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Neuer K+S-Chef im Interview : „Die K+S-Aktie ist das Doppelte wert“

  • Aktualisiert am

Das Kali- und Salz-Gebirge: Die K+S-Abraumhalde im hessischen Philippsthal Bild: dpa

Burkhard Lohr, neuer Chef von K+S, über Ehrgeiz an der Börse und die Liebe zu Bergbau wie Borussia Dortmund.

          Herr Lohr, seit Freitag sind Sie Chef von K+S, wird dort jetzt alles anders?

          Das wäre erstaunlich, da ich mich schon fünf Jahre als Finanzvorstand hier eingebracht habe. Aber die Welt ist in Bewegung. Die neue Führung im Konzern wird das analysieren und mit einer langfristigen Strategie antworten.

          Wird die so revolutionär wie bei Bayer, wo der neue Konzernchef voriges Jahr gleich mit der Monsanto-Übernahme um die Ecke kam?

          Eine größere Übernahme schließe ich für die nächsten zwei bis drei Jahre aus, um zunächst unsere Verschuldung herunterzufahren. Wir haben eben erst in Kanada mit dem Legacy-Projekt eine milliardenteure neue Anlage eröffnet. Aber wir werden Wachstumschancen identifizieren und ein Gesicht des Konzerns für das Jahr 2030 entwerfen.

          Das Ziel muss der rasche Wiederaufstieg in den Dax sein.

          Das ist kein Wert an sich. Außerdem haben wir im M-Dax keine Nachteile, etwa hinsichtlich der Finanzierungsbedingungen oder Ähnliches.

          Die öffentliche Aufmerksamkeit zumindest wäre höher.

          Nur unwesentlich.

          Und Sie gewinnen Investoren, die auf den Dax abonniert sind.

          Ein paar sind raus, als wir vergangenes Jahr vom Dax in den M-Dax gekommen sind, richtig. Dafür sind andere rein. Alles nicht dramatisch. Deswegen werden wir unser Tun nicht danach ausrichten, wieder in den Dax aufgenommen zu werden.

          Wenn Sie den Börsenwert steigern wollen – was Ihr Auftrag ist als Vorstand –, ergibt sich das mehr oder weniger von allein.

          Das ist richtig. Die Steigerung der Marktkapitalisierung, also des Vermögens unserer Aktionäre, steht weit oben auf unserer Liste.

          Vor zwei Jahren haben Sie die Milliarden-Übernahme durch den Konkurrenten Potash abgewehrt: K+S sei viel mehr wert als die gebotenen 41 Euro je Aktie, war das Argument.

          Das haben wir nicht vergessen, der Satz gilt heute noch.

          Die Aktie notiert aber nur knapp über 20 Euro: War es trotzdem richtig, hart zu bleiben in der Schlacht?

          Ja, unbedingt. Die Übernahme war nicht im Interesse unserer Stakeholder, vor allem der Eigentümer und Mitarbeiter. Dahinter stand ein Szenario, so wie von Potash Corp im Nachhinein bestätigt, dass Arbeitsplätze gekostet, aber vor allem für die Aktionäre nicht zwingend Wert geschaffen hätte. Potash Corp hat nie ein Angebot an die Aktionäre vorgelegt und sich nach der Eintrübung der Märkte recht schnell von seinen Plänen verabschiedet.

          41 Euro je Aktie sind eindeutig besser als die aktuellen 23 Euro – darunter leiden Ihre Eigentümer.

          Wir wollen den Kurs nachhaltig steigern. Und das werden wir auch. Wir arbeiten hart dafür zu beweisen, dass der Konzern mehr wert ist. Allein unser Salzgeschäft hat das Ziel, bis zum Jahr 2020 einen Gewinn (Ebitda) von mehr als 400 Millionen Euro zu erreichen. Allein daraus errechnet sich ein Gegenwert so hoch wie der gesamte Börsenwert von K+S im Moment.

          Das heißt: Die 41 Euro sind zu schaffen?

          Die Summe der Einzelteile ergibt in jedem Fall einen Kurs jenseits von dem, den Potash Corp 2015 zahlen wollte. Tatsache ist: Der Wert unseres Salzgeschäfts findet sich im Börsenwert nicht wieder.

          Was haben Analysten und Investoren gegen das Salz?

          Da gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Meine These ist: Wir werden von der Börse als Kali-Titel gesehen. Jedes Gerücht im Kalimarkt ändert unseren Kurs. Die guten Nachrichten aus dem Salzgeschäft dagegen verpuffen.

          Wie ist das Verhältnis der beiden Bereiche im Konzern?

          Vom Umsatz her sind sie in etwa gleich groß. Zum Gewinn trägt in einem Normaljahr Kali zwei Drittel bei, Salz ein Drittel.

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