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Kreditinstitute Zumwinkel-Krise verdüstert die Perspektive der Postbank-Aktie

15.02.2008 ·  Die Finanzmarktkrise hat die Postbank gut überstanden. Doch an den alten Aufwärtstrend dürfte sie vorerst nur schwer anknüpfen. Denn durch den Führungswechsel bei der Post rückt ein Verkauf der Postbank erst einmal in den Hintergrund.

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Der Eigentümer der Postbank hat derzeit anderes zu tun, als sich mit dem Verkauf der Postbank zu beschäftigen. Zunächst muss geklärt werden, wer der Nachfolger von Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel wird. Denn dieser hat nach Angaben des Finanzministeriums gerade seinen Rücktritt angeboten.

Ein Führungswechsel wird also stattfinden und damit vielleicht auch ein Strategiewechsel im Konzern. Gerade der Post dürfte eine Generalüberprüfung nach der Ära Zumwinkel gut tun. Der Nachfolger von Zumwinkel wäre geradezu schlecht beraten, wenn er nicht alles auf den Prüfstand stellen würde.

Diese Unsicherheit nimmt Übernahmespekulationen bei der Postbank vorerst die Basis. Genau dies hatte den Kurs aber in den vergangenen Wochen gestützt und nach oben getrieben. Nach den guten Zahlen am Freitag braucht die Postbank diese Hilfe zwar nicht mehr. Doch angesichts der Zumwinkel-Krise rund um eine mögliche Steuerhinterziehung ist erst einmal ein wenig mehr Vorsicht angebracht.

Seitwärtsbewegung der Aktie

Eine Seitwärtsbewegung zeichnet sich im Chart bereits ab. Ohnehin ist fraglich, ob ein Verkauf der Postbank überhaupt Sinn ergibt. Möglicherweise ist das Institut alleine stärker und flexibler als mit dem Ballast der Deutschen Bank oder der Commerzbank.

Der Hauptaktionär Deutsche Post hatte zwar mehrfach anklingen lassen, dass er sich in diesem Jahr über die Zukunft seiner Tochter Gedanken machen wolle. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben bereits nachdrücklich Interesse angemeldet. Auch zahlreiche Institute aus dem Ausland werden als potentielle Käufer gehandelt. Doch ob die Andeutungen der Post ernst gemeint oder am Ende nur eine Nebelkerze des Postchefs waren, ist bisher nicht klar geworden.

Postbankchef zeigt sich selbstbewusst

Auch der Postbankchef brachte da am Freitag keine Aufhellung. „Die Postbank verfügt über eine im Wettbewerb einzigartige Plattform“, sagte Wolfgang Klein in Frankfurt. „Wir werden deshalb eine selbstbewusste Rolle in der Konsolidierung des deutschen Bankensektors spielen.“

Und auch dies gehört zum verbalen Säbelgerassel: Klein versicherte, die Postbank werde sich einer Konsolidierung der Branche „nicht versperren wollen“: „Denn ich bin überzeugt, dass wir andere, das heißt offenere und größere Strukturen in Deutschland brauchen.“ Die Finanzmarktkrise werde die Neuordnung der Branche beschleunigen.

Aktie steigt über 60 Euro

Ob dies wirklich so kommt, kann man mit Grund in Frage stellen. Denn so einfach geben sich die Sparkassen nicht geschlagen. Ihre guten Kontakte in alle Ebenen der Politik sind bekannt. Und ob gerade ein Mitglied des Postkonzerns derzeit in der Politik soviel Gehör findet, kann derzeit auch mit Recht bezweifelt werden.

Am Freitag kümmert sich die Börse darum aber zunächst nicht weiter. Postbank-Papiere legen an der Dax-Spitze um mehr als zwei Prozent auf über 60 Euro zu.

Das Institut hat die Finanzmarktkrise schließlich trotz eines Gewinneinbruchs im Schlussquartal bislang besser weggesteckt als mancher Wettbewerber und 2007 deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Im Zusammenhang mit der Subprime-Krise verzeichnete die Postbank vergleichsweise geringe Wertminderungen.

Dividende bleibt unverändert

Die Dividende bleibt allerdings bei 1,25 Euro. Damit ist die Dividendenrendite mit gut zwei Prozent alles andere als berauschend. Viele andere Dax-Aktien bieten da derzeit wesentlich mehr. Es ist auch ein Hinweis darauf, dass die Aktie derzeit im Branchenvergleich eher hoch bewertet ist. Darauf deutet auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis hin, das bei 11 für das laufende Jahr liegt. Das mag Durchschnitt im Dax sein, doch für Finanzinstitute ist es hoch.

Wie reagieren die Profis? Händler meinen, die Zahlen im vierten Quartal und auch im Gesamtjahr seien wie erwartet ausgefallen. Im Fokus bleibe die Übernahmephantasie, die den Kurs der Aktien derzeit maßgeblich bewege. Ein Analyst sprach von leicht übertroffenen Erwartungen.

Unicredit setzt Kursziel von 76 Euro

Nach Ansicht von Andreas Weese, Analyst bei Unicredit, hat die Deutsche Postbank für das vierte Quartal „solide“ Ergebnisse ausgewiesen. Auf den ersten Blick scheine sich sogar die Ertragsqualität etwas verbessert zu haben. Bislang hätten sich die Gewinne der Postbank als verlässlich erwiesen. Dies sei ein gewichtiger Grund, den Titel in einem aktuell schwierigen Marktumfeld auch weiterhin zum Kauf zu empfehlen. Sein Kursziel: 76 Euro.

