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Lateinamerika Brasiliens Börse wieder im Bann der Wahlen

17.09.2002 ·  Die Krise hat sich am Montag in Brasilien zurückgemeldet. Wahlsorgen und der schwache Real erwiesen sich weiter als Belastung für die Finanzmärkte.

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Die Verschnaufpause in Brasilien währte nur kurz. Spätestens zum Wochenauftakt hat sich die Krise zurückgemeldet. Ablesen lässt sich die wieder aufkeimende Verunsicherung an der Entwicklung der Finanzmärkte. Der Aktienindex Bovespa stürzte um 3,4 Prozent auf 9.831,05 Punkte ab, die Landeswährung Real verlor 1,7 Prozent auf 3,215 und die Rendite der bis 2014 laufenden Staatsanleihe erhöhte sich wieder deutlich auf 20,83 Prozent.

Ausgelöst wurde die Entwicklung durch verschiedene Faktoren. Unter anderem machten neue Umfrageergebnisse den Anlegern wieder einmal bewusst, dass ein Wahlsieg des linksgerichteten Luiz Inacio Lula da Silva immer wahrscheinlicher wird. Dies wird von den Börsianern aber nicht gene gesehen, weil man sich nicht sicher ist, ob sich Lula tatsächlich der Haushaltsdisziplin verpflichtet fühlt. „Der Markt fängt an, die Möglichkeit eines Wahlsieges von Lula in der ersten Runde anzupreisen“, erklärt Ruggero de Rossi, Fondsmanager bei Oppenheimerfunds Inc.

Schwacher Real mehr Belastung als Segen

Zudem konzentrierten sich die Marktteilnehmer wieder mehr auf die Konsequenzen, die der schwache Real mit sich bringt. Die in diesem Jahr bereits um 28 Prozent abgewertete Landeswährung bringt nämlich nicht nur Vorteile in Form verbesserter Exportaussichten mit sich. Als negativer Gegeneffekt erhöht sie nämlich die Bedienung der meist auf Dollar lautenden Auslandsschulden der Unternehmen. Außerdem erschwert ein schwacher Real wegen der damit verbundenen Gefahr von importierter Inflation Zinssenkungen durch die Notenbank.

Besonders zu spüren bekamen diese Bedenken die Telekomfirmen. Telesp Celular verloren 5,2 Prozent auf 3,5 Real und Embratel Participacoes 7,5 Prozent auf 2,34 Real. Dazu sagte Ricardo Magalhaes, Fondsmanager bei Mellon Global Investments: „Anleger ziehen womöglich Gelder aus den brasilianischen Telekomunternehmen ab, um es besser in ausländischen Gesellschaften zu investieren.“

Vorsichtige Vorgehensweise angesagt

Es bleibt somit das Fazit, dass die Krise in Brasilien noch eine Weile vor sich hinköcheln wird. Dies scheint auch der brasilianische Notenbankchef Arminio Frage nicht anders zu sehen. In einem Zeitungsinterview räumte er jetzt erneut ein, die Krise werde vermutlich erst im kommenden Jahr überwunden werden. Und wenn schon der Notenbankpräsident so vorsichtig ist, bleibt abzuwarten, ob aus der Krise nicht vielleicht doch noch ein Flächenbrand wird.

Die vielen Ungereimtheiten legen es für Privatanleger jedenfalls unverändert eine vorsichtige Vorgehensweise mit Blick auf Anlagen in Lateinamerika und speziell in Brasilien nahe. Keinen anderen Schluss lassen auch die mahnenden Worte von Michael Frenkel, Ökonom an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar zu. In einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Dienstag sieht er jedenfalls noch Ansteckungsgefahren durch die Brasilienkrise für die ganze Region.

Im Chart sehen Sie den Aktienindex Bovespa in den vergangenen fünf Jahren.

Quelle: @JüB
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