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IT Krise der Gesundheitskarte läßt Ifa-Aktie leiden

10.07.2006 ·  Die Gesundheitskarte, befürchten Kritiker, könnte sich zum größten IT-Desaster Deutschlands entwickeln. Möglicherweise kommt es noch schlimmer als einst bei der Lkw-Maut. Spezialisierte IT-Anbieter wie Ifa Systems bringt das mitunter ins Schwitzen.

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Die Gesundheitsreform, die eher ein Reförmchen ist, ist so einigermaßen verabschiedet. Es bewegt sich nur langsam etwas im deutschen Krankenversicherungswesen. Das gilt nicht zuletzt auch für die lauthals propagierte Gesundheitskarte.

Dieses Projekt könnte, meinen Kritiker, nicht nur eines der größten IT-Projekte der Welt, sondern auch eines der größten Desaster für die deutsche Informationstechnologie nach der Lkw-Maut werden. Die Einführung der Karte zieht sich hin, wird teurer als gedacht, und die Einwände von Datenschützern werden um so lauter, je näher der flächendeckende Einsatz rückt.

Umsatzrückgang wegen Projektverschiebungen

Im Streit zwischen Politik, Krankenkassen und Ärzten konnten sich die Anbieter der Technik bei ihren Planungen bisher auf nichts verlassen. So manche Hoffnung, ein bedeutender Lieferant werden zu können, ist zerstoben.

Das hat auch den IT-Spezialisten für die Augenheilkunde, Ifa Systems deutlich zu schaffen gemacht. Nachdem im vergangenen Jahr die Umsätze noch um 5,6 Prozent auf 4,54 Millionen Euro gestiegen waren und das Betriebsergebnis um 15,6 Prozent auf 1,52 Millionen Euro zugelegt hatte, zeigte sich das erste Halbjahr des laufenden Jahres doch recht unfreundlich.

Durch die Verzögerung bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte kam es zur Verschiebung von neuen Projekten und Ersatzinvestitionen. Die Unternehmensleistung lag deshalb um 18 Prozent unter dem Vorjahr bei nur noch 2,01 Millionen Euro, während das Ebit um 22 Prozent auf 510.000 Euro absank.

Hoffnungen auf baldige Lösung und das Ausland

Für die Zukunft hofft Ifa zurecht weiterhin darauf, daß die Ausgaben für Healthcare-IT nochmals deutlich steigen werden, da die Sparmaßnahmen zu Rationalisierungen zwingen. Das gehe schon aus den Informationen zur Stärkung des Wettbewerbs und der Transparenz im Gesundheitswesen hervor.

Allerdings werde es eben kurzfristig zu Verschiebungen kommen, was insbesondere in der weiteren Verzögerung bei der Gesundheitskarte begründet ist. Diese ist für Ifa Dreh- und Angelpunkt für die weitere Digitalisierung im Gesundheitswesen. Ihre Einführung wird jetzt ab Mitte 2007 erwartet.

Ifa will seine Expansionsstrategie fortsetzen. Neue Mitarbeiter seien bereits eingestellt und würden insbesondere für den internationalen Markt gesucht. Für das vierte Quartal werde durch die Erhöhung der Umsatzsteuer mit außerordentlichen Investitionsimpulsen gerechnet. Verstärkt habe sich auch die Nachfrage nach größeren Projekten aus dem Ausland.

Ohne Hoffnung auf Gesundheitskarte auch wenig Hoffnung für den Kurs

Entsprechend der Hoffnungen auf die Gesundheitskarte hat sich auch der Aktienkurs des Unternehmens entwickelt. Nach dem Börsengang im vergangenen Sommer war die Notierung schnell von etwa 15 auf 25 Euro im April gestiegen. Nach bekanntwerden der Verzögerungen fiel er noch schneller auf das aktuelle Niveau von 15,30 Euro zurück.

Auch wenn die Aktie auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp acht günstig bewertet scheint, hängen die Aussichten in der Wahrnehmung der Anleger doch stark am Erfolg der Gesundheitskarte. Solange diese sich aber eher eine kranke Karte ist, solange dürfte auch kaum Aussicht auf Erholung bestehen.

Nach dem heftigen Absturz der Notierung im Mai muß diese charttechnisch erst einmal noch die Bodenbildung abschließen, bevor Aussicht auf Erholung besteht.

Ifa Systems entwickelt und vertreibt Software und medizinische Informationssysteme für Arztpraxen und Klinken, insbesondere in der Augenheilkunde (Ophthalmologie). Diese Leistungen werden auch in Kombination mit Hardware und den relevanten Dienstleistungen im Bereich Beratung, Schulung und Support angeboten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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