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Konsumwerte Hat die Wal-Mart-Aktie ihren Zenit erreicht?

20.06.2008 ·  Nachdem die Aktie der Einzelhandelskette Wal-Mart jahrelang vor sich hin dümpelte, ist sie nun auf ein Vierjahreshoch gestiegen. Ist sie damit nun bereits zu teuer? Einiges deutet darauf hin.

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Mehrere Jahre lang schien sich Warren Buffets Wal-Mart-Engagement als Fehlinvestition zu erweisen. Im Jahr 2005 erwarb der legendäre Investor und Chef von Berkshire Hathaway fast 20 Millionen Aktien der weltgrößten Einzelhandelskette im Volumen von 944 Millionen Dollar und musste drei Jahre lang zusehen, wie die Wal-Mart-Aktie vor sich hin dümpelte.

Doch nun zahlt sich Buffetts Geduld aus. Vor kurzem stieg die Aktie auf ein Vierjahreshoch und bescherte dem Mann aus Omaha einen Kurszuwachs von 22 Prozent.

Es stellt sich allerdings die Frage, wie hoch die Wal-Markt-Aktie noch steigen kann. Während das Papier in den zurückliegenden Jahren für wertorientierte Anleger à la Buffett praktisch zum Schnäppchenpreis zu haben war, scheint sie zuletzt doch recht teuer geworden zu sein.

Wal-Marts Bewertung an der Schmerzgrenze wertorientierter Anleger

Verglichen mit dem breiten Aktienmarkt war die Kursentwicklung der Wal-Mart-Aktie mehr als eindrucksvoll. Während der marktbreite Aktienindex S&P-500 im bisherigen Jahresverlauf um fast neun Prozent an Wert verlor, stieg das Papier von Wal-Mart um stolze 21 Prozent.

Patrick Becker Jr., Manager eines Substanzwertefonds bei Becker Capital Management, nahm die Aktie von Wal-Mart im Jahr 2006 herein, als sie „ziemlich günstig“ war, meint mit Blick auf den aktuellen Kurs jedoch, dass „wir sie weder als teuer noch als günstig ansehen“. Craig Hardy, Manager des Huntington Income Equity Fund, betrachtet das Papier als „wahrscheinlich fair bewertet“.

Beide Manager halten nach eigenen Aussagen noch immer an der Aktie fest, während Chris Trompeter von Tradition Capital Management einräumt, den größten Teil seines Bestands an Wal-Mart-Papieren im Mai verkauft zu haben.

„Uns gefällt vielleicht das Unternehmen, aber nicht unbedingt dessen Aktienkurs“, sagt Trompeter. „Das trifft auch im Moment zu. Wir benötigten das Geld für andere Aktien, von denen wir stärker überzeugt waren.“

Anleger bedienen sich verschiedener Methoden, um den „korrekten“ Wert einer Aktie zu ermitteln, wobei das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zu den Favoriten zählt. Mit einem KGV von 18 auf Basis der Gewinne der zurückliegenden zwölf Monate ist Wal-Marts Bewertung derzeit auf einem Dreijahreshoch und damit für viele wertorientierte Anleger bereits nahe der Schmerzgrenze. (Wal-Marts Konkurrent Target weist ein KGV von über 15 auf, während jenes von J.C. Penney unter 9 liegt.)

Der anderen Leid ist Wal-Marts Freud'

Al Meyers, Portfoliomanager von AMBS Investment Counsel, könnte mit Blick auf seine Investmentkriterien in Kürze zum Verkauf des Papiers gezwungen sein. „Entweder muss das Unternehmen mit [höheren] Gewinnen aufwarten oder es wird schwierig, das Halten der Aktie zu rechtfertigen“, so Meyers.

An der Wall Street spekulieren viele darauf, dass Wal-Mart weiterhin die Erwartungen übertreffen wird. Fast jeder ächzt unter der angespannten wirtschaftliche Lage und den hohen Benzinpreisen, darunter auch die meisten Einzelhändler und die amerikanischen Verbraucher.

Wal-Mart konnte jedoch von den harten Zeiten profitieren: Der anderen Leid ist Wal-Marts Freud'. Der Einzelhändler scheint die amerikanischen Verbraucher nicht nur mit seinen günstigen Preisen, sondern auch mit seinem breiten Warensortiment zu locken, das es den Kunden ermöglicht, Sprit zu sparen, indem sie anstelle mehrerer kleinerer Einkäufe in verschiedenen Geschäften einen Großeinkauf bei Wal-Mart tätigen.

„Die Verbraucher machen sich Sorgen und suchen nach Möglichkeiten, mehr Geld zu sparen“, sagt Lyn White, Portfoliomanagerin bei Christiana Bank & Trust. „Dies ist erst der Anfang der Kundenabwanderung von [Konkurrenten der gehobeneren Preisklasse wie] Target und Gap“, prophezeit White.

