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KTG Agrar Bauer sucht Börse - aber die Börse keinen Bauern

15.11.2007 ·  Seit Donnerstag ist der erste „Bauernhof“ an der Börse - die KTG Agrar AG. So richtig ging die Kurssaat des landwirtschaftlichen Großbetriebs aber nicht auf. Die Aktie notiert überwiegend unter ihrem Ausgabepreis.

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Siegfried Hofreiter weiß, wie man sät - auf dem Getreidefeld im brandenburgischen Putlitz zumindest. Auf dem harten Börsenparkett in Frankfurt wollte die rhetorische Saat des KTG-Agrar-Chefs nicht so recht aufgehen. Für den kapitalmarkt-affinen Landwirt galt am Donnerstag: Bauer sucht Börse - aber die Börse nicht den Bauern.

Hofreiters Unternehmen erlebte ein durchwachsenes Debüt. Die Aktien der KTG Agrar AG starteten mit 17,63 Euro und lagen damit zunächst über dem Ausgabepreis von 17,50 Euro. „Wir freuen uns, dass wir als erster Bauer an der Börse von den Investoren so gut aufgenommen wurden“, erklärte Hofreiter noch. Dann bröckelte der Kurs in einem schwächeren Marktumfeld bis auf 16,50 Euro ab.

Gutes Geschäftsmodell oder künstlicher Agrar-Hype?

Dass das Papier keine Kursrakete sein würde, hatte sich schon abgezeichnet - und nicht nur, weil der KTG-Chef mit einem gemütlichen Traktor auf dem altehrwürdigen Frankfurter Börsenplatz vorfuhr. Am Tag der Erstnotiz fielen die Einschätzungen der Börsianer zwiespältig aus.

Ein Händler stufte das Geschäftsmodell - die Erzeugung von Nahrungsmitteln und Bioenergie - als „geschickt gewählte Mischung“ ein. „Alle setzen derzeit vorwiegend auf Biodiesel - da kann man mit Nahrungsmittel-Getreide wieder punkten“, sagte er. Allerdings gebe es Unsicherheiten durch die Abhängigkeit vom Wetter und von Pachtverträgen. Ein anderer sprach von einem „künstlichen Agrar-Hype“, bei dem es lediglich um das Einsammeln von Subventionen gehe.

Tatsächlich spielen europäische Beihilfen für KTG noch eine dominierende Rolle. Im Geschäftsjahr 2006 verbuchte das Unternehmen mit 125 Mitarbeitern eine Gesamtleistung von rund 18 Millionen Euro und einen Vorsteuergewinn (Ebit) von rund 2,5 Millionen Euro. Vier Millionen Euro stammten allerdings aus EU-Subventionen. Im laufenden Geschäftsjahr soll die Gesamtleistung um 48 Prozent klettern, das Ebit um 41 Prozent.

19.500 Fußballfelder Anbaufläche

KTG ist nach eigenen Angaben mit einer bewirtschafteten Fläche von rund 14.000 Hektar, das sind fast 19.500 Fußballfelder, der flächenmäßig größte Agrarproduzent Deutschlands und führend in Europa. Vor allem an Standorten in den neuen Bundesländern werden Getreide, Mais und Raps in ökologischer (40 Prozent) und konventioneller Landwirtschaft (60 Prozent) angebaut.

Weiteres Standbein ist die Produktion von Bioenergie. Die nachwachsenden Rohstoffe werden fast ausschließlich auf selbst bewirtschafteten Äckern in unmittelbarer Nähe der Biogasanlagen produziert. Derzeit betreibt die KTG zehn Anlagen mit einer Anschlussleistung von 6,5 Megawatt.

An die Börse, um weiter zu wachsen

Warum ausgerechnet ein Landwirtschaftsbetrieb an die Börse muss, hatte Firmenchef Hofreiter in der Vergangenheit so erklärt: Ein Börsengang sei die logische Konsequenz, um weiter solide wachsen zu können. „In den vergangenen zwei Jahren konnten wir unsere Fläche annähernd verdoppeln“, sagt der 45-Jährige. Und damit will er sich nicht zufrieden geben. 23 Millionen Euro aus dem Börsenerlös von 32 Millionen sollen dem Unternehmen zufließen. Davon will der Großagrarier weitere Flächen zukaufen, unter anderem in Litauen, wo KTG schon seit 2005 aktiv ist.

Der Zeitpunkt sei günstig, findet Hofreiter: „Die Landwirtschaft ist aus unserer Sicht eine Wachstumsbranche.“ Die weltweite Zunahme der Bevölkerung, das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern und der Boom bei Bio-Lebensmitteln sprächen dafür. Kritiker wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) warnen dagegen, dass die KTG Agrar AG nur wegen der hohen EU-Beihilfen Gewinne ausweise: „Die Großbetriebe leben wirtschaftlich von Brüssel. Wenn die Förderung sinkt, können die Gewinne schnell zu Verlusten werden“, sagt der AbL-Bundesvorsitzende und grüne EU-Parlamentarier Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf.

Der Chef war nicht immer erfolgreich

Beunruhigend finden Anleger zudem, dass die Unternehmungen des von einem bayerischen Bauernhof stammenden KTG-Managers Hofreiter in der Vergangenheit nicht immer erfolgreich waren. Anfang der 90-er Jahre war er Mitgesellschafter einer Fahrradproduktion und -vermarktung in Jugoslawien. Der Betrieb wurde im Bürgerkrieg zerstört, Hofreiter in zwei Fällen der Konkursverschleppung und des Bankrotts schuldig gesprochen. „Ich stehe dazu, dass ich auch unternehmerische Fehler gemacht habe“, sagt er heute. Für die Investoren ist zu hoffen, dass sich die Fehler bei KTG Agrar in Grenzen halten.

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