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Investmentbanking Verlustgeschäft des Jahres

22.11.2007 ·  Viele Jahre hatte das Investmentbanking „goldenen Boden“ - doch im dritten Quartal hat die Zunft nach Berechnungen von Boston Consulting mit Verlust abgeschlossen. Das Umfeld bleibt schwierig und dürfte dazu beitragen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt.

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Die großen zehn Investmentbanken haben nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) im dritten Quartal insgesamt einen Verlust von 632 Millionen Dollar erlitten. „Für das vierte Quartal ist der Ausblick ebenfalls wenig erfreulich“, meint Robert Grübner, der bei BCG für das europäische Investmentbanking zuständig ist.

Grübner zufolge ist die Krise, die vom amerikanischen Hypothekenmarkt für Schuldner mit schlechter Bonität (“subprime“) ausgeht, noch lange nicht ausgestanden. Sie zieht vielmehr immer weitere Marktsegmente in Mitleidenschaft und stellt damit das Geschäftsmodell der kleineren und mittleren Investmentbanken unterhalb der „Großen Zehn“ in Frage.

Gewinne abgestürzt

Die Krise an den Geld-, Kredit- und Anleihemärkten, die vielen Banken seit dem Sommer zusetzt, hat den BCG-Index für die Gewinne der Investmentbanken vom zweiten zum dritten Quartal von plus 218 auf minus 6,8 Punkte abstürzen lassen (siehe Infografik). Das ist der bislang erste Minuswert seit Auflage des Index im Jahre 2001. BCG berechnet diesen „Performance-Index“ aus den Angaben, die reine Investmentbanken wie Morgan Stanley sowie Großbanken wie die Citigroup und die Deutsche Bank zu den Kerngeschäftsfeldern des Investmentbanking machen, also dem Beratungs- und Emissionsgeschäft sowie dem Handel und Eigenhandel.

Verlustgeschäft Investmentbanking

Im Einzelnen haben neun der zehn untersuchten Investmentbanken vom zweiten zum dritten Quartal herbe Umsatzeinbußen erlitten, acht von zehn zudem einen kräftigen Rückgang der Gewinnmarge (siehe Infografik). So ist der Umsatz der Deutschen Bank im Investmentbanking im Quartalsvergleich von rund 7 auf etwa 1,5 Milliarden Dollar eingebrochen, die entsprechende Gewinnmarge vor Steuern von etwa 33 auf rund 5 Prozent abgesackt. Einzig die global führende Investmentbank Goldman Sachs hat sowohl beim Umsatz als auch bei der Gewinnmarge zugewonnen.

Quartalsgrenzen sorgen für unterschiedliche Erfolgsrechnungen

Dabei ist allerdings zu beachten, dass bei Goldman Sachs und einigen weiteren amerikanischen Häusern das dritte Quartal von Ende Mai bis Ende September läuft; die vielfachen hohen Verluste, die im Oktober entstanden sind, sind somit im Ergebnis des dritten Quartals nicht enthalten. Sie müssten dann aber im vierten Quartal, das für diese Häuser schon in der kommenden Woche endet, verbucht werden.

Laut Grübner ist ferner zu beachten, dass die einzelnen Häuser ihre Portefeuilles mit angeschlagenen Hypotheken und Hypothekenanleihen mit unterschiedlichen Methoden bewertet haben. Wer bereits im dritten Quartal konservativ bewertet und hohe Abschreibungen verbucht habe, dürfte in den folgenden Quartalen vergleichsweise besser abschneiden, könne womöglich sogar Buchgewinne erzielen. Deshalb werde die Gesamtauswirkung der Krise auf die Gewinn- und Verlustrechnung jeweils erst nach mehreren Quartalen feststehen.

Umfeld bleibt schwierig

Deutliche Spuren hat die Krise auch bei der Umsatzentwicklung hinterlassen. Im Vergleich zum dritten Quartal 2006 ging der Gesamtumsatz von 39,3 auf 23,9 Milliarden Dollar, also um knapp 40 Prozent, zurück. Dabei brach der Handelsumsatz um mehr als die Hälfte ein; UBS und Merrill Lynch erlitten nach BCG-Angaben im dritten Quartal 2007 im Handel sogar Verluste (siehe Infografik).

Laut Grübner dürfte das Umfeld für die Investmentbanken auch in den kommenden Monaten schwierig bleiben. Denn als Folge der Krise habe der Risikoappetit vieler Investoren abgenommen. Das werde das Handelsgeschäft der Investmentbanken, aber wahrscheinlich auch das Emissions- und Beratungsgeschäft beeinträchtigen. Zudem habe die Wahrscheinlichkeit zugenommen, dass sich das Wirtschaftswachstum abschwäche. Auch dies würde zu Lasten des Investmentbanking gehen.

Kleinere mit größeren Problemen

Nach Einschätzung Grübners haben die großen Investmentbanken, die in allen Geschäftsfeldern präsent sind, die besten Möglichkeiten, auf ein rauheres Umfeld zu reagieren. Sie könnten ihre Engagements relativ leicht auf die Felder verlagern, die weiterhin gut liefen oder von der Krise sogar profitierten.

Mittlere und kleinere Investmentbanken, die nur auf einigen Feldern agieren, hätten diese Möglichkeit nicht - und könnten deshalb in Schwierigkeiten geraten, wenn eines ihrer Kerngeschäftsfelder krisenbedingt schlecht laufe. Nicht zuletzt für viele der mittelgroßen europäischen Investmentbanken stelle sich deshalb nun die Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle mit Blick auf deren Krisenfestigkeit zu überprüfen, meint der Berater.

Quelle: F.A.Z., 22.11.2007, Nr. 272 / Seite 23
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