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Konsumwerte Gebot für Reebok schickt Adidas-Aktie auf Berg- und Talfahrt

03.08.2005 ·  Nach leichten Kursverlusten reagiert die Aktie von Adidas mit deutlichen Kursgewinnen auf die Ankündigung der Absicht, den Konkurrent Reebok übernehmen zu wollen. Das Unternehmen konnte erste Bedenken über die Finanzierung zerstreuen.

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Mit Kursverlusten von bis zu vier Prozent reagierte am Mittwoch die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas zunächst auf die Mitteilung, den amerikanischen Konkurrenten Reebok für 3,1 Milliarden Euro kaufen zu wollen. Später drehte das Papier allerdings deutlich ins Plus und verbuchte am Mittag einen Kursgewinn von 6,6 Prozent auf 157,26 Euro.

Adidas werde alle ausstehenden Reebok-Aktien für 59 Dollar je Anteilsschein in bar erwerben, teilte das fränkische Unternehmen am Mittwoch mit. Das seien 34 Prozent mehr als der Schlußkurs der Reebok-Aktie am Dienstagabend. „Beide Unternehmen gehen davon aus, daß das Closing im ersten Halbjahr 2006 stattfinden wird“, hieß es weiter.

Analysten werten das Übernahmeangebot zunächst kritisch

Die frühe Kursentwicklung schien zunächst durch erste Analysteneinschätzungen bestätigt zu werden. Sie befürchteten, der Kurs könnte zunächst unter der Übernahme von Reebok leiden. Nach dem Inhalt der Ad-hoc-Mitteilung sei der Deal als Übernahme zu werten, so zwei Analysten übereinstimmend in ersten Reaktionen. Der Wettbewerber sei vergleichsweise teuer, die Übernahmeprämie sei hoch. Außerdem liefen einige Bereiche wie Foot Locker derzeit nicht besonders gut. Vermutlich müsse Adidas für die Finanzierung nun eine Kapitalerhöhung durchführen. Das führte zu einer Verwässerung der Gewinne.

Auf Basis des für Reebok gebotenen Preises liegt das Kursgewinnverhältnis der Aktie bei 18,5. Das ist tatsächlich nicht wenig für ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren eher mäßig gewachsen ist und dessen Gewinntrend nur leicht nach oben zeigt. Gleichzeitig war und ist Reebok bisher stark Amerika-lastig. Das mag zwar gut in das Portfolio von Adidas passen, allerdings läßt es sich fragen, ob der Zeitpunkt angesichts des heißlaufenden Konsums in Amerika der richtige Zeitpunkt für ein Geschäft dieser Art ist. Denn in der Tendenz können die Geschäfte in diesem Markt eigentlich nur schlechter als bisher werden.

Allerdings schien das Unternehmen im Laufe des Vormittags die Befürchtungen zerstreuen zu können. Das Geschäft mache keine Kapitalerhöhung notwendig, sondern es lasse sich fremdfinanzieren. Gleichzeitig sehe das Unternehmen nicht nur keine hohen Integrationskosten, sondern es werde zu Synergieffekten in Höhe von 125 Millionen Dollar kommen. Das hört sich gut an und dürfte Phantasie mancher Anleger und die Aktie nach anfänglichen Kursverlusten nach oben getrieben haben. Ob es gerechtfertigt ist, wird sich noch zeigen müssen.

Aktie hat keinen Schnäppchenstatus

Adidas hat allerdings gleichzeitig mit seinem Zweitquartalsergebnis die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der um Salomon bereinigte Umsatz habe um 8,2 Prozent auf 1,516 Milliarden Euro, das Nachsteuerergebnis des fortzuführenden Geschäfts um 33,3 Prozent auf 94 Millionen Euro gesteigert werden können, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Analysten hatten zuvor mit einem bereinigten Umsatz von 1,477 Milliarden Euro und einem Nachsteuerergebnis ohne Salomon von 87 Millionen Euro gerechnet. Die Sparte, die Ende September an die finnische Amer Sports Corporation verkauft werden soll, floß nur noch unterm Strich in das Ergebnis ein. Mit Salomon belief sich das Nachsteuerergebnis vor Minderheitsanteilen auf 67 Millionen Euro und nach Minderheitsanteilen auf 66 Millionen Euro. Die Konsensprognose der elf von Dow Jones Newswires befragten Analysten betrug beim Nachsteuerergebnis vor Minderheiten 62 Millionen Euro und nach Minderheiten bei 60 Millionen Euro.

War die Aktie von Adidas auf Basis der bisherigen Strategie und der Gewinnschätzungen mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 16,5 und 14 noch vergleichsweise vernünftig bewertet, so dürfte abzuwarten sein, wie gut die Übernahme von Reebok gemeistert wird und wie sie sich auswirkt. Sollten sich die erhofften positiven Effekte tatsächlich realisieren lassen, dürfte das Papier des „neuen Unternehmens“ in einem anhaltend freundlichen Umfeld trotz einer etwas ambitionierten Bewertung noch eine gewisse Kursphantasie haben. Vor allem auch mit Blick auf die im kommenden Jahr anstehende Fußballweltmeisterschaft und damit zusammenhängende Ertragschancen.

Allerdings dürften Absicherungsstrategien nicht schaden. Denn nicht immer bringen Fusionen und Übernahmen das, was man sich zuvor versprochen hat. Es gibt genügend warnende Beispiele.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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