Der Nettogewinn der Deutschen Postbank reduzierte sich im vierten Quartal um 39 Prozent auf 169 Millionen Euro, lag damit aber trotz höher als erwarteten Abschreibungen auf Subprime-Anlagen (schlecht besicherte amerikanischen Hypotheken) im Rahmen der Schätzungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und den Marktschätzungen. Die operativen Ergebniskomponenten überzeugten die Analysten. Der Zinsüberschuss stieg zwar begünstigt von einem Einmaleffekt um 11 Prozent, hätte aber auch ohne diesen um beachtliche 8 Prozent zugelegt, heißt es weiter. Kursziel der LBBW: 67 Euro.

Analyst Philipp Häßler von Equinet etwa sprach von einem „starken vierten Quartal“ der Postbank. Der Gewinn vor Steuern in Höhe von 198 Millionen Euro habe von dem hohen Nettozinseinkommen profitiert. Zwar habe dem Equinet-Experten zufolge das Handelsergebnis für 2007 etwas enttäuscht - hier hatten auch andere Analysten im von der Krise belasteten Schlussquartal einen geringeren Einbruch erwartet und waren daher für das Gesamtjahr von 342 Millionen Euro statt den tatsächlich erwirtschafteten 290 Millionen ausgegangen. Der Postbank-Kurs dürfte nach Ansicht von Häßler aber weiter von Übernahmespekulationen angetrieben werden. Sein Kursziel liegt unverändert bei 60 Euro.

Kepler warnt und gibt Kursziel von 42,50 Euro aus

Konrad Becker von Merck Finck sagte, die Postbank habe im vierten Quartal eine geringere Wertminderung im Zuge der Turbulenzen um Subprimes verbuchen müssen als im Vorquartal. Im Zusammenhang mit der Krise verzeichnete das Institut 2007 vergleichsweise geringe Wertminderungen in Höhe von insgesamt 112 Millionen Euro - 61 Millionen davon waren bereits im dritten Quartal angefallen.

Skepsis herrscht jedoch bei Kepler Equities, die ihr Kursziel von 42,50 Euro bestätigten. Analyst Dirk Becker schrieb, die Wertminderung in Höhe von 112 Millionen Euro dürfte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Vielmehr seien weitere schlechte Nachrichten zu erwarten, so der Experte mit Blick auf fehlende Aussagen der Postbank zu ihrem 6,3 Milliarden Euro schweren strukturiertem Kreditportfolio. Während die Post-Tochter lediglich 1,5 Prozent des Wertes ihres strukturierten Kreditportfolios nach unten korrigiert habe, hätten andere Banken entsprechende Abschreibungen von mindestens 30 Prozent vorgenommen.

Postbank schafft trotz Finanzkrise Milliardengewinn

Trotz des anhaltend scharfen Wettbewerbs um Privatkunden und der Finanzkrise hat die Postbank ihren Gewinn im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 6,7 Prozent auf 1,004 Milliarden Euro, wie die größte deutsche Filialbank am Freitag mitteilte. Unter dem Strich stand sogar ein Plus von rund 25 Prozent auf 871 Millionen Euro.

Grund für den Anstieg waren leichte Zuwächse im Zins- und Provisionsüberschuss sowie eine deutlich geringe Steuerlast. Die zur Deutschen Post gehörende Bank musste im vergangenen Jahr 112 Millionen Euro auf Engagements im bonitätsschwachen amerikanischen Hypothekenmarkt (Subprime) abschreiben.

Im Vergleich zu ihren Wettbewerbern kam sie damit aber noch gut weg: Die Commerzbank hatte Wertkorrekturen von fast 800 Millionen Euro zu tragen. Branchenprimus Deutsche Bank kam auf rund 2,3 Milliarden Euro.

Schwieriges Marktumfeld

Im laufenden Jahr rechnet die Postbank mit einem anhaltend schwierigen Marktumfeld. “Wir gehen weiterhin von einem kompetitiven Privatkundenmarkt aus“, erklärte der Vorstand. In Deutschland sind vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken bei Privatkunden stark verwurzelt. Geschäftsbanken versuchen deshalb seit Jahren mit immer günstigeren Produkten Kunden zu locken. Zudem werde der Unterschied zwischen den kurz- und langfristigen Zinsen gering bleiben, was die Margen belaste.

Insgesamt erwartet die Postbank deshalb zunächst nur ein moderates Ertragswachstum. Das Vorsteuergewinns soll in diesem Jahr auf 1,22 Milliarden Euro zulegen. Bis 2010 soll das Ergebnis dann auf bis zu 1,45 Milliarden Euro steigen.

Eine Million neue Kunden

In ihrem Kerngeschäft, dem Privatkundensegment, legte die Postbank zu. Das Ergebnis vor Steuern in dem Bereich kletterte um gut zwei Prozent auf 944 Millionen Euro. Während sie beim Zinsergebnis Zuwächse verbuchte, ging der Provisionüberschuss zurück. Rund eine Million neue Kunden kamen 2007 hinzu. Insgesamt kommt die größte deutsche Filialbank auf fast 15 Millionen Kunden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @stt
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