Home
http://www.faz.net/-gv7-qdel
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konjunktur Amerikanische Firmen erholen sich - im Ausland

18.08.2009 ·  In Europa und China kommt die Wirtschaft allmählich wieder in Fahrt. Darum setzen Unternehmen nun auf das Geschäft außerhalb der Vereingiten Staaten, um die Gewinne wieder ins Lot zu bringen.

Von Ben Steverman
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Einige der besten Nachrichten für amerikanische Unternehmen und Anleger kommen aus dem Ausland. Daheim sind die Nachrichten weniger erfreulich. Im Juli zum Beispiel gaben die Umsätze des amerikanischen Einzelhandels 0,1 Prozent nach. Das ist nicht der Zuwachs, den viele Ökonomen erwartet hatten. Bei den bis über beide Ohren verschuldeten und von Arbeitsplatzängsten geplagten Amerikanern scheint das Geld alles andere als locker zu sitzen.

Dagegen kamen die guten Nachrichten aus dem Ausland von Orten, mit denen keiner gerechnet hatte. Ökonomen mutmaßten bereits, dass China und andere Schwellenländer sich in den vergangenen Monaten stark zeigen würden - und zwar dank der aggressiven Förderprogramme der chinesischen Regierung.

Während die meisten Volkswirtschaften von Weltrang schrumpften, wuchs Chinas Wirtschaft im letzten Quartal - wie auch die Volkswirtschaften von Singapur, Hongkong, Südkorea und Indonesien.

Am 13. August überraschten uns angenehme Nachrichten aus Europa. Sowohl Deutschland als auch Frankreich wiesen im zweiten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent aus, nachdem das deutsche Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 14,1 Prozent abrutschte und das französische BIP um 5,4 Prozent fiel. Auch hier könnten staatliche Anreize ihren Anteil beigetragen haben, da die europäischen Länder ihre eigenen Abwrackprämienprogramme haben.

„Die Daten lassen darauf schließen, dass die massiven steuer- und geldpolitischen Maßnahmen allmählich Wirkung zu zeigen beginnen“, meint Quincy Krosby, Marktstrategin bei Prudential Financial.

Anzeichen einer Erholung sind weltweit spürbar. Im Juli schuf die australische Wirtschaft 32.000 Jobs. Und es gibt Hinweise darauf, dass diese globale Aktivität den Vereinigten Staaten bei ihren Bemühungen hilft, sich aus dem Tal herauszuarbeiten. Laut einem Bericht vom 12. August stiegen die Exporte aus den Vereinigten Staaten im Juni um 2 Prozent.

Gute Exporte nach Asien

Der größte Nutzen erwächst aus Exporten an die wirtschaftlichen Hoffnungsträger China, Taiwan, Hongkong und Südkorea. Laut Yardeni Research haben die amerikanischen Warenexporte in diese vier Länder seit Februar einen Sprung um 19,1 Prozent nach oben vollzogen. Die Exporte in die übrigen Teile der Welt sind um 6,4 Prozent zurückgegangen.

Für Anleger in amerikanische Aktien ist der Zustand der Weltwirtschaft von Bedeutung, weil viele amerikanischen Firmen geschäftlich im Ausland aktiv sind. Etwa 40 Prozent der Umsatzerlöse der Unternehmen im breiten S&P 500-Index werden „weltweit generiert“, bemerkt Michelle Gibley, Leitende Marktanalystin bei Charles Schwab. Unternehmen in der Technologiebranche, im industriellen Sektor und in den zyklischen Sparten engagieren sich im Ausland am stärksten, während Firmen aus dem Gesundheitswesen und den Versorgungsdiensten vor allem in den Vereinigten Staaten aktiv sind.

Darum haben die Werte des Schwermaschinenherstellers Caterpillar seit dem 21. Juli um 35 Prozent zugelegt, als das Unternehmen seine Gewinne bekannt gab und Vorstandschef Jim Owens „Zeichen, insbesondere in China“ erkannte, „dass [die staatlichen Förderprogramme] zu greifen beginnen.“

Kraft Foods-Vorstandschef Irene Rosenfeld hob das Auslandsengagement ihres Unternehmens hervor, als sie am 4. August die Gewinne des zweiten Quartals bekannt gab. In Nordamerika und Europa legten Krafts „Kernmarken“ derzeit „im mittleren einstelligen Bereich zu“. Aber, so sagte sie Analysten, „in den Schwellenmärkten wachsen unsere Kernmarken weiterhin mit soliden zweistelligen Raten“.

