15.08.2008 · Die Aktien von J.C. Penney, Macy's und anderen amerikanischen Einzelhändlern haben sich infolge der gesunkenen Ölpreise erholt. Doch ist dies angesichts der unter Druck geratenen Verbraucher nur ein kurzzeitiges Phänomen?
Von Ben StevermanEin Jahr lang waren die Konsumgüterwerte Außenseiter an der Wall Street. Angesichts eines Konjunkturrückgangs, einer verheerenden Lage am Immobilienmarkt und in die Höhe schnellender Energiepreise wollten nur wenige Anleger in einen Sektor investieren, der Produkte und Dienstleistungen anbietet - von Kleidung bis Flugtickets -, die die Amerikaner zwar haben wollen, jedoch nicht unbedingt brauchen.
Doch nun melden sich die Verbraucheraktien in großem Stil zurück. Der Konsumgütersektor im Aktienindex S&P 500 legte im vergangenen Monat 17 Prozent und in den fünf am 11. August endenden Börsensitzungen um beinahe 10 Prozent zu.
Der Hauptgrund hierfür ist das Öl. Der Rohölpreis erreichte am 3. Juli mit 147,72 Dollar pro Barrel einen Höchststand, fiel jedoch in der letzten Zeit auf unter 114 Dollar pro Barrel. Die Preise an den amerikanische amerikanischen Zapfsäulen sind nach Aussage des amerikanischen Automobilverbandes 26 Tage in Folge gesunken. Das entspricht einem 7-prozentigen Rückgang gegenüber dem Rekordhoch von 4,114 Dollar pro Gallone am 16. Juli.
Zweistellige Prozentgewinne
Die niedrigeren Energiekosten für die amerikanischen Verbraucher kamen dem gesamten Sektor zugute, wirkten sich jedoch in besonderem Maße auf viele Einzelhändler aus, denen der Aktienmarkt stark zu schaffen gemacht hatte.
J.C. Penney büßte zwar 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein, doch in jüngerer Zeit schnellte die Aktie um 19 Prozent in die Höhe. Obgleich Home Depot und Lowe's von der Schwäche am Immobilienmarkt abgestraft worden waren, kletterten ihre Aktien um 22 oder. 18 Prozent in die Höhe, seit der Ölpreis seinen Höchststand erreicht hatte. Mit dem Rückgang des Rohölpreises von seinem Rekordhoch stiegen die Aktien von Macy's um 17 Prozent. Amazon.com legte 22 Prozent zu und Sears Holdings, Eigentümer der Ketten Sears und Kmart, verbuchte einen Zuwachs von 24 Prozent. Durch die Konsumgüteraktien wurden diese Gewinne am 13. August zum Teil geschmälert, nachdem die Umsatzzahlen im Einzelhandel geringfügig schwächer als erwartet ausfielen.
Für vorausschauende Anleger stellt sich vor allem die Frage, ob die Konsumgüterwerte, und insbesondere die großen Einzelhändler, an ihrer Glückssträhne festhalten können.
Gute Nachrichten von Schlüsselunternehmen
Optimisten verweisen auf die Tatsache, dass die Ausgaben im Einzelhandel trotz all des wirtschaftlichen Drucks auf die amerikanischen Verbraucher nicht völlig eingebrochen sind. Die Einzelhandelsausgaben ohne Autos konnten seit März jeden Monat um 0,8 bis 1,2 Prozent zulegen. Im Juli stiegen die Einzelhandelsumsätze ohne Autos um 0,4 Prozent und lagen damit knapp unter den Erwartungen der Ökonomen, die mit einem Anstieg von 0,5 Prozent gerechnet hatten. „Auch als der Ölpreis bei 140 Dollar pro Barrel lag, gingen die Verbraucherausgaben trotz Abschwächung nicht auf Null zurück“, meint Michael Yoshikami, President und Chef-Investmentstratege bei YCMNET Advisors.
Ein weiterer positiver Faktor sind die jüngsten Neuigkeiten von einigen Schlüsselunternehmen. Viele Anleger hatten bezüglich der Gewinn- und Verlustrechnungen der Konsumgüter-Unternehmen das Schlimmste befürchtet, und was man ihnen vorlegte, war in der Tat nichts Gutes. Nun, da die meisten Ergebnisse vorliegen, rechnet Thomson Reuters bei den Konsumgüter-Unternehmen des S&P 500 mit einem Einbruch der Zweitquartalsgewinne in Höhe von 57 Prozent.
