01.07.2009 · Technologie-, Minen-, Stahl- und Einzelhandelswerte zogen in den vergangenen Monaten die europäischen Börsen aus ihrem Tief. Von Qualitätswerten kann man jedoch oft nicht reden. Der Kursgewinner im Prime Technology Index ist ein Penny-Stock.
Minen-, Stahl- und Einzelhandelswerte zogen in den vergangenen Monaten die europäischen Börsen aus ihrem Tief. Der Bloomberg Europe Metals & Mining Index legte seit Ende des vergangenen Jahres in Euro knapp 55 Prozent zu. Ausgehend vom Zwischentief im März des laufenden Jahres beträgt der Zugewinn 80 Prozent.
An der Spitze der Einzelwerte des Branchenindex liegen die Papiere von Kazakhmys mit einem Plus von 185 Prozent auf Sicht von 6 Monaten, gefolgt von den Papiere von Vendata Resources, Eurasian Natural, Xstrata, Rio Tinto und Antofagasta, die zwischen 50 und 129 Prozent zulegten.
Technologiewerte, Zykliker und Einzelhändler im Aufwind
Der Bloomberg Europe Steel Index verbesserte sich um 30 Prozent, angeführt von den Papieren des finnischen Unternehmens Outokumpu mit einem Plus von 53 Prozent, Arcelor-Mittal mit einem Kursgewinn von 42 Prozent sowie den Aktien von Tenaris, SSAB und Voestalpine mit Kurzavancen zwischen 32 und 36 Prozent. Die Aktien von Thyssen-Krupp liefen seitwärts, während die Salzgitterpapiere leichten Auftrieb zeigten.
Die Kursgewinne in diesen Bereichen lassen sich auf den in den vergangenen Wochen aufgekommenen allgemeinen Konjunkturoptimismus zurückführen. Die Anleger gehen offensichtlich davon aus, dass keynesianische Ausgabenprogramme auf Pump in bisher kaum gesehenen Ausmaßen in Verbindung mit extrem lockeren Geldpolitiken die Weltwirtschaft stabilisieren oder gar rasch wieder wachsen lassen werden. Ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn zu viele Konsumenten müssen den Gürtel enger schnallen und ihre in den vergangenen Jahren überstrapazierten Bilanzen sanieren.
So fragt sich, wer künftig all die Waren der im Moment dramatisch unterausgelasteten Industrien weltweit kaufen wird. Sollten die Unternehmen ihre Produktionsanlagen wieder alle in Gang setzten, kann das eher zu Preisdruck als zu zunehmender Profitabilität führen. Das dürfte ihre Investitionsneigung und damit die gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten bremsen.
Auf der anderen Seite geht der Markt offensichtlich davon aus, dass die Kreditkrise als solche zumindest mit Blick auf die Banken ausgestanden ist. Obwohl kritische Analysten und Institutionen wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich vor den verbliebenen Restrisiken warnen, hat der Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index seit Jahresbeginn um 16 Prozent zugelegt. Die stärksten Kursgewinne waren bei den Aktien von Barclays, der DNB NOR, der Danske Bank, der Credit Suisse, der Deutschen Bank und der BNP Paribas zu verzeichnen. Sie legten zwischen 57 und 87 Prozent zu.
... von Qualitätswerten kann man jedoch vielfach nicht reden
Dagegen zählten die Aktien der Autozulieferer, die Versicherer, die Papier- und Forstunternehmen, der Stromproduzenten und der Wasser- und Abwasserunternehmen in Europa zu den schlechtesten der ersten Jahreshälfte. Ähnlich wie im Medien- und im Immobilienbereich lässt sich die unterdurchschnittliche Entwicklung mit der schwachen Wirtschaft und vor allem auch mit strukturellen Gründen erklären.
In den Vereinigten Staaten kamen die Kursgewinner der vergangenen sechs Monate aus dem Technologiebereich, gefolgt von Roh- und Grundstoffunternehmen sowie der Einzelhandelsbranche. Bei einzelnen Werten innerhalb der verschiedenen Branchen kam es teilweise zu außerordentlichen Kursgewinnen. Allerdings sind sie vielfach spekulativer Natur, da die betrachteten Unternehmen nicht die notwendige Substanz haben, um entsprechende Avancen vernünftig erklären zu können.
Das gilt im Russell 3000 Technology-Index für die Papiere von Stec, Palm, RF Micro Devices, Entropic Communications und Cray ebenso wie für die von Openwave Systems. Sie alle konnten in den vergangenen Jahren keine soliden, robusten Umsatz- und Gewinntrends etablieren. Das hinderte die Anleger jedoch nicht daran, in den vergangenen sechs Monaten für Kursgewinne zwischen 245 und 444 Prozent zu sorgen.
Ähnliches gilt für den deutschen Prime All Share Index. Hier werden die Kursgewinner im Prime Technology Index angeführt von den Aktien des Penny-Stocks Wizcom Technologies, von Dialog Semiconductor, von Goyellow Media, von Infineon und von Electronic Line mit Kursgewinnen im vergangenen Halbjahr zwischen 115 und 345 Prozent. Von Qualitätswerten kann man hierbei jedoch wohl kaum
Solche Beobachtungen werden Anleger dazu bringen, die Kursgewinne der vergangenen Wochen einerseits mit der notwendigen Skepsis zu betrachten und andererseits bei der Aktienwahl auf solide Werte zu setzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.264,38 | −0,26% |
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| TecDAX | 751,01 | −0,01% |
| MDAX | 10.147,80 | −0,59% |
| SDAX | 4.823,45 | +0,10% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.118,94 | +0,13% |
| F.A.Z. EURO | 68,54 | −0,23% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.524,87 | −0,49% |
| S&P500 | 1.310,33 | −0,23% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2347 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 101,54 $ | −0,08% |
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17% |
| Bund Future | 145,92 € | +0,31% |