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Kommentar : Der Börsen-Chef lernt es nicht

Die Fusion der Deutschen Börse mit der Londoner Börse ist gescheitert. Börsen-Chef Kengeter sagt, er habe daraus gelernt. Aber davon merkt man nichts.

          Die Verantwortlichen der Deutschen Börse sind mit rund 85 Prozent von den Aktionären entlastet worden. Das ist kein Ruhmesblatt, aber auch keine Ohrfeige. Der Vorstandsvorsitzende Carsten Kengeter sagte, er habe aus der gescheiterten Fusion mit der Londoner Börse einiges gelernt. Zu merken war davon indes nichts.

          Den rechtlichen Beratern – alleine die Kanzlei Linklaters kassierte 33,4 Millionen Euro – attestierte er ebenso hervorragende Arbeit wie den diversen Kommunikationsberatern von Hering Schuppener über CNC bis FTI. Das kann man mutig nennen – oder ein mangelndes Gespür für die Situation attestieren.

          Es spricht viel für die zweite Variante. Der Ruf der Börse hat in der Öffentlichkeit stark gelitten, und auch um den von Kengeter ist es nicht gut bestellt. Wäre es ohne die Kommunikatoren noch schlimmer? Oder was war deren hervorragende Arbeit?

          Die Juristen haben einen Fusionsvertrag aufgesetzt, der für den Fall des Brexit-Votums eine lahme Ente namens Referendumsausschuss vorsah. Eine komplett wirkungslose Veranstaltung. Sieht so ein hervorragender Vertrag aus? Die Multimillionenvergütung für Kengeter ist für das Ausnahmetalent angemessen? Die Insidervorwürfe sind haltlos, am Fusionsscheitern sind andere schuld? Selbstkritik gab es auf der Hauptversammlung Null. Weniger Gespür für die Dinge geht kaum.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

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