30.12.2008 · Das Jahr 2008 ist zwar noch nicht ganz abgeschlossen. Mit Kursverlusten von bis zu 97 Prozent in einzelnen lokalen Aktienmärkten gehörte es jedoch zu den schlechtesten überhaupt. Selektive Einzelwerte widersetzen sich dem schwachen Umfeld.
Das Jahr 2008 ist zwar noch nicht ganz abgeschlossen. Mit Kursverlusten von bis zu 97 Prozent in einzelnen lokalen Aktienmärkten gehörte es jedoch zu den schlechtesten Jahren, die sich Aktienanleger überhaupt vorstellen können.
Der Supergau dieser Art zeigte sich in Island. Das Land hatte sich bis Mitte des vergangenen Jahres zunächst im Kredit getriebenen Scheinboom gesonnt.
Kreditboom wird nicht nur in Island zum Bumerang
Dann zeigten sich im Rahmen der plötzlich und radikal durchschlagenden Kreditkrise die Schattenseiten einer unhaltbar starken Verschuldung: Die zuvor boomende Börse des Landes brach zusammen, die Währung verlor dramatisch an Wert und ist kaum noch handelbar, die Realwirtschaft liegt aufgrund der schlechten Bonität der Banken, der Konsumenten und auch des Staates am Boden.
Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im dritten Quartal um 3,4 Prozent, die Inflationsrate lag im Dezember bei 18,1 Prozent, das Leistungsbilanzdefizit lag im dritten Quartal bei 109 Milliarden Kronen in Landeswährung oder bei 18 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und alleine Ende des Jahres 2007 beliefen sich die Schulden der inzwischen verstaatlichten drei Großbanken des Landes das Zehnfache des Sozialprodukts des gesamten Landes. Ein großer Teil der aufgenommenen Mittel kam aus dem Ausland. Schon Ende 2006 hatte die Verhältnisse privater Schulden zum verfügbaren Einkommen und die der Auslandsschulden zum Sozialprodukt 240 Prozent betragen.
Diese Entwicklung ist im wesentlichen auf eine fehlgeleitete und schlecht implementierte Liberalisierung zurückzuführen, die erzielbare Erträge nicht ins richtige Verhältnis zu den damit verbundenen Risiken brachte. Eine ähnliche Entwicklung war nach dem Fall des Eisernen Vorhanges in Mittel- und Osteuropa zu beobachten. Dort sind die Verhältnisse in den baltischen Republiken, aber auch in Staaten wie der Ukraine, Bulgarien oder auch auf dem Balkan aus dem Ruder gelaufen. Selbst in Russland wurde die schwache Wirtschaftsstruktur lange Zeit vom Preisboom im Energiebereich überdeckt. Die durch die Wirtschaftskrise ausgelöste Korrektur legte die Schwächen offen und ließ die Währungsreserven des Landes rasch dahin schmelzen.
So wird es kaum verwundern, dass die Börsen dieser Regionen in den vergangenen Monaten zu den schwächsten weltweit gehörten, nachdem sie zuvor lange scheinbar unhaltbar nach oben gelaufen waren. Die geringsten Kursgewinne aus europäischer Sicht waren in Nischenmärkten wie in Tunis, Venezuela, Slowakien oder auch in Japan zu verzeichnen. Während die erst genannten Märkte aufgrund ihrer Enge oder wegen der besonderen politischen Rahmenbedingungen - unberechenbare Quasi-Dikatur in Venezuela - sowieso nur für risikofreundliche Anleger in Frage kommen, konnten Europäer in Japan zumindest von Währungseffekten profitieren. Da der Yen in den vergangenen Monaten einen Teil seiner Unterbewertung gegen den Euro aufholte, beträgt das Minus des Nikkei in Euro „nur“ 26 Prozent, während der Index in lokaler Währung im Jahr 2008 42 Prozent nachgab.
Selektive Branchen und Einzelwerte widersetzen sich dem schwachen Umfeld
Auf Branchenebene ließen sich sogar Kursgewinne verbuchen. So legte der Topix Pulp & Paper Index, der Tpix Electric Power & Gas Index, der Topix Air Transportation Index und der Topix Land Transportation Index in Euro zwischen 6,5 und 28,3 Prozent zu. In Europa entwickelten sich Pharma-, Nahrungsmittel- und Gesundheitswerte vergleichsweise robust. Einzelne Titel wie AstraZeneca, Actelion, Schwarz Pharma oder auch GlaxoSmithKline brachten auf Jahressicht sogar positive Erträge ein.
Selbst in den Vereinigten Staaten trotzen einige Branchen der wirtschaftlichen Schwäche. Dazu zählen einzelne Brauerei-, Konsum-, Schul- und Biotechnologiewerte wie die Molson Coors Brewing Company, H&R Block, die Apollo Group, Amgen, Celgene, Gilead Sciences und Cephalon sowie die Papiere des Discounters Wal-Mart.
Das zeigt, dass Anleger mit der geschickten Wahl einzelner Werte den Markt auch in einem anspruchsvollen und schwierigen Umfeld schlagen können. Ähnliches ist auch für das Jahr 2009 absehbar. Aus technischen Gründen ist eine technische Erholung der Börsen möglich. Allerdings bleibt das konjunkturelle Umfeld schwierig. Aus diesem Grund sind wohl nur die Papiere jener Unternehmen interessant, die kaum verschuldet sind und deren Produkte auch in einem schwierigen Umfeld gefragt sind. Dazu gehören die Hersteller und kompetitiven Händler der Güter des täglichen Bedarfs.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,94 $ | −0,09% |
| Gold | 1.713,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |