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Kursgewinn von 30 Prozent Wettrennen zwischen Google und Microsoft

 ·  Nach deutlichen Kursgewinnen im Jahresverlauf hat Google inzwischen einen fast so großen Börsenwert wie der Softwareriese Microsoft.

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© dpa Google strebt voran

Anleger an der Wall Street haben in den vergangenen drei Monaten die Aktie des Internetunternehmens Google wiederentdeckt. Nach einem überdurchschnittlich hohen Kursgewinn von 30 Prozent im dritten Quartal steht Google nun kurz davor, den Softwarehersteller Microsoft als drittgrößtes Unternehmen an der Wall Street abzulösen.

Am vergangenen Freitag, dem letzten Handelstag des Quartals, kam Google schon auf einen Börsenwert von 246,8 Milliarden Dollar und rangierte damit schon an fünfter Stelle unter den amerikanischen Börsenschwergewichten.

Microsoft lag mit 249,5 Milliarden Dollar auf Rang drei. Auf dem vierten Platz der Rangliste befand sich die große Einzelhandelskette Wal-Mart Stores mit einer Marktkapitalisierung von 248,1 Milliarden Dollar. Am Montag verringerte sich der Abstand zwischen Google und Microsoft im frühen Handel an der Technologiebörse Nasdaq weiter.

Mangelnde Wachstumsphantasie

Für Microsoft ist es nicht das erste Mal, dass die langjährige Spitzenstellung des Unternehmens unter den Technologiewerten in Gefahr gerät. Immerhin hat der Computerhersteller Apple, beflügelt von der Popularität des internetfähigen Mobiltelefons iPhone und des Tabletcomputers iPad mittlerweile nicht nur Microsoft, sondern gleich alle anderen Aktiengesellschaften weit hinter sich gelassen. Mit einem Börsenwert von 625 Milliarden Dollar spielt Apple an der Wall Street in einer eigenen Liga. Selbst der große Energiekonzern Exxon Mobil erscheint mit 424 Milliarden Dollar auf Platz zwei vergleichsweise weit abgeschlagen.

Microsoft wurde im vergangenen Jahr zeitweise auch vom Technologiekonzern IBM überflügelt. Obgleich die traditionelle Reihenfolge rasch wiederhergestellt wurde, liegt IBM aber nur unweit zurück. Microsoft leidet an der Börse seit Jahren unter mangelnder Wachstumsphantasie, obwohl sich der Aktienkurs in diesem Jahr mit einem Plus von knapp 15 Prozent respektabel entwickelt hat. Der breitgefasste Aktienmarktindex S&P 500 ist ebenfalls um 15 Prozent gestiegen.

Microsoft ist trotz seiner dominierenden Stellung bei Betriebssystemen für Personal Computer vielfach unter Druck. Google dominiert dagegen den Bereich Internetwerbung und spielt eine wichtige Rolle bei Betriebssystemen für Smart-Phones (Android). „Wahrscheinlich werden sich Google und Apple 98 Prozent des Mobilmarkts teilen, und Google wird führen“, sagt Analyst Trip Chowdhry von der Gesellschaft Global Equities Research. IBM konzentriert sich auf Software für Geschäftskunden, Netzwerkrechner und Dienstleistungen, wo Investoren größere Wachstumschancen sehen.

Die Aktienkursentwicklung von Google war in den vergangenen Jahren allerdings von wiederholten Rückschlägen geprägt. Erst im Juni war der Aktienkurs im Verhältnis zu den erwarteten Gewinnen für dieses Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2004 - dem Jahr des Börsengangs - gefallen. Dann platzte allerdings der Knoten und der Aktienkurs kletterte auf neue Rekordhöhen. Dennoch ist Google mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 für ein Wachstumsunternehmen immer noch relativ günstig bewertet.

Umsatz durch mobile Werbung

Zum Höhenflug des Aktienkurses beigetragen hat auch die Enttäuschung der Anleger über die schwache Entwicklung des im Mai an die Börse gegangenen Internetunternehmens Facebook. Seit dem von technischen Schwierigkeiten begleiteten Börsendebüt ist der Kurs von Facebook um mehr als 40 Prozent gefallen.

Analysten hatten befürchtet, dass die Werbeeinnahmen von Google durch die wachsende Verbreitung von sozialen Netzwerken wie Facebook in Gefahr geraten könnte. Diese Ängste schienen aber übertrieben. Google verdient weiterhin das meiste Geld mit Anzeigen neben seiner Suchfunktion. Das Unternehmen wird nach Einschätzung der Markforschungsgesellschaft Emarketer in diesem Jahr aber auch die Marktführerschaft bei grafischen Display-Anzeigen übernehmen und Facebook in diesem Bereich überholen.

Als Grund nennen die Marktforscher das Umsatzwachstum mit Video-Anzeigen bei der Google-Tochtergesellschaft You Tube sowie mit Werbung auf mobilen Geräten. „Das größte Thema war die Sorge, dass sich die mobile Werbung nur sehr langsam entwickeln würde“, sagte Analyst Michael Graham vom Wertpapierhaus Canaccord Genuity.

Belastet wurde der Aktienkurs von Google im ersten Halbjahr auch von der Übernahme des Handyherstellers Motorola Mobility, für den Google 12,5 Milliarden Dollar gezahlt hatte. Google kündigte im Rahmen der geplanten Integration aber die Entlassung eines Fünftels der bisherigen Belegschaft von Motorola Mobility an. Das wirkte sich angesichts der erwarteten Kostenkürzungen positiv auf den Aktienkurs aus.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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