Heftig sind die Ausschläge, die der Aktienkurs des Herstellers von Heimwerkerbedarf und Gartenartikeln Einhell am Freitag vollzieht. Zunächst stürzte der Kurs um mehr als zehn Prozent in die Tiefe, nur um dann ebenso rasch die Verluste wieder aufzuholen.
Die Hintergrund des Kurssturzes sind eindeutig: Das Unternehmen veröffentlichte eine Pflichtmitteilung, wonach der Vorstand davon ausgeht, das für 2008 geplante Umsatzvolumen von 400 bis 420 Millionen Euro nicht erreicht zu können. Man erwartete im Geschäft mit Kompressoren bis zum Jahresende Umsatzeinbußen von rund 20 Millionen Euro, nachdem die EU entschieden hat, auf chinesische Kompressoren einen Antidumpingzoll von bis zu 77 Prozent zu erheben.
Margen schwächeln
Damit werde der Konzernumsatz voraussichtlich auf dem Niveau des Vorjahres von 386 Millionen Euro liegen. Vor Steuern erwartet Einhell eine Rendite von 5 bis 6 Prozent, was in etwa einem Gewinn von 19 bis 23,5 Millionen Euro entspräche. Das wären spürbar weniger als die 24,6 Millionen Euro des Jahres 2007.
Die Margenentwicklung wäre damit zum ersten Mal seit 2002 rückläufig. Anderseits entspricht es dem Niveau der Vorjahre und liegt im historischen Vergleich immer noch sehr hoch, lagen diese doch Ende der neunziger Jahre unter drei und auch in den Jahren davor unter vier Prozent.
Nichtsdestoweniger räumt Einhell ein, dass man sich in einer schwierigen Marktsituation im Inland und West-Europa befindet. Der Umsatz im ersten Halbjahr sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,5 Prozent auf 200,9 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit schrumpfte um knapp zehn Prozent auf 11,6 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie um 8,7 Prozent auf 2,10 Euro.
Bewertung bleibt niedrig
Die Tatsache, dass der Kurssturz Episode blieb, dürfte zum einen dem nicht übermäßig großen Handelsvolumen der börsennotierten Vorzugsaktien geschuldet sein. Zum anderen aber ist die Aktie zumindest auf den ersten Blick unterbewertet, notiert sie doch auf Basis der von der Berenberg Bank erst in der Vorwoche bestätigten Gewinnschätzungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 5,85 für das laufende und 5,4 für das kommende Jahr.
Zwar beruhen diese Schätzungen auf einem prognostizierten Umsatzvolumen für 2008 von 407 und einem Vorsteuergewinn von 26 Millionen Euro und lässt sich das KGV für 2008 anhand der . Unternehmensprognosen auf 6,5 taxieren. Das ist aber auch nicht teuer, allzumal die Marktkapitalisierung einschließlich der nicht gehandelten Stammaktien, die im wesentlichen von Aufsichtsratschef Josef Thannhuber kontrolliert werden, bei nur rund 100 Millionen Euro liegt.
Indes scheint beim Blick auf den Kursverlauf der Zauber aus der Aktie weitgehend gewichen zu sein. Mit der Gegenbewegung blieb zwar der Sturz auf ein neues 41-Monats-Tief aus, das zuletzt zu Wochenbeginn markiert wurde. Doch der Abwärtstrend seit dem Allzeithoch bei 60,30 Euro vom Februar 2007 hat unveränderten Bestand, daran ändert auch die kurzfristige Bodenbildungsphase nichts, da es deren im Zuge der Kursverluste bereits einige gegeben hat, die nicht hielten.
Die Kursreaktion ist aber insofern ein positives Zeichen, als damit der Kurs der schlechten Nachricht widersteht. Das erhöht die Hoffnung, dass es diesmal wirklich zu einer Bodenbildung kommt, noch bevor die starke Unterstützung bei 22,50 Euro aus dem Jahr 2004 getestet wird.