http://www.faz.net/-gv6-8on4c

Italienische Krisenbank : Börse verliert Glauben an Monte dei Paschi

Die drittgrößte italienische Bank Monte dei Paschi hat nur noch für vier Monate flüssige Mittel. Auf die Nachricht reagierten die Anleger panisch. Bild: dpa

Italiens drittgrößte Bank hat nur noch für wenige Monate flüssige Mittel. Der Aktienkurs bricht ein. Die Parlamente in Rom stimmen schon einmal der Staatshilfe zu.

          Der Zustand der drittgrößten italienischen Bank Monte dei Paschi wird immer bedrohlicher. Ihre Liquidität von 10,6 Milliarden Euro (Stand: 16. Dezember) sei nur noch für vier Monate ausreichend, teilte die älteste Bank der Welt am Mittwoch in Siena mit. Bislang hatte es geheißen, Monte dei Paschi habe genügend flüssiges Geld, um den Bankbetrieb elf Monate lang aufrechtzuerhalten. Anleger reagierten auf diese Nachricht am Mittwoch mit panikartigen Verkäufen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Aktienkurs von Monte dei Paschi rutschte an der Mailänder Börse zunächst um 18 Prozent. Erstmals seit dem Börsengang im Jahr 1999 kostete die Aktie weniger als 16 Euro. Dann wurde der Aktienhandel in Mailand mit dieser Aktie gegen 11 Uhr vorübergehend eingestellt. Wenig später stimmte eine Mehrheit in beiden Parlamentskammern in Rom dafür, 20 Milliarden Euro an Staatshilfen für kriselnde Banken bereitzustellen.

          Schlechtestes Ergebnis beim Stresstest

          Daraufhin stieg der Aktienkurs Monte dei Paschis sprunghaft an. Am Nachmittag schwankte er heftig zwischen 16,50 und 18,50 Euro. Am Ende schloss die Aktie bei 16,90 Euro  Damit ist die 25.000 Mitarbeiter beschäftigende Bank an der Börse nur noch 500 Millionen Euro wert. Zum Vergleich: Die bei Anlegern auch nicht gerade besonders beliebte Deutsche Bank bringt es auf 25, die Commerzbank auf 10 Milliarden Euro Börsenwert.

          Bild: F.A.Z.

          Monte dei Paschi hatte beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht 2014 und 2016 unter rund 130 Banken am schlechtesten abgeschnitten. Mit Veröffentlichung der jüngsten Tests der Aufsicht über die Widerstandsfähigkeit europäischer Banken im Juli dieses Jahres hatte der Vorstand ein Rettungspaket bekanntgegeben. Es sieht unter anderem eine Eigenkapitalerhöhung um 5 Milliarden Euro vor. Denn die Europäische Bankenaufsicht drängt die Bank, ihre 27 Milliarden Euro an ausfallgefährdeten Krediten loszuwerden. Falls Monte dei Paschi (MPS) diese Kredite, wie gewünscht, verkauft, müsste die Bank vermutlich mehr Verluste hinnehmen als die 10 Milliarden Euro, mit denen sie schon für diesen Fall vorgesorgt hat.

          BCA MONTE D.PASCHI

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Deshalb braucht die Bank mehr Eigenkapital, das zur Verlustabdeckung herangezogen werden kann. Doch die Kapitalerhöhung lässt seit Sommer auf sich warten. Anfang Dezember stellte Monte dei Paschi den Antrag, die Frist für die Kapitalerhöhung bis 20. Januar zu verlängern. Dies lehnte die EU-Kommission ab. Die Kapitalerhöhung müsse bis Ende des Jahres vollzogen sein.

          Jetzt noch vor Weihnachten neue Investoren zu gewinnen erweist sich indes als mühsam. Mit einem Anleihen-Tauschprogramm hatte die Bank bis Dienstag rund 500 Millionen Euro eingenommen. Italienische Medien schätzten am Mittwoch, dass in den nächsten Tagen höchstens insgesamt 1 Milliarde Euro durch den Anleihetausch zustande kommen.

          Italien : Krisen-Bank warnt vor Milliardenrisiken

          Staatliche Hilfen stehen bereit

          Damit braucht MPS weitere 4 Milliarden Euro. Es gilt als höchst fraglich, dass diese Gelder durch den Verkauf neuer Aktien an private Investoren zusammenkommen. Monte dei Paschi setzt dem Vernehmen nach auf 1 Milliarde Euro allein vom Staatsfonds von Qatar, der sich auch bei der Deutschen Bank und der Credit Suisse engagiert hat. Allerdings gilt als unsicher, ob sich Qatar zu einer solchen Investition durchringen könnte. Deshalb hat die italienische Regierung 20 Milliarden Euro an Staatshilfen bereit gestellt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Die EU und ihr hohes Ross

          Bei einem „harten“ Brexit verlieren alle – deshalb sollte das starke Brüssel auf das geschwächte London zugehen. Nur so lässt sich ein Showdown im Herbst vermeiden. Ein Kommentar.

          Zukunft der Kanzlerin : Die zweite CDU-Reihe macht gegen Merkel mobil

          In der Union regt sich Widerstand gegen die Kanzlerin: Ein Ministerpräsident will über mögliche Merkel-Nachfolger debattieren, ein Innenminister erklärt die mögliche Jamaika-Koalition zum Sicherheitsrisiko. CDU-Generalsekretär Tauber versucht zu schlichten.
          Demo am spanischen Nationalfeiertag (12. Oktober) in Barcelona

          Krise in Spanien : Operation am offenen Herzen

          An diesem Donnerstag droht Katalonien die Entmachtung durch die Zentralregierung in Madrid. Doch das birgt große Risiken. Ein Kommentar.
          Sandra Maischberger diskutiert am Mittwochabend mit ihren Gästen über die Notwendigkeit eines Einwanderungsgesetzes.

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Wenn Konfusion zur Methode wird

          Das Bild im Studio zeigt einen Flüchtlingstreck aus dem Jahr 2015 – musikalisch untermalt von der düsteren Melodie der amerikanischen Serie „House of Cards“. Die Sendung von Sandra Maischberger zum Thema „Einwanderungsgesetz“ stiftet große Verwirrung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.