Index sollte dieses Niveau irgendwann in der überschaubaren Zukunft erreichen – im Idealfall in der Zeit zwischen dem ersten Wahlgang am 23. April und der Stichwahl am 7. Mai.

          Ich empfinde übrigens beim Schreiben dieses Beitrages große Freude und Beruhigung. Denn mehr und mehr verfestigt sich für mich der Eindruck, dass, gemessen an diesen beiden entscheidenden Charts, das Jahr 2017 einst als das Jahr der großen europäischen Wende in die Geschichtsbücher eingehen wird. Wahrscheinlich.

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

          Quelle: F.A.Z.

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