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Kreditinstitute Postbank-Aktie rutscht unter Ausgabepreis

10.08.2004 ·  Die Postbank hat die Erwartungen der Analysten knapp übertroffen und sich zuversichtlich geäußert. Obwohl mithin Zahlen und Ausblick stimmen, ist der Titel unter den Ausgabepreis gerutscht - und bewegt sich im Abwärtstrend.

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Die Postbank hat im zweiten Quartal 2004 dank höherer Überschüsse im Zinsgeschäft und dem Eigenhandel insgesamt etwas mehr verdient und damit die Analystenprognosen knapp übertroffen. Zudem hat sich der Vorstand zuversichtlich über den weiteren Verlauf des Jahres geäußert. Auch ist die Postbank-Aktie in der Gunst von Analysten zuletzt gestiegen. Nachdem die Mehrheit den Titel anfangs auf „Sell“ oder „Underperform“ stehen hatte, empfehlen 17 Analysten ihn zum Kauf, sechs haben ihn auf „Outperform“ oder „Overweight“ gestuft; zuletzt kamen Morgan Stanley (“Equalweight“) und HSBC Trinkaus & Burkhardt (“Add“) hinzu.

Gleichwohl profitiert der MDax-Kandidat nicht von dieser vorteilhaft erscheinenden Gemengelange. In einem schwachen Gesamtmarkt verliert der Titel bei einem sehr regen Handel 1,93 Prozent auf 28 Euro. Damit ist der Kurs klar unter den Ausgabepreis gerutscht. Dies ist der schwächste Tageskurs auf Schlußkursbasis.

Vor und nach Steuern besser als erwartet

Der Gewinn nach Steuern hat im Zeitraum April bis Juni 95 Millionen Euro betragen, wie die Postbank mitteilte. Zwölf von Reuters befragte Analysten hatten von dem Börsenneuling, der im September in den MDax aufsteigen dürfte, 91 Millionen Euro erwartet. Im ersten Quartal hatte die Bank 92 Millionen Euro verdient. Auch beim Gewinn vor Steuern lag Deutschlands größte Filialbank mit 146 Millionen Euro nach 143 Millionen Euro im ersten Quartals etwas über den Prognosen. Der Zinsüberschuß als wichtigster operativer Ertragsblock legte zum Auftaktquartal um 4,4 Prozent auf 380 Millionen Euro zu.

Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann gab einen optimistischen Ergebnisausblick: Er erwarte für 2004 insgesamt einen Anstieg beim Vorsteuerergebnis von mindestens 15 Prozent. 2003 hatte die Bank vor Steuern 497 Millionen Euro verdient. Damit peilt die Banktochter der Deutschen Post in diesem Jahr rund 570 Millionen Euro vor Steuern an.

Analysten bescheinigen soliden Ausblick

Analysten sprachen von einem soliden Ergebnis. „Dieser Ausblick für 2004 ist machbar. Jetzt geht es für die Postbank aber eher darum, den Markt durch ein stärkeres operatives Geschäft positiv zu überraschen“, sagte Metehan Sen, Bankenanalyst von Sal. Oppenheim. Kritischer äußerte sich Kepler-Analyst Dirk Becker: „Es ist etwas über den Erwartungen, aber nicht so ein großartiges Ergebnis. Das Privatkundengeschäft hat sich gut entwickelt, aber das übergeordnete Bild ist nicht so gut wie wir gehofft hatten.“

Der Ergebnisanstieg gehe vor allem auf das zum ersten Quartal auf 86 Millionen Euro mehr als verdoppelte Handelsergebnis zurück, ergänzte Becker. Das sei ungewöhnlich für eine auf das Filialgeschäft fokussierte Bank. „Es gab keine Überraschungen und das will man nach einem Börsengang ja eigentlich haben", kommentierte Richard Thomas, Analyst bei ABN Amro in London, das Quartalsergebnis und den Aktienkurs.

Eigenkapitalrendite unterdurchschnittlich

Die Risikovorsorge für faule Kredite betrug bei der Postbank wie schon im Vorquartal 41 Millionen Euro. Die Verwaltungskosten legten um 3,9 Prozent zu, vor allem durch Integrationskosten bei der Übernahme des Zahlungsverkehrs der Dresdner Bank. Die für die Anleger wichtige Eigenkapitalrendite soll vor Steuern bis 2006 auf 15 Prozent steigen. Im zweiten Quartal betrug diese Kennzahl 13,5 Prozent nach 11,7 Prozent im ersten Quartal. Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank beträgt sie 22 Prozent, bei der Commerzbank 16,4 Prozent, bei der Credit Suisse 16,6 Prozent, bei der Depfa Bank 33 Prozent. Folglich ist die Eigenkapitalrendite unterdurchschnittlich.

Dabei kann die Aktie nicht für sich beanspruchen, besonders günstig bewertet zu sein. Das anhand der Ergebnisschätzungen errechnete Kurs-Gewinn-Verhältnis für dieses Jahr beträgt 11,6 und damit genauso hoch wie jenes der Commerzbank, die weniger rentabel ist. Die Deutsche Bank ist mit 9,6 bewertet, die Hypovereinsbank mit 18. Zudem sieht es charttechnisch nicht gerade gut aus, denn seit dem Ende Juni markierten Jahreshoch von 29,85 Euro ist es mit dem Kurs abwärts gegangen; der seit Mitte Juli zu beobachtende Versuch, sich oberhalb des Ausgabepreises zu stabilisieren ist mißlungen. Mithin bewegt sich die Notiz im Abwärtstrend.

Also: Die Postbank mag für ihre Kunden eine gute Bank sein - die Aktie drängt sich derzeit nicht auf. Auch wenn mit einer Dividende von etwa 1,20 Euro zu rechnen ist, wie die Analysten der Hypo-Vereinsbank meinen, und die Dividendenrendite bei schönen vier Prozent läge.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi mit Reuters
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