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Konjunktur Nur vereinzelte Parallelen zur Krise 1929

22.08.2001 ·  Eine dramatische Zuspitzung der Lage wie zur Weltwirtschaftskrise 1929 ist unwahrscheinlich. Dennoch sollten die Parallelen beachtet werden.

Von Amey Stone
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Die Entlassungen nehmen zu, die Aktienkurse fallen und die Zinssenkungen lassen bisher die erhofften Wirkungen vermissen. Man könnte also annehmen, dass die Wirtschaft Übles durchmacht, aber verglichen mit der Weltwirtschaftskrise ist das noch gar nichts.

1933 erreichte die Arbeitslosigkeit in den USA 25 Prozent. Heute sind es 4,5 Prozent. Die Produktion sank um 30 Prozent, heute geht es darum, ob das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um ein Prozent fällt. Vor fast 70 Jahren machten zudem über 9.000 Banken Bankrott, das Verbrauchervertrauen war zerstört und die Deflation tobte.

Unerforschtes Phänomen Weltwirtschaftskrise

Die tieferen Ursachen der Weltwirtschaftskrise sind noch immer unbeantwortet. Doch Ökonomen halten die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine solche Katastrophe wiederholen kann, für gering. Hauptsächlich weil die Finanzindustrie stärker reglementiert ist, die Banken besser kapitalisiert sind und die Versicherung der Bankeinlagen durch die US-Regierung gewährleistet wird.

Trotzdem können auch Besorgnis erregende Parallelen gezogen werden. So besagt die Konsensmeinung, dass sich die Wirtschaft kaum weiter abschwächen wird, bevor es demnächst wieder aufwärts geht. Angesichts dieser Selbstgefälligkeit sei angemerkt, dass es keine Garantien für eine wirtschaftliche Erholung gibt.

Einige Parallelen unverkennbar

Damals wie heute blieben die Verbraucher nach den Kursverlusten optimistisch. Erst als die Konjunkturerholung ausblieb, „hatten die Menschen den Eindruck, dass ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde“, schrieb einmal der Harvard-Ökonom Joseph Schumpeter. Auch jetzt mahnen Experten wie Robert Smith, President von Smith Affiliated Capital, Verbraucher wie Unternehmen zu mehr Vorsicht, da sich die Wirtschaftsentwicklung weiter verschlechtern könne. „Sie tun wenig, um sich zu schützen“, erläutert er.

Eine weitere indirekte Parallele besteht darin, dass in der Weltwirtschaftskrise normale Bürger ihr Geld horteten. Diesmal zeigen sich die Unternehmer wenig ausgabefreudig. Sie beschneiden die Aufwendungen für Werbung, High-Tech-Geräte und - was für die Gesamtwirtschaft am folgenreichsten ist - Löhne und Gehälter. Auch durch die bisherigen Zinssenkungen sind die Investitionsausgaben nicht gefördert worden.

Die Verbraucher müssen es richten

Damit bleibt alle Last bei den Verbrauchern. Sollten sie so lange konsumieren, bis sich die Unternehmensgewinne erholen, sollte die Wirtschaft einer Rezession entgehen können. Aber wenn die zunehmende Arbeitslosigkeit das Verbrauchervertrauen untergräbt, könnte sich die Konjunktur weiter verschlechtern.

Ein Problem stellt auch die enge Verknüpfung der Weltmärkte dar. Erstaunlicherweise waren die ersten drei Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts von einem ausgeprägten Handel der USA mit dem Rest der Welt gezeichnet. Doch dieses zunächst Goldene Zeitalter wurde abgelöst durch eine zunehmende Abschottung vieler Länder, als sich die konjunkturelle Lage verschlecherte. Auch jetzt sind wieder drei Wirtschaftsmotoren krank: Deutschland, Japan und die USA. Bekanntlich können aber auch Probleme im Ausland über die Währungsschiene die Situation in den USA verschlechtern.

Wachsamkeit ratsam

Dennoch halten Experten eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise für unwahrscheinlich. Wenn die Dinge aus den Fugen gerieten wie in den zwanziger Jahren, so würden Regulierungen und Strukturen wirksam werden, die die Folgen eindämmen und eine Katastrophe von ähnlichen Dimensionen verhindern würden. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Situation nicht verschlechtern könnte. Und die Parallelen haben Beachtung verdient. Für Investoren gilt es, vorsichtig und wachsam zu bleiben, bis die ersten Anzeichen einer Erholung zu erkennen sind.

Amey Stone ist Redakteurin bei BusinessWeek Online

Quelle: @jüb
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