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Konsumwerte Bier-Aktien steht eine Durststrecke bevor

 ·  Viele dachten, die Biernachfrage sei rezessionsresistent. Der Bierkonsum der Amerikaner aber ging zurück und nach den Viertquartalszahlen des Braukonzerns Molson Coors zu urteilen, dürfte sich die Nachfrage nicht allzu schnell erholen.

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Vielleicht ist es endlich an der Zeit, mit der Vorstellung aufzuräumen, dass Rezessionen gute Kaufgelegenheiten für Brauerei-Aktien bieten. Es wird oft behauptet, dass die Menschen selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gerne zur Bierflasche greifen. In Amerika mag dies vielleicht bei Großereignissen wie dem Super Bowl der Fall sein, jüngste Daten deuten jedoch auf einen sinkenden Bierkonsum der Amerikaner hin.

„Viele Leute dachten immer, dass die Biernachfrage rezessionsresistent sei“, sagt Craig Purser, Vorsitzender des amerikanischen Branchenverbands der Biergroßhändler. „Die Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache“. Die Aktie des kanadisch-amerikanischen Braukonzerns Molson Coors sank nach der Veröffentlichung durchwachsener Quartalszahlen am 9. Februar auf ihren niedrigsten Stand seit Mai 2009. Das Papier der britisch-südafrikanischen Brauerei SABMiller ist im bisherigen Jahresverlauf mit 10,7 Prozent im Minus und die Aktie der amerikanisch-belgisch-brasilianischen Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev hat seit Jahresbeginn 6,7 Prozent an Wert verloren.

„Amerikanische Bierbranche in deutlich schwächerer Verfassung als erwartet“

Peter Swinburn, Vorstandsvorsitzender von Molson Coors, bezeichnete den amerikanischen Biermarkt anlässlich der Vorlage der Zahlen zum vierten Quartal als den „härtesten der letzten Jahrzehnte“. Der ausgewiesene Gewinn je Aktie lag mit 1,02 Dollar acht Cent unter den Analystenschätzungen. Der weltweite Bierabsatz ging im Vorjahresvergleich um vier Prozent zurück, die Investoren zeigten sich jedoch vor allem von den Zahlen des Amerika-Geschäfts enttäuscht.

Molson Coors und SABMiller bündeln ihr jeweiliges Amerika-Geschäft in einem Gemeinschaftsunternehmen namens MillerCoors. „Die Viertquartalszahlen von MillerCoors sind Spiegelbild einer amerikanischen Bierbranche, die in deutlich schwächerer Verfassung ist als erwartet“, sagte Swinburn vor Analysten. Nach Angaben des nationalen Brauereiverbands sank der Bierabsatz im vergangenen Jahr (auf Basis von Daten der ersten elf Monate) um 2,1 Prozent. Nach einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts IBISWorld gingen die Umsatzerlöse der Brauereien im Jahr 2009 zudem um 2,7 Prozent zurück.

Größter Verlierer der Rezession waren die Importeure; das Importvolumen sank 2009 um 9,7 Prozent. Leidtragende seien auch amerikanische Premium-Biere, da die Verbraucher auf günstigere Marken umschwenkten und sich lieber ein Gläschen in den eigenen vier Wänden gönnten, als Bars oder Restaurants aufzusuchen, sagt Purser.

Kleinbrauereien verzeichnen Absatzplus von 12,4 Prozent

Als rezessionsresistentes Segment der Bierbranche erwies sich bislang einzig das der Kleinbrauereien („Craft Breweries“), deren geschmacksintensivere Biere zunehmend an Beliebtheit gewinnen. Nach Angaben von Nielsen Co. verzeichneten diese Klein- oder Mikrobrauereien im Jahr 2009 ein Absatzplus von 12,4 Prozent.

Kleine Brauereien profitierten davon, dass die wachsende Popularität ihrer Produkte die negativen Auswirkungen der Rezession abgemildert hätten, sagt Julia Herz vom Branchenverband der Kleinbrauereien. Die Kunden „wollen Geschmack und eine breite Auswahl“, sagt Herz. „Damit konnten die Kleinbrauereien ihren bevorzugten Status wahren und ein erschwinglicher Luxus bleiben.“

Nach Angaben von Nielsen Co. beträgt der Anteil von Kleinbrauereien am gesamten Biermarkt 5,8 Prozent. Der Löwenanteil des Bierabsatzes entfallt auf Anheuser-Busch InBev (Inhaber von Marken wie Budweiser und Bud Light) und auf das Gemeinschaftsunternehmen MillerCoors. Laut IBISWorld besaß Anheuser-Busch InBev in den Vereinigten Staaten 2009 einen Marktanteil (nach Absatzvolumen) von 49,9 Prozent, während MillerCoors auf 28 Prozent kam.

(Einige der großen Braukonzerne sind auch im Segment Kleinbrauereien präsent. In der ersten Jahreshälfte 2010 plant Molson Coors nach eigenen Angaben die Übernahme der 1984 in Vancouver gegründeten Brauerei Granville Island Brewing, die sich als Kanadas erste Mikrobrauerei bezeichnet.)

Preissenkungen bleiben trotz Rezession aus

Ein weiterer Grund für den gesunkenen Bierkonsum amerikanischer Verbraucher sind möglicherweise auch die trotz Rezession ausbleibenden Preissenkungen. Im Gegenteil: nach Daten von Nielsen Co. musste man 2009 für einen Bierkasten im Schnitt sogar 2,5 Prozent mehr berappen als ein Jahr zuvor.

Die Produktionskosten für Brauerein nähmen schon seit mehreren Jahren beständig zu, sagt George Van Horn, leitender Analyst bei IBISWorld. Hinzu komme, dass große Brauereien bestrebt seien, Preiskriege zu vermeiden, da es ihnen dadurch schwerer fallen würde, ihre durch die jüngsten Unternehmenskäufe entstandenen Schulden zurückzuzahlen, sagt er. Am 30. Juni beliefen sich die langfristigen Verbindlichkeiten von InBev auf 55,6 Milliarden Dollar, nachdem das Unternehmen im Zuge der Übernahme von Anheuser-Busch im November 2008 Fremdkapital in Höhe von 45 Milliarden Dollar aufgenommen hatte.

Einer der wenigen Lichtblicke für Brauereien kommt von Produktneuheiten, die das Interesse der Verbraucher wecken, etwa die Ausweitung des Sortiments an Spezialbieren oder neuen kalorienarmen Produkten. „Ich bin weiterhin überaus optimistisch, was künftige Produktinnovationen [der Bierbranche] anbelangt“, sagt Purser.

Während Ökonomen damit rechnen, dass die Rezession in den Vereinigten Staaten ausgestanden ist, legen die Äußerungen von Molson-Coors-Chef Swinburn vom 9. Februar nahe, dass beim Bierkonsum in nächster Zeit keine Erholung in Sicht sein dürfte. „Die allgemeine Verbrauchernchfrage ist nach wie vor verhalten, was sich nach unserer Einschätzung kurzfristig weiter belastend auf Absatzvolumen und Produktmix auswirken wird.“

Steverman ist Reporter für den Investing Channel der BusinessWeek.

Quelle: Business Week Online
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