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Kein Ende in Sicht Finanzkrise kostet Anleger weitere Nerven

05.06.2008 ·  Eine Reihe schlechter Nachrichten hat die Finanzkrise wieder in den Fokus der Anleger gerückt. Vor allem die Spekulationen über eine mögliche Schieflage der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers sorgen für Nervosität.

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Die Kredit- und Bankenkrise schien schon weitgehend ausgestanden, doch seit ein paar Tagen prägt sie wieder das Geschehen an den Finanzmärkten. Spekulationen über eine mögliche Schieflage der großen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers sorgten auch zur Wochenmitte für Nervosität. In die gleiche Richtung wirkten Aussagen mehrerer großer Banken, dass die Krise noch nicht ausgestanden sei. An den Aktienbörsen belasteten zudem Befürchtungen, dass das Wirtschaftswachstum in wichtigen Ländern in nächster Zeit abkühlen wird.

Nach einer Studie der amerikanischen Großbank JP Morgan kommen auf europäische Banken in diesem Jahr weitere Wertberichtigungen vor Steuern in Höhe von 9,5 Milliarden Euro zu, dabei allein auf die Deutsche Bank in Höhe von 3,6 Milliarden Euro. Auch Anshu Jain, einer der beiden Leiter des Investmentbankings der Deutschen Bank, äußerte am Mittwoch auf einer Anlegerkonferenz in Frankfurt die Einschätzung, dass die Krise noch nicht ausgestanden sei. Die Aktie der Deutschen Bank verlor bis zum Nachmittag 1,1 Prozent, die Papiere der Commerzbank gaben sogar mehr als 3 Prozent ab. Der Euro Stoxx 50, der Leitindex für die Aktienmärkte des Euro-Raums, verlor 1,5 Prozent. In Wall Street lagen die Aktienkurse nach den Einbußen am Tag zuvor zunächst etwas höher.

Häuserpreise könnten nochmals fallen

Jain von der Deutschen Bank wies darauf hin, dass in den Bilanzen der Investmentbanken weiterhin hohe Hypotheken-Risiken schlummerten. Die größten neun Investmentbanken der Welt hätten zusammen noch 40 Milliarden Euro an Hypothekenkrediten für Schuldner mittlerer Bonität (“Alt-A“) in den Büchern. Das vergleicht sich mit 17 Milliarden Euro an schlecht besicherten Hypothekenkrediten (“Subprime“), die seit dem Sommer vergangenen Jahres für Milliardenabschreibungen der Banken gesorgt haben.

Mit dem zunehmenden Preisverfall auf dem amerikanischen Häusermarkt sind seit Jahresbeginn auch die Ausfallraten für mittelklassige Kredite gestiegen. Die Deutsche Bank musste daher im ersten Quartal einen nicht genannten Betrag auf ihre Alt-A-Kredite abschreiben. Jain rechnet damit, dass die amerikanischen Häuserpreise nochmals um 13 Prozent fallen könnten. Ähnliche Schwierigkeiten sagen Fachleute dem Markt für Gewerbedarlehen voraus; die Risikoaufschläge für einige dieser Großkredite sind zuletzt wieder gestiegen.

Aktienkurs um 18 Prozent eingebrochen

Auch die Lage für die von Finanzinvestoren mit viel Schulden gekauften Unternehmen ist heikel: Nach einer Untersuchung der Ratingagentur Standard & Poor's ist das Risiko eines Kreditausfalls für die von Beteiligungsfonds erworbenen europäischen Firmen enorm gestiegen. Denn diese Unternehmen haben immer weniger Liquiditätspuffer, um ihre hohen Schulden zu bedienen. Nach Zahlen der Ratingagentur sind die verfügbaren Mittel im ersten Quartal im Durchschnitt auf das 2,2-fache der Schulden geschrumpft - im vergangenen Jahr betrug des Verhältnis noch 2,5 und vor fünf Jahren war es das Vierfache der Schulden.

An der Wall Street steht seit einigen Tagen die viertgrößte Investmentbank Lehman Brothers im Mittelpunkt von Gerüchten. Seit die bisherige Nummer fünf der Branche, Bear Stearns, Mitte März in Liquiditätsschwierigkeiten geraten und für einen Schleuderpreis an die Großbank J.P. Morgan Chase verkauft worden ist, wird am Markt spekuliert, dass Lehman ein ähnliches Schicksal drohen könnte. Am Montag und Dienstag war der Aktienkurs der Investmentbank, die stark im Geschäft mit verbrieften Hypotheken engagiert war, um insgesamt 18 Prozent eingebrochen, am Mittwoch gab der Kurs zunächst um weitere 2 Prozent nach.

Liquiditätsengpass vermeiden

Analysten prognostizieren Lehman einen Verlust im zweiten Quartal. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge erwägt Lehman deswegen, mit der Emission von Aktien 4 Milliarden Dollar aufzunehmen, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Lehman soll bereits ausländische Investoren kontaktiert haben. Für Druck auf den Aktienkurs sorgten zudem Gerüchte, dass Lehman sich bei der Notenbank Fed refinanziert hat, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden. Die Bank, die über 40 Milliarden Dollar liquide Mittel verfügt, dementierte dieses Gerücht allerdings. Für eine Erholung der Kurse von zwischenzeitlich noch stärkeren Verlusten sorgte die Nachricht, dass Lehman eigene Aktien zurückgekauft hat.

Laut Analysten der Citigroup könnten neue Bilanzierungsregeln die amerikanischen Banken zwingen, Zweckgesellschaften im Gesamtvolumen von 5000 Milliarden Dollar auf die eigenen Bilanzen zu nehmen - was zu zusätzlichem Bedarf an Eigenkapital sowie einer restriktiveren Kreditvergabe führen könnte.

Auch nach Einschätzung des japanischen Finanzministers Fukushiro Nukaga ist die Finanzmarktkrise noch nicht ausgestanden. „Es ist zu früh, um zu sagen, dass das Durcheinander an den Finanzmärkten zu einem Ende kommt“, sagte Nukaga in Tokio vor Journalisten. Die Eigenheimpreise in den Vereinigten Staaten fielen immer noch, ebenso wie die Preise für verbriefte Wertpapiere.

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