Nach Ansicht von David Cumberland, Senior Research Analyst bei R.W. Baird, gelingt es einigen Unternehmen jedoch überraschend gut, ihre Bestände zu kontrollieren und ihre Gewinnmargen zu sichern. So gab Kohl's am 7. August bekannt, dass seine Umsätze im Juli um 2,4 Prozent zurückgegangen waren, doch die Aktie konnte in den darauf folgenden Tagen zulegen, nachdem der Einzelhändler mitteilte, dass er nach wie vor in der Lage sein müsste, die Gewinnerwartungen zu erfüllen. Die Aktien von Kohl's kletterten im vergangenen Monat um mehr als 25 Prozent nach oben.
Macy's meldete am 13. August einen Umsatzrückgang in Höhe von 3 Prozent und warnte vor Gewinneinbußen gegen Ende des Jahres, doch die Anleger schienen erleichtert, dass die Ergebnisse nicht schlechter ausgefallen waren. Die Aktien von Macy's legten im Nachmittagshandel 3 Prozent zu.
Wirkung der Stimulus-Schecks lässt nach
Obgleich die Verbraucheraktien in der letzten Zeit die sehr niedrigen Markterwartungen übertreffen konnten, gibt es keinerlei Garantie, dass sich diese Entwicklung fortsetzen kann. Es mangelt nicht an düsteren Prognosen für den Sektor.
Zum einen fragen sich die Anleger, inwiefern die Verbraucherausgaben durch die Stimulus-Schecks gefördert wurden, die die Regierung in den vergangenen Monaten ausgegeben hatte. Da alle Schecks bis Juli versandt und eingelöst wurden, „wird diese Wirkung nachlassen“, meint Cumberland.
Obgleich die Öl- und Benzinpreise gefallen sind, liegen sie noch immer weit über ihrem Vorjahresstand, als das Barrel Öl unter 80 Dollar gehandelt wurde.
Short-Covering treibt Aktienkurse in die Höhe
Auch wenn es die Amerikaner nun 10 Dollar weniger kostet, ihre Geländewagen aufzutanken, herrscht bei den Verbrauchern nach wie vor schlechte Stimmung, meint BillionenGreiner, Chef-Investmentstratege bei UMB Asset Management.
Zudem waren die hohen Energiekosten nur „ein Gegenwind von vielen, die den amerikanischen Verbrauchern ins Gesicht bliesen“, sagt Brian Levitt, Ökonom bei OppenheimerFunds. Wenn die Amerikaner über den Kauf eines Konsumguts nachdenken, „ist es mehr als wahrscheinlich, dass ihre Hände in den Taschen bleiben“, glaubt Greiner.
Greiner führt den raschen Anstieg der Verbraucheraktien in erster Linie auf Short-Covering zurück. So setzten viele Wertpapierhändler monatelang auf eine Flaute im Einzelhandel, doch nach Bekanntwerden einiger positiver Neuigkeiten aus dem Sektor mussten diese Händler ihre Short-Positionen durch Aktienkäufe decken. Obgleich die Aktie von Lowe's seit Mitte Juli 30 Prozent zugelegt hat, ist das nicht auf die Fundamentaldaten des Unternehmens zurückzuführen. „Die Unternehmensperspektiven haben sich nicht um 30 Prozent verbessert“, meint Greiner.
Beschäftigung ist das A und O
Welche Fundamentaldaten sind es nun, die die Konsumgüterwerte in die Höhe treiben?
Was die amerikanische Verbraucher anbelangt, „hängt alles davon ab, ob sie einen Job haben“, erklärt Levitt. „Seit jeher neigen die amerikanischen Verbraucher dazu, die Gehaltsschecks auszugeben, die sie bekommen.“
Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten lag im Juli bei 5,7 Prozent. Das bedeutet, dass mehr als 94 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer nach wie vor eine Stelle haben, doch die Tendenz ist beunruhigend. Die Arbeitslosenquote ist von unter 5 Prozent im April kontinuierlich gestiegen.
Hohe Schuldenberge sind ein Hemmnis
Amerikaner nehmen viele Kredite auf, was ihnen zusätzlich zu schaffen machen könnte, wenn sich die Situation am Arbeitsmarkt verschlechtert, meint Greiner. „Wenn die Menschen Angst haben, ihre Arbeitsstelle zu verlieren, sind sie weniger bereit, auszugehen und Geld auszugeben.“
Die schnelle Erholung der Konsumgüterwerte könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Aktienmarkt den Sektor zu sehr für die hohen Ölpreise und die Konjunkturschwäche abgestraft hat. Da die Amerikaner jedoch durch hohe Kraftstoffpreise, rückläufige Immobilienwerte und eine steigende Arbeitslosenquote unter Druck stehen, ist es nach wie vor schwer, die von ihnen abhängigen Unternehmen fraglos optimistisch einzuschätzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |