Home
http://www.faz.net/-gv7-753xr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Baufinanzierung

Investoren Wende nach fünf Jahren Finanzkrise

Investoren verlassen den Krisenmodus und bereiten sich auf Umschichtungen von Anleihen in Aktien vor.

© AFP Vergrößern

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Vergangene Woche haben auch die letzten Fondsmanager und Banken ihre Prognosen für das kommende Jahr vorgelegt. Die Stimmung ist relativ einheitlich: Fünf Jahre hat die Banken- und Finanzkrise seit Herbst 2007 gedauert. Fünf Jahre lang waren die Märkte geprägt von politischen Entscheidungen. Fünf Jahre lang beherrschte die Angst vor systemischen Risiken und einem Auseinanderbrechen der Währungsunion die Entscheidung der Fondsmanager. Die Investoren kamen aus dem erratischen „Risk on - Risk off“ nicht heraus.

Wieder mehr Ruhe an den Märkten?

Das kommende Jahr wird in den Augen dieser Investoren erstmals seit fünf Jahren wieder mehr Ruhe an die Märkte einkehren lassen. Der Blick wird sich wieder auf ökonomische Fundamentaldaten richten und mithin gewaltige Portfolioumschichtungen auslösen.

Die vergangene Woche hat gezeigt, welch dramatischen Fortschritt die Finanzmärkte im vergangenen Jahr erlebt haben und wie viele Kernprobleme der Banken- und Finanzkrise nun korrigiert werden: Die Währungsunion hat die Grundzüge einer Bankenunion mit zentraler Aufsicht der EZB (SSM) beschlossen, womit von 2014 an eine von nationalen Interessen unabhängige Instanz die Banken beaufsichtigen wird, nachdem die nationalen Aufseher, auch in Deutschland, dies versäumt haben. Ein im nächsten Jahr geplantes Konzept zur Handhabung strauchelnder Banken wird dann sicherstellen, dass Banken ohne Kosten für den Steuerzahler zerschlagen oder gerettet werden, wie es Großbritannien und die Vereinigten Staaten vergangene Woche schon beschlossen haben.

Mehr zum Thema

„Heilungsprozess zu beobachten“

Griechenland hat nach dem erfolgreichen Schuldenrückkauf vergangene Woche die Zusage für die Auszahlung der nächsten Hilfsgelder von 49,1 Milliarden Euro erhalten. Davon werden 34,4 Milliarden Euro diese Woche gezahlt, das meiste für die Kapitalisierung der griechischen Banken. Damit ist bis Mitte 2013 das Zittern über Griechenland vorbei.

Der spanische Premierminister Mariano Rajoy hat vergangene Woche bekräftigt, dass die geplante Bankenaufsicht durch die EZB zeige, dass der Euro Bestand habe - für Spanien und die Investoren ein extrem wichtiges Signal. Das im Februar 2012 aufgestockte LTRO-Programm der EZB zur Liquiditätsausstattung der Banken hatte schon Anfang des Jahres das Risiko einer Bankenkrise reduziert. Das dann im September angekündigte Programm konditionierter Anleihekäufe der EZB hat dann den Marktteilnehmern die Angst genommen, die Währungsunion könnte zerbrechen.

„Der Heilungsprozess, den die EZB damit angestoßen hat, ist seither in einer zunehmenden Stabilität der europäischen Finanzmärkte und sinkenden Risikoprämien zu beobachten“, heißt es bei JP Morgan zum Jahresabschluss. Spanische Zweijahresrenditen sind von 7 auf weniger als 3 Prozent gesunken und die Kapitalflucht aus der Peripherie gebremst. Gleichzeitig haben umfangreiche Reformen und drastisch reduzierte Haushaltsdefizite in allen Peripherieländern gezeigt, welche Sanierungsanstrengungen die Länder trotz schwerer Rezession machen.

Infografik / Gewinner und Verlierer im Dow Jones

Für die Marktteilnehmer war es daher keine Überraschung, dass sowohl die Federal Reserve wie auch der künftige Gouverneur der Bank von England, Mark Carney, die extrem expansive Geldpolitik an volkswirtschaftlichen Größen ausrichten wollen, die das Augenmerk stärker auf die Genesung der Wirtschaft, Wachstum und eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit lenken. Die globale Inflation ist im Herbst von 4,2 auf 1,5 Prozent gefallen - von Inflationsgefahren ist derzeit also keine Spur zu sehen.

