In einem müden Umfeld zählt die Aktie des Konsumgüterkonzerns Henkel am Donnerstag zu den Tagesgewinnern. Die Notiz steigt um 1,05 Prozent auf 70,08 Euro. Der Grund: Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Henkel einen operativen Gewinn (Ebit) vor Sondereinflüssen von 800 Millionen Euro nach 710 Millionen Euro im Vorjahr gesteigert. Der Umsatz kletterte auch infolge von Zukäufen auf 10,592 Milliarden Euro, wie der durch Marken wie Persil oder Pritt bekannte Düsseldorfer Konzern mitteilte. Henkel hat mithin den Durchschnitt der Analystenprognosen übertroffen.
Dem Titel kommt auch die Absicht des Unternehmens zugute, die Dividende von 1,20 Euro auf 1,30 Euro je Vorzugsaktie anzuheben - und damit „überraschend deutlich“, wie das Analysehaus Independent Research in einem aktuellen Kommentar anmerkt. Auch andere Analysten äußerten sich wohlwollend. Zumal der Konzern recht zuversichtlich in die Zukunft schaut. Er strebt weiteres Wachszum aus eigener Kraft an. Allerdings will er auch 3.000 der 50.000 Arbeitsplätze abbauen, was man nicht gerade bejubeln muß.
Vor Zinsen und Steuern um 34 Millionen Euro besser als gedacht
Mit Sondereinflüssen konnte Henkel einen Gewinsprung verbuchen: Der Einmalertrag von 1,77 Milliarden Euro aus dem Tauschgeschäft mit Clorox bescherte Henkel ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,92 Milliarden Euro. Enthalten sind darin auch die Aufwendungen von 408 Millionen Euro für ein neues Sparprogramm, das unter anderem die Streichung von 3.000 Stellen vorsieht.
Unter dem Strich erzielte Henkel einen durch Sondereinflüsse gestiegenen Gewinn nach Fremdanteilen von 1,735 Milliarden Euro. Im vierten Quartal stieg das Ebit auf 225 Millionen Euro an. Henkel übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die vor den Einmalposten ein Ebit von 791 Millionen Euro für das Gesamtjahr und 215 Millionen Euro für das vierte Quartal erwartet hatten.
Auch die eigenen Jahresziele konnte Henkel erreichen. Das Unternehmen hatte zuletzt ein organisches Umsatzwachstum von über zwei Prozent vorausgesagt. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sollte ebenso wie das Ergebnis je Aktie im „mittleren Zehnprozentbereich“ zulegen.
Aktie bewegt sich noch deutlich unterhalb der Kursziele
2005 will Henkel ein organisches Umsatzwachstum bereinigt um Wechselkurseffekte von drei bis vier Prozent erzielen. Ohne Sondereinflüsse und Wechselkurseffekte soll das Ebit im „hohen Zehnprozentbereich“ steigen. Basis für diese Steigerung sei die Summe von einer Milliarde Euro, die Henkel im vergangenen Jahr vor Abschreibungen und Sondereinflüssen verdient hatte, sagte ein Sprecher.
Analystin Petra Meyer von Sal. Oppenheim sagte zu Reuters, die Kennziffern seien überzeugend ausgefallen. Vor allem bei Konsumgütern zeige sich eine Erholung. „Positiv ist der Geschäftsverlauf im Waschmittelgeschäft sowie die angekündigte Dividendenerhöhung", ergänzte Analystin Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz.
Beifall zollte auch Lutz Grüten von Kepler Equities. Er empfiehlt die Aktie von Henkel zum Kauf und hat das Kursziel ebenso wie Stegemann bei 78 Euro gesteckt. Independent Research hat das Kursziel hochgestuft und sieht das Papier nun bei 74,50 Euro als fair bezahlt an. Das Analysehaus rät Anlegern, den Titel zu akkumulieren, also letztlich zu kaufen, wenn auch nicht aggressiv.
Henkel etwas günstiger bewertet als Dax
Anleger hatten in den vergangenen Wochen offenbar schon mit ordentlichen Nachrichten aus dem Hause Henkel gerechnet und die Aktie hochgekauft. Die zeigt das Kursbild deutlich. Mitte Dezember ist der Titel aus dem seit April vergangenen Jahres ausgebildeten Abwärtstrend gelaufen und hat sich von diesem schrittweise entfernt. Sieht die Henkel-Vorzugsaktie auf Jahressicht mit einem mageren Plus von 4,1 Prozent noch etwas schlechter aus als der Dax, so ist sie dem Index im jüngsten Vierteljahr mit einem Kursgewinn von fast 17 Prozent deutlich vorausgeeilt. Auch in den vergangenen vier Wochen hat sie die Nase klar vorn: 8,4 Prozent zu knapp ein Prozent lautet die Bilanz.
Dabei ist Henkel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,6 etwas günstiger als der Index bewertet und billiger als im vergangenen Jahr, als der Titel auf ein KGV von 12,7 kam. Zudem ist Henkel gemessen an der Bewertung deutlich attraktiver als die - allerdings nur eingeschränkt vergleichbare - Beiersdorf (18,7/18,9). Auch der Trend spricht für das Papier. Zwar dürften der Kurs schon einige Vorschußlorbeeren widerspiegeln, der Titel aber nach der Reihe guter Nacrichten noch etwas Potential haben. Wenn er den Widerstand bei knapp 70 Euro nachhaltig überwindet, wäre das Zwölfmonatshoch bei 73 Euro die nächste Orientierungsmarke.