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Kreditmärkte Fannie Mae - stärker verschuldet als mancher Hedge-Fonds

19.08.2008 ·  Nach einer kurzen Zwischenerholung sind die Aktien der beiden amerikanischen Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac auf Rekordtiefs gefallen. Das dürfte kaum verwundern, denn sie haben faktisch keinen Wert mehr.

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Nach einer kurzen Zwischenerholung standen die Aktien der beiden amerikanischen Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac am Montag wieder unter Druck und verloren im Tagesverlauf jeweils mehr als 20 Prozent ihres nach massiven Kursverlusten zuvor noch verbliebenen Wertes.

Der Grund sind Berichte und die sich immer weiter verdichtenden Anzeichen, wonach die amerikanische Regierung den beiden Unternehmen finanziell unter die Arme greifen muss. Gemeinsam haben die beiden Unternehmen knapp die Hälfte der ausstehenden amerikanischen Hypotheken direkt oder indirekt über Garantien in ihren Büchern. Aufgrund ihrer schieren Größe und der verheerenden Lage am amerikanischen Hypothekenmarkt werden sie kaum in der Lage sein, sich am freien Markt frisches Kapital zu besorgen. So werden sehr wahrscheinlich Steuergelder herhalten müssen, um die Verluste aufzufangen. Sollte es dazu kommen, dürften die bisherigen Aktionäre weitgehend leer ausgehen, heißt es.

Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt noch nicht überstanden

Beide Unternehmen sehen sich mit einem schwachen Hypothekenmarkt konfrontiert, der sich in deutlich zunehmenden Zahlungsausfällen und in der Konsequenz massiven Abschreibungen zeigt, die Fannie und Freddie vornehmen müssen.

Der Markt habe den Boden noch nicht gesehen und der größte Teil der zu erwartenden Verluste müsse noch realisiert werden, erklärte selbst Richard Syron, Vorstandschef von Freddie Mac vor wenigen Tagen. Er rechnet damit, dass die Immobilienpreise in den Vereinigten Staaten um weitere sieben bis neun Prozent fallen werden. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Bonität der beiden Unternehmen in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen hat. Das zeigt sich in Form von Herabstufungen ebenso wie in steigenden Swapsätzen, die im Markt für die Absicherung gegen eine mögliche Insolvenz verlangt werden.

Das Ausmaß der Probleme wird deutlich an den Geschäftsergebnissen der Federal National Mortgage Association, genannt Fannie Mae. Das halbstaatliche Unternehmen produzierte in den vergangenen vier Quartalen Verluste in Höhe von 1,56 bis 3,79 Dollar je Aktie,. Zudem verringerte sich der ausgewiesene „faire Wert“ des Eigenkapitals (book value available to common shareholders) dramatisch und lag Ende Juni des laufenden Jahres bei minus 5,39 Milliarden Dollar.

Er hat damit von März bis Juni um 3,3 Milliarden abgenommen. Das heißt, der Verlust war auf dieser Ebene noch größer als der ausgewiesene Nettoverlust von 2,3 Milliarden Dollar im zweiten Quartal des laufenden Jahres. Dieser war wiederum viermal so hoch ausgefallen wie befürchtet.

Fannie & Freddie - negatives Eigenkapital - hohes Risiko

Faktisch sind die Stammaktien (common stocks) des Unternehmens ebenso wertlos wie die des Schwesterunternehmens Freddie Mac, dessen Buchwert ebenfalls negativ ist. Selbst wenn man bei der Fair-Value-Berechnung das Vorzugskapital (preferred equity) von Fannie Mae berücksichtigt, so beträgt das Verhältnis zwischen den Vermögenswerten in Form von Hypopthekenpapieren und dem Eigenkapital knapp 73. Das heißt, selbst eine geringer Rückgang in der Bewertung reicht aus, um auch dieses Eigenkapital auszulöschen. Kritische Analysen erklären ironisch, die Verschuldung manches Hedge-Fonds - selbst die des im Jahr 1998 pleite gegangenen Long-Term Capital Management - sei dagegen konservativ.

Bei mancher amerikanischen Bank dürfte es nicht anders aussehen. Gerade die großen Banken tendierten in der Vergangenheit dazu, riskante Positionen außerhalb der Bilanz zu parken. Künftig werden sie gezwungen sein, sie in die Bilanzen zu übernehmen. Auf diese Weise steigt der Kapitalbedarf. Angesichts der schwierigen Lage an den Finanzmärkten stellt sich die Frage, ob und zu welchen Konditionen sie diesen werden decken können.

Eine Portion Skepsis bleibt angebracht. Immerhin erklärte nun der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, die Krise werde bald eine große amerikanische Bank treffen. „Die Vereinigten Staaten sind noch nicht über dem Berg“, erklärte er am Dienstag auf einer Finanzkonferenz in Singapur. „Ich würde sogar weiter gehen und sagen, das Schlimmste kommt noch. In den kommenden Monaten werde es nicht nur den Zusammenbruch einiger mittelgroßer Banken geben. „Es wird eine große sein, eine der Investment- oder Großbanken.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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