Rückenwind durch staatliches Konjunkturprogramm

Wal-Marts jüngste Verkaufszahlen sind bemerkenswert, insbesondere im Mai, als die Verbraucher begannen, ihre im Rahmen des staatlichen Konjunkturprogramms erhaltenen Schecks mit Steuerrückzahlungen zum Einkaufen zu nutzen. Die Mai-Umsätze auf vergleichbarer Fläche ohne Benzin stiegen gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 4,4 Prozent, womit sie Wal-Marts optimistischste Prognosen fast um das Doppelte übertrafen.

Jene, die wie White bullisch gegenüber der Wal-Markt-Aktie eingestellt sind, gehen davon aus, dass sich diese positiven Entwicklungen der Einzelhandelskette fortsetzen werden, insbesondere dann, wenn die Benzinpreise auf hohem Niveau bleiben und die Amerikaner infolge der schwachen Konjunktur um ihren Arbeitsplatz bangen. Doch aus Sicht der Anleger hat Wal-Mart auch andere Vorteile.

Huntington-Fondsmanager Hardy lobt Wal-Marts Kontinuität bei Gewinn- und Umsatzwachstum. In unsicheren Zeiten „ist Wal-Mart so zuverlässig wie ein Uhrwerk.“ Nach Meinung vieler Investoren habe Wal-Mart aus früheren Fehltritten gelernt. So wurde etwa das Filialwachstum in den Vereinigten Staaten verlangsamt - das zu rückläufigen Erträgen führte - und der Schwerpunkt auf das Wachstum im Ausland verlagert.

Einkaufsmacht und neue Genügsamkeit

In einer Zeit ernster Inflationssorgen erhält Wal-Mart durch seine Größe eine Einkaufsmacht, „sie sich als Vorteil gegenüber kleineren Einzelhändlern“ erweist, so White. Nachdem mehrere Versuche scheiterten, wohlhabendere Kundenschichten zu erschließen, etwa mit dem Verkauf von Sushi, besann sich das Unternehmen wieder auf das, was es am besten kann - den Verkauf von Gütern des Grundbedarfs zu niedrigen Preisen.

Der Höhenflug der Aktie ruft jedoch auch viele Zweifler auf den Plan. „Im Moment hat die Aktie den perfekten Kurs“, sagt Georges Yared von Yared Investment Research, und fügt an: „Jeder kleine Ausrutscher könnte den Aktienkurs erschüttern.“ Nach seiner Ansicht würden die amerikanischen Verbraucher den Wal-Mart-Filialen zwar gegenwärtig die Türen einrennen, dies „ist jedoch nicht nachhaltig“.

Sutherland zufolge komme „Genügsamkeit“ zwar in Mode, wovon Wal-Mart profitiere, diese Entwicklung sei „jedoch bereits im Kurs [der Aktie] eingepreist“, den er als „hoch“ bezeichnet.

Bleibt Buffett an Bord?

Hinzu kommt, dass Wal-Marts Konkurrenten früher oder später aufholen und mit Preissenkungen auf Kundenfang gehen werden, so Sutherland. Nach seiner Ansicht hätten die Wettbewerber auch dahingehend einen Vorteil, dass Wal-Mart „kein sonderlich angenehmes Einkaufserlebnis“ biete

Jahrzehntelang zählte Wal-Mart dank seines rasanten Filialwachstums zu den Favoriten wachstumsorientierter Anleger. Als sich dieses Wachstum in den Vereinigten Staaten jedoch verlangsamte, zogen sich viele Investoren aus der Aktie zurück, woraufhin die Kursentwicklung stagnierte, so Fondsmanager Becker. „Sie befand sich in einem Niemandsland zwischen Substanz- und Wachstumswert“.

Nachdem sich die Aktie verbilligt hatte, sorgte der Zustrom wertorientierter Anleger für anziehende Kurse. Die zentrale Frage ist jedoch, wie lange Buffett und andere wertorientierte Anleger trotz der gegenwärtig hohen Bewertung an ihren Wal-Mart-Aktienbeständen festhalten werden. Es besteht die Gefahr, dass die Unternehmensergebnisse schwächer ausfallen, Anleger in Scharen aus der Aktie flüchten und einen neuerlichen Dämmerzustand des Papiers herbeiführen werden.

Im Moment jedoch hat Wal-Mart das Momentum als wertvollen Verbündeten auf seiner Seite. Der jüngste Erfolg der Einzelhandelskette lässt die Aktie für Kurzfristanleger attraktiv werden, obwohl sie nach den meisten Bewertungsmaßstäben kein Schnäppchen mehr ist. Wertorientierte Anleger dürften indes ihre Brieftaschen geschlossen halten und abwarten, bis die Aktie nach einem Kursrutsch wieder verlockender geworden ist.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: BusinessWeek Online
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