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Kunststoffe Aussicht auf Wende treibt Neschen-Aktie

04.07.2006 ·  Unter Druck stand in den vergangenen Jahren der Folien-Hersteller Neschen. Umsätze und Eigenkapital schrumpften, man schrieb rote Zahlen. Indes mehren sich die Anzeichen, daß die Wende geschafft ist. Diese könnte auch beim Aktienkurs folgen.

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Es gibt Aktien, die machen ihren Inhabern einfach keine Freude. Das dürfte auch beim Folienhersteller Neschen so sein. Nach dem Börsengang im Februar 1999 erreichte der Aktienkurs kurz darauf einen Stand von 14,70 Euro. Dies war gleichzeitig der höchste Kurs, den das Papier je gesehen hat.

Seitdem rutschte er im Trend abwärts, schien sich 2003 ein wenig zu erholen, geriet aber 2004 erneut unter Druck und schlug im April unsanft auf einem Allzeittief von 1,33 Euro auf. Mittlerweile aber hat er sich doch wieder erholt. Und beim aktuellen Stand von 2,14 Euro notiert der Wert nicht nur so hoch wie noch nie in diesem Jahr, sondern auch oberhalb des langfristigen Abwärtstrends.

Schrumpfende Gewinne, schrumpfendes Eigenkapital

Diese Kursentwicklung läßt sich durchaus fundamental begründen. Bis zum Jahr 2002 konnte das Unternehmen den Umsatz von rund 70 Millionen Euro im Jahr 1999 noch bis auf 160,1 Millionen Euro steigern. Doch ging dies bereits zu Lasten des Ergebnisses. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit schrumpfte bis 2001 von 6,8 auf 1,6 Millionen Euro. 2002 gab es noch einmal einen Anstieg auf 3,06 Millionen Euro.

Danach stürzte das Unternehmen aus dem niedersächsischen Bückeburg vollends in die Krise. 2003 schrumpfte der Umsatz um elf Prozent auf 140,9 Millionen Euro. Aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit entstand ein Verlust von 2,5 Millionen Euro, der sich im Folgejahr auf 10,6 Millionen Euro erhöhte. Die Eigenkapitalquote, die 1999 noch bei 51,1 Prozent gelegen hatte, schrumpfte dramatisch, bis sie 2004 einen Tiefstand von bedenklichen neun Prozent erreicht hatte.

Dies veranlaßte das Unternehmen angesichts schwieriger Marktverhältnisse und hoher Rohstoffpreise zur Verabschiedung eines umfassenden Restrukturierungsprogramms. Vor allem wurde das Produktportfolio um 20 Prozent der Artikel bereinigt, Produkte produktionstechnisch zusammengeführt und Standorte im Ausland zusammengelegt.

Restrukturierung scheint zu greifen

Erste Erfolge zeitigte das Programm im vergangenen Jahr. Zwar schrumpfte der Umsatz noch einmal um drei Prozent auf 136,17 Millionen Euro, doch verringerte sich der Verlust aus betrieblicher Tätigkeit von 8,4 Millionen auf 3,4 Millionen Euro. Indes führten Restrukturierung und Sonderabschreibungen zu einem weiteren Substanzverzehr, so daß die Eigenkapitalquote auf nur noch 1,3 Prozent sank. Dies machte auch dem Unternehmen große Sorgen, so daß die Verbesserung der Eigenkapitalposition auf der Prioritätenliste ganz oben stand.

Zwar sind seitdem noch keine konkreten Maßnahmen erfolgt, doch hieß es auf der Hauptversammlung des Unternehmens vor wenigen Tagen, man befinde sich in Gesprächen mit potentiellen Investoren.

Vorstandssprecher Stefan Zinn hatte für die gebeutelten Aktionäre auch erstmals wieder richtig positive Meldungen parat. So liege der Umsatz mit 57 Millionen Euro in den ersten fünf Monaten im Plan. Auch wenn das Konzernergebnis vor Ertragsteuern mit einem Plus von 100.000 Euro noch geringfügig unter dem „saisonalen Budget“ liege, so dürften die Anleger ob der Meldung, daß das operative Ergebnis 1,5 Millionen Euro beträgt, etwas aufgeatmet haben.

Günstige Bewertung, gelingt die Wende tatsächlich

Allerdings wurde dieses Ergebnis um die geplanten Aufwendungen aus den Konsolidierungsmaßnahmen in den Vereinigten Staaten sowie den nachlaufenden Kosten des abgeschlossenen operativen Restrukturierungsprogramms der gesamten Gruppe bereinigt. Indes hieß es, nahezu alle relevanten Kennzahlen der Gruppe hätten sich deutlich verbessert und es sei eine Belebung der Absatzmärkte zu verzeichnen, so daß der Vorstand zuversichtlich sei, im Gesamtjahr ein mindestens ausgeglichenes Konzernergebnis nach Steuern zu erreichen.

Mit einer Marktkapitalisierung von 18,73 Millionen Euro ist die Aktie des Folienherstellers mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,14 ausgesprochen günstig bewertet, sollte dem Unternehmen die Wende wirklich gelingen. Indes gibt es aktuell keine Gewinnprognosen, außerdem schwebt ein wenig ein möglicher Verwässerungseffekt durch eine wahrscheinlich nicht zu vermeidende Kapitalerhöhung über dieser Bewertung. Daher ist die Aktie eine Wette auf die Wende, die aber offenbar einige Anleger einzugehen bereit sind. Absicherungsstrategien können bekanntlich nie schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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