Fokus auf das zweite Halbjahr 2013 gesetzt

Die Prognosen der Banken, Versicherer und Fondsmanager von vergangener Woche haben gezeigt, dass die Marktteilnehmer im ersten Quartal 2013 mit einer globalen Wachstumsschwäche rechnen, zumal die fiskalpolitischen Unsicherheiten (fiscal cliff) in den Vereinigten Staaten gelöst werden müssen. Für die zweite Jahreshälfte erwarten jedoch fast alle Großinvestoren, dass sich die Volkswirtschaften langsam erholen, angefangen mit China, Russland, Indien, Brasilien, dann den Vereinigten Staaten und zuletzt dem Euroraum. Die Rückmeldungen der Einkaufsmanager aus den Vereinigten Staaten, China und dem Euroraum zu ihren Einschätzungen im Dezember deuten schon auf steigende Aufträge hin.

Da der Höhepunkt der Schuldenkrise in der Währungsunion überstanden und sich der Blick der Investoren wieder auf das globale Wachstum richten könnte, rechnen viele Fondsmanager spätestens im Sommer mit einer sukzessiven Umschichtung der Investorenvermögen von Anleihen in Aktien. Zu den Umschichtungen gehört auch ein langsames Ende der Kapitalflucht, ein Zurückfließen von Vermögen in den Euro und an die peripheren Anleihemärkte, vor allem an den spanischen Anleihemarkt in Erwartung von Anleihekäufen durch die EZB. Die Aktienmärkte befinden sich schon in einer Jahresendrally, die dem Dax mit einem Stand von 7596 Punkten einen Jahresgewinn von 30 Prozent bringt.

Gewinner und Verlierer im Dow Jones: Die Grafik verbindet die Kursänderungen der 30 Werte des Dow Jones für Industriewerte in zwei Zeiträumen in Prozent. Auf der Vertikalen sind die Änderungen der vergangenen 12 Monate abgebildet, auf der Horizontalen jene aus der vergangenen Woche. Die erfolgreichsten Aktien finden sich in der Grafik oben rechts, die erfolglosesten unten links. Die Größe der die Aktien abbildenden Kreise bestimmt sich durch den Börsenwert der Unternehmen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
EZB überprüft Geldhäuser Bankenstresstest weckt Übernahmephantasien

Transparenz herstellen und Vertrauen schaffen – das ist das Ziel der Bankenaufsicht. Doch die Gewinnaussichten der Geschäftsbanken sind schwach. Die EZB dürfte Fusionen kritisch sehen. Mehr Von Hanno Mußler, Markus Frühauf

22.10.2014, 07:43 Uhr | Finanzen
Vereinigte Staaten unterstützen Streben nach Demokratie in Hongkong

Die Vereinigten Staaten haben sich hinter die Demokratie-Proteste in Hongkong gestellt. Präsidialamtssprecher Josh Earnest sagte in Washington, die amerikanische Regierung unterstütze das Streben der Bevölkerung in Hongkong nach universellen Rechten. Auch die Bundesregierung hatte Verständnis für die Proteste gezeigt. Mehr

30.09.2014, 18:05 Uhr | Politik
Kurz vor den Ergebnissen Sind sogar 25 Banken im EZB-Test durchgefallen?

An diesem Sonntag veröffentlicht die Europäische Zentralbank die mit viel Spannung erwarteten Ergebnisse der wichtigen Stresstests. Zuvor machen Spekulationen die Runde: Womöglich ist sogar jedes fünfte Geldhaus durchgefallen. Mehr

25.10.2014, 11:28 Uhr | Wirtschaft
Kritik am Gefangenenaustausch

Der amerikanische Soldat wurde gegen fünf Taliban-Kämpfer ausgetauscht. In den Vereinigten Staaten und in Afghanistan stößt das auf Kritik. Mehr

03.06.2014, 14:44 Uhr | Politik
Geheime Protokolle So umstritten war die Zypern-Hilfe in der EZB

Was geschah im März 2013 als Zypern Nothilfe bekam? Die jetzt bekannt gewordenen vertraulichen Protokolle haben offenbart, dass die Hilfen im EZB-Rat hochumstritten waren. Widerspruch kam aus guten Gründen. Mehr Von Lisa Nienhaus und Christian Siedenbiedel

19.10.2014, 15:50 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.12.2012, 14:57 Uhr


Aktienmärkte
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei --  --
  Hang Seng --  --
  F.A.Z.-Euro-Index --  --
  EuroStoxx 50 --  --
  S&P 500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  S-Dax --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche