Es ist eine Sitzung, die die deutsche Finanzwelt gründlich durcheinanderwirbeln wird: Anfang September tritt der Arbeitskreis Aktienindizes der Börse zusammen. Ein unbekanntes Fachgremium zwar, aber eines, das über die Zusammensetzung des wichtigsten deutschen Aktienbarometers entscheidet - des Dax.
Es wird Aufsteiger und Absteiger geben, Gewinner und Verlierer. Schon jetzt ist die Spekulation in vollem Gang: Continental werde es sicher schaffen, raunen viele Experten - es wäre nach dem Rausschmiss im Jahr 2008 die Rückkehr des Reifenherstellers in den Dax. Große Chancen darf sich auch Chemiespezialist Lanxess ausrechnen. Das Unternehmen ist der zweite heiße Aufstiegskandidat. Weichen müssen dagegen wohl der Handelskonzern Metro und Lastwagenbauer MAN.
Kurse möglicher Dax-Aufsteiger legen üblicherweise stark zu
Zwar ist keine dieser Veränderungen bislang völlig sicher. Dennoch bieten gerade die Wochen vor der Entscheidung für Anleger einen besonderen Reiz. Studien zeigen: Die Kurse möglicher Dax-Aufsteiger legen dann üblicherweise stark zu, die Kurse potentieller Absteiger hingegen sinken vergleichsweise kräftig. „Derzeit ist der richtige Moment, um auf solche Veränderungen zu setzen“, sagt Silke Schlünsen, Indexspezialistin der Close Brothers Seydler Bank.
Denn im Wesentlichen bestimmen zwei Kriterien, ob ein Unternehmen in den Dax aufsteigt oder nicht. Zum einen die sogenannte Marktkapitalisierung - also die Zahl der Aktien im Streubesitz multipliziert mit dem Aktienkurs. Und zum anderen der Börsenumsatz: Er zeigt an, wie rege die Anleger das Papier einer Firma handeln. Gehört ein Unternehmen bei beiden Kriterien in den Wochen vor dem Stichtag 31. August zu den 30 größten deutschen Aktiengesellschaften, ist ihm der Aufstieg in den Dax so gut wie sicher.
Spannung bis zum Schluss
Da Aktienkurse aber nun einmal schwanken, herrscht Spannung bis zum Schluss: Gerade bei Lanxess halten viele Fachleute den Aufstieg noch längst nicht für ausgemacht. Bei der Aktie des Chemiekonzerns könnte sich darum die kurzfristige Spekulation für Anleger besonders lohnen.
Eine Auswertung der Landesbank Baden-Württemberg für die vergangenen acht Jahre zeigt: Gerade in dieser Phase der Unsicherheit erzielten spätere Aufsteiger klare Überrenditen verglichen mit der Entwicklung des zweitwichtigsten Börsenbarometers M-Dax. Dort sind die Dax-Neulinge zuvor oft Mitglied.
Auf einen Kursschub können sogar spätentschlossene Anleger noch hoffen: Stehen die neuen Dax-Firmen nämlich fest, müssen auch viele Indexfonds (ETFs) deren Aktien kaufen - schließlich zeichnen sie die Bewegung des Dax vollständig nach. Dadurch erzielen die Aufsteiger in der Regel ein weiteres Kursplus.
Nur auf neue Dax-Werte mit langfristigen Wachstumsaussichten setzen
Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht. Darum sollten Anleger nur auf neue Dax-Werte setzen, die auch auf längere Sicht Zuwächse versprechen. Bei Continental und Lanxess ist für die meisten Analysten klar: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch. Der Reifenhersteller Conti hat seine Schuldenlast reduziert und seinen Umsatz gesteigert. Zudem hat er das lukrative Geschäft mit Autoelektronik zu einer wichtigen Sparte ausgebaut.
Chemiespezialist Lanxess präsentierte zuletzt ebenfalls gute Zahlen. Die Firma stellt Kautschuk her, der bei der Produktion von Reifen eine wichtige Rolle spielt. Sowohl Lanxess als auch Continental haben jedoch eine gemeinsame Schwäche: Beide sind stark von der Autoindustrie abhängig. Verkauft die weniger Fahrzeuge, trifft dies die Dax-Kandidaten stark.
Dass längst nicht jeder Neuling zum völlig sicheren Investment taugt, zeigt das Beispiel von TAG Immobilien.
Die Wohnungsfirma wird voraussichtlich in den M-Dax aufsteigen, auch der bekommt im September neue Mitglieder. Das Risiko eines Aktienkaufs ist hier aber hoch: Das Unternehmen versucht, durch aggressive Zukäufe zu wachsen. Analysten haben Zweifel, dass die Strategie aufgeht.