17.12.2012 · Investoren verlassen den Krisenmodus und bereiten sich auf Umschichtungen von Anleihen in Aktien vor.
Von Bettina SchulzRichtlinien für Lesermeinungen
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Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich.
Nach 25 Jahren exponentiellen Preisanstiegs bei Aktien, unterbrochen
durch mehr oder minder starke Einbrüche, wird gezockt wie zuvor
auch. Das Spiel war auch nie ernsthaft unterbrochen. Insofern ist keine
Änderung zu erkennen. Man wettet einfach auf weitere 25 Jahre.
Mathematisch ist das Spiel jedoch nicht zu gewinnen. Ein
Totalzusammenbruch, von dem wir 2008 noch soweit entfernt waren, wie der
Mond von der Erde, muss und wird kommen. Was vor 30-40 Jahren noch eher
regionalen Charakter getragen hat, schlägt dann eben global zu.
Ich freue mich immer über den Begriff "Fundamentaldaten der
Wirtschaft" und "wie gut die doch eigentlich aussehen".
Wenn ich mir die Fundamentaldaten der Wirtschaft anschaue, wird mir
Angst und Bange. Dabei schaue ich gern auch auf all die zeitlich
verschobenen Probleme (Rohstoffe, Umwelt, geistige Degenerierung durch
TV, PC und Co. etc) und sehe große schwarze Wolken am nicht mehr
fernen Horizont.
Auf in die nächste Runde! Einmal geht´s noch!
Wer Ben Graham und die EMH gelesen und verstanden hat
brauch keine Prognosen mehr zum Investieren, einzig den Glauben dass der
Kapitalismus nicht aufhoeren wird zu existieren und die daraus folgende
Erkenntnis dass die Summe der Unternehmen langfristig eine positive
reale Rendite erwirtschaften muss.
Das Bogle Modell kann ihnen hierfuer schoen den zu erwartenden forward
return und seine beiden Bestandteile aufzeigen.
Langfristig sind die Unternehmensgewinne genauso stark gestiegen wie die
Aktienkurse und beide lagen weit unter dem GDP Wachstum da die
Ueberlebenden immer noch die Sterbenden ausgleichen muessen und sie
selber sogar auch noch einen Grossteil des reinvestierten Geldes
vernichteten.
BTW: der Dow ist nicht der richtige Index, der richtige Index S&P500
ist nicht die Marktkapitaliserung und weder S&P noch
Marktkaptalisierung spiegeln die Gesamtrendite der Aktienanlage wieder.
Daher legen Sie auch kein Geld an?
Tatsächlich kann auch ich nicht in die Zukunft schauen, was auch
besser so ist. Allerdings ist auch Herrn Bogle diese Fähigkeit
nicht gegeben. Zum indexbasierten Investment fällt mir folgendes ein:
1.) Langfristbetrachtungen Index versus Realwirtschaft zeigen auf, dass
Wachstumsraten der Indizes nicht das Wirtschaftswachstum abbilden (Dow
Jones USA seit 1920 ca. Verneunzigfachung - BIP USA etwa
Verfünffachung seit 1920) - für andere nicht ganz so lang
laufende Indizes ebenfalls abzubilden
2.) Indexwertsteigerungen bis zum Knickpunkt läuft parallel zur
Steigerung der Gesamtverschuldung
3.) Überhöhung selbstverstärkende Effekte in Indizes
durch (aus meiner Sicht unzulässige) Einbeziehung von Finanztiteln
(Banken, Versicherungen, Börsen)
Ein gutes Investment fragt meines Erachtens nicht nach Steigerung des
Wertes eines Unternehmensanteils sondern nach kontinuierlich guten
Gewinnen und deren Ausschüttung.
Am Rande: ohne Prognose kein Investment. Sie legen also kein Geld an?
Ich halte nichts von Prognosen
...inkl. der Ihrigen. Haben sie sich schonmal gefragt was fuer den
unwahrscheinlichen Fall dass auch sie nicht in die Zukunft schauen
koennen stattdessen passieren koennte?
Ansonsten ist das kein Spiel und mit der Mathematik liegen sie weit
daneben, wie weit lassen sie sich am besten von John Bogle vorrechnen.
... und die AUtorin Fr. Schulz ist gehebelt investiert in Finanzprodukte, die ihrer Prognose entsprechen?
Seit März 2009 hat sich der DAX mehr als verdoppelt . Prompt fällt Blitzmerkern die Wende auf ...
... und Investoren bereiten unter lautem Getöse eine
"Umschichtung in Aktien vor".
Unbeantwortet bleibt bei der preistreibenden Komödie, wie
überhaupt "in Aktien umgeschichtet" wird :
Schließlich liegen Aktien ja nicht herrenlos auf der
Streuobstwiese, sondern bei (Vor-)Inhabern. Es gibt daher kein
"Umschichten in Aktien" ohne dass nicht zugleich ein
"Umschichten aus Aktien heraus" stattfindet.
Dass dabei die Preise steigen müssen ... ist reine Glaubenssache.
P.S.
Nichts wäre für Bewertungstreiber schlimmer als ein reales
Krisenende. Vorbei wären die Zeiten faktisch zinsfreier Re-Finanzierung.
Was soll denn das für eine Normalisierung sein, wenn Investoren in
die Peripherie zurückkehren, weil sie Anleihenaufkäufe der EZB
erwarten ? Die überbezahlten Analysten und Volkswirte haben Jahre
lang nicht das geringste davon gemerkt, welche Krisen unter ihren Augen heranwachsen.
Eine Normalisierung wird vorliegen, wenn die Peripherie ohne
Transfermilliarden einen selbst tragenden Aufschwung zu Stande bringt
und die Arbeitslosigkeit zurück geht. Es steht zu befürchten,
dass wir in dieser Frage keinen Schritt weiter sind als vor einem Jahr.
Der Aktionismus und die gigantischen Verpflichtungen der sogenannten
EURO-Retter ist doch nichts als weiße Salbe, mit der ein Hirntoter
zugeschmiert wird.
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