Procter & Gamble verwies in seinem Ertragsbericht vom 5. August auf die Schwellenmärkte. „Die Chancen hier sind grenzenlos. 86 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Schwellenmärkten“, berichtete Chief Executive Robert McDonald Analysten. „Wir werden den prozentualen Anteil, den die Verkäufe auf diesen Märkten am Konzerngesamtumsatz ausmachen, gewaltig steigern“, fügte er hinzu.

Die Auslandsmärkte bieten diesen Unternehmen Wachstumschancen, die im von Bargeldknappheit geprägten Verbrauchersektor in den Vereinigten Staaten schwerer zu finden sind. Die chinesischen Verbraucher zum Beispiel sind große Sparer. „Sie brauchen darum keine Schulden abzutragen, wie wir das in den Vereinigten Staaten machen“, meint Gibley.

Hoffnung auf einen schwächeren Dollar

Seit kurzem aber haben die Versuche, diese Wachstumschancen zu verwerten, zu einem Problem geführt: nämlich einem stärkeren amerikanischen Dollar, der die Gewinne und Umsatzerlöse aus dem Ausland gewaltig schmälert.

Zum Beispiel gab Wal-Mart am 13. August bekannt, dass sein internationaler Umsatz im zweiten Quartal etwa 24 Milliarden Dollar betrug: 5,1 Prozent weniger als der Umsatz vom letzten Jahr nach Umrechnung in amerikanischen Dollar. Aber um Währungsschwankungen bereinigt, stiegen die internationalen Umsätze im vergangenen Jahr um 11,5 Prozent.

So hoffen nun viele auf einen schwächeren Dollar, durch den die Auslandsumsätze und -gewinne in den Erfolgsrechnungen von amerikanischen Firmen größer aussehen würden. Ein schwacher Dollar würde außerdem den amerikanischen Exporteuren helfen, weil sie ihre Produkte im Ausland preiswerter verkaufen könnten.

„Wenn wir uns von einer verbraucherorientierten Wirtschaft zu einer ausgeglicheneren Wirtschaft entwickeln wollen, so [brauchen die Vereinigten Staaten] eine Wiederbelebung ihres Fertigungssektors“, meint Bruce Bittles, Leitender Investmentstratege bei Robert W. Baird. „Der einzige Weg, der letztlich dazu führt, ist ein schwächerer Dollar.“

Die Finanzkrise bewirkte eine Stärkung des amerikanischen Dollar, weil die ängstliche Welt sich in den Schutz einer „Safe Harbor“-Währung zu retten suchte, meint Michele Gambera, Chefökonom bei Ibbotson Associates, einer Tochtergesellschaft von Morningstar. „Wenn die Panik weiter abebbt, so ist es wahrscheinlich, dass die Anleger ihren 'sicheren Hafen' verlassen und Dollar verkaufen.“ Doch, so warnt er, das Vorhersagen von Währungsbewegungen ist bekanntermaßen schwierig.

Einige bezweifeln, dass die Weltwirtschaft viel tun kann, was den amerikanischen Anlegern oder -Firmen nützt. Wenn es der französischen oder der deutschen Volkswirtschaft gut gehe, so seien die Hauptnutznießer die französischen und deutschen Unternehmen, argumentiert Marc Chandler, Chef für internationale Währungsstrategie bei Brown Brothers Harriman. Obgleich amerikanische Unternehmen im Ausland aktiv seien, „liegt das Problem darin, dass diese Unternehmen wie amerikanischen Unternehmen handeln“, meint er. Und: Die amerikanischen Wirtschaft sei zu groß, um bedeutende Hilfe aus dem Ausland zu erhalten.

Schließlich, so Keith Hembre, Chefökonom bei FAF Advisors, machten amerikanische Verbraucher etwa 70 Prozent der amerikanischen Gesamtwirtschaft aus. Somit sei es unwahrscheinlich, dass ein Anstieg der Exportzahlen ausreichen könnte, die sinkende Verbrauchernachfrage aufzufangen. Zwar mag eine sich erholende Weltwirtschaft nicht ausreichen, um automatisch eine Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft herbeizuführen. Doch ein positiver Faktor für amerikanische Anleger und Unternehmen ist sie allemal.

Die globale Erholung „ist noch ein zartes Pflänzchen“, meint Krosby. „Sie ist ein Prozess. Der vollzieht sich nicht über Nacht.“ Auch wenn die Daten von ein oder zwei Monaten sich ändern oder umkehren können: „Es geht in die richtige Richtung.“

Doch auch, wenn die Richtung klar zu sein scheint: Es ist das Tempo, um das sich die Anleger sorgen. Und wenn sich andere Länder mit schnellerem Tempo bewegen, so sind es wohl die amerikanischen Firmen mit globaler Präsenz, die den Nutzen davon haben werden.

Steverman ist Reporter für den Investing Channel der BusinessWeek.

Quelle:
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%