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Lateinamerika Der Blick über den Tellerrand

Während Europa und Amerika über schlechte Konjunkturaussichten und hohe Arbeitslosenquoten klagen, scheint anderswo die Sonne. Lateinamerika verzeichnet die geringste Erwerbslosigkeit aller Zeiten.

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Die sogenannten „Industrienationen“ haben in den vergangenen Jahren eigentlich nur ein Mittel gehabt, um merkliche Verbesserungen auf ihren Arbeitsmärkten zu erreichen und um die Konjunktur anzukurbeln. Die Notenbanken fluteten die Finanzmärkte mit Liquidität.

Amerikas Notenpressen laufen und laufen

Der Erfolg war jedoch nicht sehr groß und auch nicht nachhaltig. Amerika etwa, die größte Volkswirtschaft der Welt, kämpft seit der Finanzkrise mit einer ungewohnt hohen Arbeitslosenquote und einer schwächelnden Konjunktur. Trotz Nullzins-Politik der Notenbank Federal Reserve geht die  Arbeitslosenquote nur sehr langsam zurück. Die Federal Reserve geht  davon aus, dass erst  2015 der Leitzins wieder angehoben werden kann. Dann erst soll die Arbeitslosenquote im Land von Apple und General Electric unter 6,5 Prozent sinken.

Für Anleger, die auf Amerika und Europa im persönlichen Portfolio fokussiert sind, ist das unbefriedigend. Der Blick über den Tellerrand sollte daher obligatorisch sein, zum Beispiel nach  Lateinamerika und in die Karibik.

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Lateinamerikas Arbeitslosigkeit auf historischem Tief

Dort ist die Arbeitslosigkeit auf ein historisches Tief von 6,4 Prozent gesunken, niedriger als was sich die Notenbanker der Vereinigten Staaten für 2015 wünschen. 2013 wird eine weitere Verringerung der Arbeitslosigkeit für die Stadtbevölkerung der Region auf 6,2 Prozent erwartet, heißt es im jüngsten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Vor zehn Jahren lag die Arbeitslosenquote in der Region noch bei mehr als 11 Prozent.

Die geringste Arbeitslosigkeit unter den größeren Ländern der Region gibt es in Brasilien. Diese ging von 6,2 auf 5,7 Prozent zurück. Die  höchste Arbeitslosenquote in Lateinamerika verzeichnet dagegen mit 11,5 Prozent Kolumbien. Das ist nur wenig mehr als die durchschnittliche Arbeitslosenrate in der EU, die im Oktober bei 10,7 Prozent lag. Das regionale Wirtschaftswachstum, das von der ILO für 2012 auf 3,1 Prozent geschätzt wird, habe entscheidend zur sinkenden Arbeitslosigkeit beigetragen, sagt die regionale ILO-Direktorin Elizabeth Tinoco. Jetzt müsse jedoch die Produktivität erhöht werden.

Jim O’Neill: BRIC-Story intakt

Die Daten sind für viele Investoren ein nachhaltiger Beweis, dass die Anlegerstory „Schwellenländer“ nach wie vor seit elf Jahren intakt ist. Schaut man sich die wichtigsten Börsen-Indizes der Region an, so stehen dort positive Vorzeichen:

Der brasilianische Bovespa kommt auf ein Plus von 9,6 Prozent in 2012. Sein argentinischer Pendant Merval 25 auf 16,75 Prozent und der mexikanische IPC sogar auf ein Plus von über 23 Prozent. Selbst Kolumbien mit seiner hohen Arbeitslosenquote kann mit seinem IGBC-Index auf einen Zugewinn von über 16 Prozent verweisen.

Jim O’Neill, Vorsitzender der Fondsgesellschaft Goldman Sachs Asset Management, geht davon aus, dass auch im Jahr 2013 die Weltwirtschaft vom Wachstum in den Schwellenländern angetrieben werden wird. Er ist der Ansicht, dass die Risiken weiter in den Industrienationen lauern. Argumente wie der bis heute zumindest nicht gelöste Haushaltsstreit in Amerika oder die europäische Staatsschuldenkrise gefährden nicht nur die dortigen Volkswirtschaften, sondern die weltweite Konjunktur.

Sollten die schlimmsten Fälle eintreten, könnte das weltweite Wirtschaftswachstum 2013 geringer als in diesem Jahr ausfallen. O’Neill geht sogar davon aus, dass die führenden Schwellenländer, zu denen auch Brasilien gehört, noch vor 2015 wirtschaftlich bedeutender sein werden als die Vereinigten Staaten.

Die „nächsten Elf“ lauern schon

Da jedoch die Wachstumsdynamik in einigen aufstrebenden Ländern wie China zuletzt etwas an Dynamik verloren hat, ist man bei Goldman Sachs dazu übergegangen, die neuen Wachstumswunder zu identifizieren. Zu den Stars von Morgen gehört auch Mexiko. Vor allem der rasante Anstieg der Bevölkerungszahlen in den Wirtschaftsnationen von Morgen sei ein großes Plus. Mexiko gehört dabei zu O’Neills Favoriten für 2013.

Seine Wachstumsprognose liegt bei 4,0 Prozent und damit über der Durchschnittsschätzung von 3,6 Prozent. Es dürfte also spannend sein, zu sehen wie in 2013 sich die Finanzmärkte Südamerikas entwickeln. Ein Zeichen dafür, dass es in dieser Region mit dem Wirtschaftswachstum weiter bergauf könnte, sind die Renditen für Anleihen aus Schwellenländern. Sie sind kräftig gefallen - wie eben die besagten Arbeitslosenquoten in Lateinamerika.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX

 
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