18.03.2003 · Procter & Gamble will Wella kaufen. Der Kosmetik- und Haarpflegekonzern passt den Amerikanern zwar ideal ins Konzept - doch liegt der Kaufpreis höher als beabsichtigt. Die Aktie reagiert mit leichten Verlusten.
Nun ist es verkündet: Der amerikanische Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) kauft, vorbehaltlich kartellrechtlicher Erlaubnis, den deutschen Haarpflege- und Kosmetikkonzern Wella. Rund 6,5 Milliarden Euro oder 6,9 Milliarden Dollar will sich P & G dieses Geschäft kosten lassen, das die Übernahme der Wella-Schulden von 1,1 Milliarden Euro einschließt.
Anleger nehmen diese Nachricht am Dienstag vormittag verhalten auf: Während Wella-Aktien, vor allem Stämme, stark steigen und sich bei der Kursfindung an den gebotenen Preisen orientieren, gibt das Papier von Procter & Gamble leicht um 0,16 Prozent auf 79,73 Euro nach.
Kaufpreis höher als eigentlich beabsichtigt
P&G kauft nach eigenen Angaben 77,6 Prozent der Stammaktien, die von den Familien der Unternehmensgründer gehalten werden. Und zwar in bar. Außerdem will der Konzern den freien Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Inhaber der im MDax notierenden Vorzugsaktie sollen 61,50 Euro je Anteilsschein erhalten und Stammaktionäre 92,25 Euro - 22 Prozent, als beim Handelsschluss am Montag festgestellt. Wella-Aktionäre können sich freuen.
Dieser Preis mag jedoch Anlass für die Zurückhaltung sein, mit der die Börse auf die Akquisition reagiert hat. Denn Procter & Gamble hatte zuvor verlautbart, nicht mehr als 90 Euro je Stammaktie bezahlen zu wollen, um Wella nicht übermäßig zu bezahlen. Der annoncierte Übernahmepreis frisst den im vergangenen Jahr von P&G erzielten Nettogewinn von 4,12 Milliarden Euro, dem zuletzt die Marktkapitalisierung von Wella entsprochen hat, mehr als auf.
Analystin: Wella passt ideal zu P & G
So meint auch Silke Stegemann, Analystin bei der Landesbank Rheinland-Pfalz: „Der Kaufpreis liegt am oberen Ende der Skala und geht sogar noch etwas darüber hinaus.“ Doch sieht sie den Kauf strategisch so wie die P&G-Chefetage: Wella passe ideal zu dem amerikanischen Konzern, der im europäischen Friseur- und Kosmetikgeschäft expandieren wolle und mit L´Oreal konkurriere.
P&G, zuletzt auch an Beiersdorf interessiert, habe offenbar schon einiges bieten müssen, um Mitbewerber Henkel auszustechen, der erst vor wenigen Tagen sechs Prozent der Wella-Anteile übernommen und in kurzer Zeit damit gut verdient hat: „Diese Beteiligung hat sich sehr schnell vergoldet“, wird ein Händler von der Agentur vwd zitiert.
Zudem wird P&G auf Henkel zugehen müssen, falls der amerikanische Konzern einen „Squeeze out“ plant, also die freien Aktionäre zwangsabfinden will. Denn dazu braucht P&G 95 Prozent der Anteile an Wella. Dies kann, falls geplant, noch teuer werden.
Baldige Ergebnissteigerung erwartet
Nach Meinung von Unternehmensspitze und Marktteilnehmern sollte sich die Akquisition für Procter & Gamble gleichwohl bald auszahlen: Es wird erwartet, dass die Übernahme bereits vom ersten Jahr an ergebnisneutral ist. Vom zweiten Jahr an erwartet P & G ein leicht erhöhtes Ergebnis pro Aktie und im dritten eine deutliche Steigerung des Ergebnisses pro Aktie durch die Transaktion.
Wella befindet sich auf Wachstumskurs und hat nach vorläufigen Angaben im Jahr einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro erzielt. Diese Summe entspricht knapp neun Prozent des Umsatzes von Procter & Gamble.
Gewinnprognosen nach oben geschraubt
Die P&G-Aktie hat sich im amerikanischen Bärenmarkt vergleichsweise gut gehalten mit einem Verlust von lediglich fünf Prozent binnen Jahresfrist. Nach einem im Jahr 2000 verbuchten Einbruch macht die Aktie seitdem sogar mit den fittesten Eindruck unter den 30 im Dow Jones Industrial Average notierten Titel.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 21 ist sie aber gleichzeitig bereits recht hoch bewertet. Doch immerhin hat der Konzern erst am Montag seine Gewinnprognosen nach oben geschraubt und scheint damit das Vertrauen der Anleger erneut zu rechtfertigen. Ob der Titel aber weiter zulegen kann, hängt nicht nur vom Verlauf der Integration von Wella, sondern allgemein vom Konsumverhalten ab. Und das ist seit geraumer Zeit zurückhaltend.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |