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Langfristig orientierte Anleger Viele Aktien werden über Jahre gehalten

Ein Großteil der Aktien in Deutschland liegt lange Zeit unangetastet in den Depots. Viele Anleger setzen auf langfristige Erfolge - nur ein minimaler Anteil der Aktien dient als Spielball kurzfristiger Spekulanten.

© Setzer, Claus Vergrößern Ruhiger Handel: Die meisten Anleger bleiben ihren Aktien lange treu

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sind zum Großteil langfristig orientierte Anleger. Nach Erkenntnissen des Deutschen Aktieninstituts werden die meisten Aktien in Deutschland gar nicht gehandelt, nur ein kleiner Teil rege und ein verschwindend geringer Bruchteil im Hochfrequenzhandel. Daraus hat die World Federation of Exchanges einen Durchschnittswert ermittelt, wonach jede Aktie in Deutschland genau einmal im Jahr gehandelt wird.

Daniel Mohr Folgen:  

Dabei finden jedoch in den Papieren von 5 Prozent der börsennotierten Aktiengesellschaften hierzulande mehr als 84 Prozent der Handelsumsätze statt. Die Auswertung bestätigt frühere Vermutungen, wonach sich Hochfrequenzhändler mit ihren automatisierten Computer-Handelsstrategien auf einige wenige liquide Aktien konzentrieren. Doch auch in diesen Werten bleibt der überragende Großteil der Aktien unangetastet.

So haben am Donnerstag in einer besonders liquiden Aktie wie Daimler 3,2 Millionen Aktien den Besitzer gewechselt. Bei insgesamt mehr als 1 Milliarde Daimler-Aktien entspricht dies einer Quote von 0,3 Prozent. Dabei dürfte zudem noch angenommen werden, dass ein und dieselbe Aktie mehrfach den Besitzer gewechselt hat, da Hochfrequenzhändler nach einer niederländischen Studie an einem Handelstag im Durchschnitt 1.400 Transaktionen in einem einzigen Aktientitel vornehmen.

Aktien liegen im Durchschnitt 5 Jahre

Von den 3,2 Millionen gehandelten Daimler-Aktien dürften somit etliche Papiere immer wieder zwischen einer kleinen Gruppe von Hochfrequenzhändlern im Millisekundentakt hin- und hergewechselt sein, während die meisten anderen der 1,07 Milliarden Daimler-Aktien ruhig in ihren Depots verharrten. Dies tun sie meist über Jahre. Die Commerzbank berichtet, dass die Privatanleger in ihren Depots die Aktien im Durchschnitt fünf Jahre liegen lassen. Hochfrequenzhandel spielt hier ebenso keine Rolle, wie es auch die Sparkassen und Volksbanken berichten.

Auch eine Direktbank wie die ING Diba, mit 900.000 Depots in diesem Bereich führend, berichtet, dass im Jahr 2012 nur 5 Prozent der gekauften Aktien am selben Tag wieder das Depot verlassen haben. Der Großteil wurde hingegen längerfristig angelegt. In Deutschland gelten nach gängigen Marktschätzungen etwa 30.000 Menschen als kurzfristig orientierte Daytrader, die Positionen innerhalb eines Handelstages immer wieder umschichten.

Das Deutsche Aktieninstitut zählt jedoch 4,2 Millionen Aktionäre, so dass die sehr kurzfristig orientierten Anleger gerade einmal einen Anteil von 0,7 Prozent ausmachen. 1,1 Millionen Deutsche sind zudem Belegschaftsaktionäre, von denen bekannt ist, dass sie ihre Aktien in der Regel gar nicht handeln, sondern in Verbundenheit mit ihrem Unternehmen als Anteilseigner auch am Geschäftserfolg partizipieren wollen.

Nicht auf kurzfristigen Erfolg erpicht

Doch auch Großanleger sind in der weit überwiegenden Zahl langfristig orientiert. In etlichen deutschen Aktiengesellschaften gibt es Anleger, die ihre Anteile über Jahre nicht bewegen. Der Großteil der Merck-Aktien liegt in Händen der Familie Merck. Beiersdorf-Aktien gehören mehrheitlich der Familie Herz. Die Familie Quandt verfügt über einen Gutteil der BMW-Aktien.

Den Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck gehört die Mehrheit der Metro-Papiere und die Familie Henkel bestimmt die Geschicke des Konsumgüterkonzerns. Dazu kommen Stiftungen wie die Else-Kröner-Stiftung mit einem großen Aktienpaket am Gesundheitskonzern Fresenius oder die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit erheblichen Anteilen am Thyssen-Krupp-Konzern. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Alle diese Aktienbeteiligungen werden über Jahre und Jahrzehnte gehalten.

Aber auch institutionelle Kapitalmarktinvestoren sind oft nicht auf kurzfristigen Erfolg erpicht. So berichtet die Allianz Leben als größter Lebensversicherer in Deutschland von einer durchschnittlichen Haltedauer von sieben Jahren je Wertpapier.  Die meisten Sparverträge für die Altersvorsorge sind auf Jahrzehnte angelegt, so dass die Versicherer und Fondsgesellschaften auch langfristig in Aktien investieren. 

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„Wir sind Investoren und keine Zocker“, sagt Tim Albrecht, der den Fonds DWS Deutschland seit Jahren erfolgreich führt und dort mittlerweile 3 Milliarden Euro verwaltet. „Wir geben uns bei der Aktienauswahl sehr viel Mühe. Haben wir uns jedoch einmal für eine Aktie entschieden, bleibt diese meist einige Jahre im Fonds.“ An vielen Tagen handelt er deswegen kaum einen Titel.

„Viele Besucher sind enttäuscht, weil sie dachten, bei uns würde ein hektisches Treiben stattfinden“, sagt Albrecht. „Wir bewegen die Aktien aber im Durchschnitt nur alle drei Jahre und auch nur, wenn uns die Bewertung überzogen erscheint und wir Gewinne mitnehmen wollen oder wenn es außergewöhnliche Ereignisse wie Übernahmen oder scharfe Gewinnwarnungen gibt.“  Ansonsten habe sich gezeigt, dass einige wenige Börsentage im Jahr für den Anlageerfolg entscheidend seien.

„Wer ständig kauft und verkauft, droht diese zu verpassen“, sagt Albrecht. Erfolgreiches Vorbild für die langfristige Aktienanlage ist Warren Buffett. Der Anleger müsse die Unternehmen, an denen er sich beteiligt, lieben und nicht gleich beim Kauf wieder an den Verkauf denken. Als der 82 Jahre alte Multimilliardär sich 2010 für 27 Milliarden Dollar die Eisenbahngesellschaft Burlington Santa Fe kaufte, sprach er von einer Investition für das nächste Jahrhundert.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.03.2013, 16:23 Uhr

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