04.12.2009 · Die Finanzkrise zeigt, dass eine Buy-and-Hold-Strategie bei volatilen Marktbedingungen keine sichere Sache ist. Die Aktienrallye könnte Anleger dazu veranlassen, ihre Kapitalverteilung erneut zu überdenken. Was meinen die Profis?
Von David BogoslawEine Lektion, die Investoren durch Finanzkrise gelernt haben ist, dass eine Buy-and-Hold-Strategie bei solch volatilen und unsicheren Marktbedingungen keine sichere Sache mehr ist. Die wachsende Beliebtheit taktischer Asset Allocation innerhalb eines Portfolios mit Hilfe einer breiten Palette an Finanzinstrumenten verändert die Art und Weise, wie Investment-Manager über regelmäßige Umschichtungen von Portfolios denken.
Bei einem seit dem Märztief um 65 Prozent gestiegenen Standard & Poor's 500-Aktienindex und einer amerikanischen Wirtschaft, die kleine Anzeichen einer Erholung zeigt, müssen Investoren, die Stammaktien nicht schon den Rücken gekehrt haben, lange darüber nachdenken, wann und ob sie ihr Engagement verringern sollten. Auf der anderen Seite fragen sich diejenigen, die während der Rallye ausgesetzt haben, ob es für einen Einstieg bereits zu spät ist.
Für diejenigen, die immer noch auf Maximierung der Rendite aus sind, ist die Anpassung der Kapitalaufteilung aufgrund der seit mehreren Jahren niedrigen Renditen für Staatsanleihen in den Vereinigten Staaten keine leichte Aufgabe. Die Wahrscheinlichkeit einer fortwährenden Achterbahnfahrt der Preise für Vermögenswerte in 2010 wird Investment-Manager auch weiter dazu anhalten, bei ihren Entscheidungen über Asset Allocation dynamischer vorzugehen, so Alan Brown, Chefstratege bei Schroders, auf einer Pressekonferenz am 2. Dezember zu seinen Prognosen für 2010.
Vorsicht bei Kurs-Gewinn-Verhältnis
Jedoch mahnt er zur Vorsicht, bei Entscheidungen nicht zu stark auf Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu vertrauen, da diese nicht genau genug berechnet würden. „Im Allgemeinen ist es viel zu früh eine Anlage dann zu verkaufen, wenn man meint, sie sei überbewertet, und sie beim ersten Anzeichen eines Rückgangs zu kaufen“, meint er. „Wir warten auf die richtige Bewertung zusammen mit einem Auslöser, der die Richtung der Anlage umkehren könnte“, beispielsweise das Ende der quantitativen Lockerung der Federal Reserve, sagt er.
Angesichts des beispiellosen Ausmaßes an Liquiditätsprogrammen der Regierungen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien, die in den kommenden Jahren aufgelöst werden müssen, meint Brown, dass „die Bandbreite der möglichen Auswirkungen größer ist, als wir es uns vorstellen können“. Dies verlange ihm zufolge nach einem bescheideneren Ansatz für die Aufstellung einer Prognose für das nächste Jahr.
Er rät dazu, Szenarien für verschiedene mögliche Situationen zu entwickeln und Frühwarn-Indikatoren zu bestimmen, die bei Allokationsentscheidungen helfen können. Wenn man beispielsweise eine Erhöhung der Inflation erwartet, sollte man ein Auge auf Rohstoffpreise, eine Schwächung des Dollars oder verschärfte Bedingungen auf den Arbeitsmärkten haben.
Die Verluste, die viele Investoren im vergangenen Jahr oder noch länger erleiden mussten haben zu einer Verschiebung der Prioritäten - von der die Portfolio-Strukturierung vor der Finanzkrise beherrschenden rücksichtslosen Rendite-Verfolgung hin zu umsichtigem Risk Management - geführt.
Umschichtung - eine anspruchsvolle Disziplin
Was die Portfolio-Strukturierung angeht, „zahlt es sich aus, breit diversifiziert aufgestellt und flexibel zu sein, und die Verteilung entlang der wirtschaftlichen Entwicklungen umzustellen“, sagt Brown.
Disziplin kann durchaus von Vorteil sein. PNC Wealth Management (PNC) hält es für klug, ein Portfolio immer dann umzuschichten, wenn es eine Abweichung von 5 bis 10 Prozent von der angestrebten Gewichtung einer Anlageklasse gibt, um so die Transaktionskosten und steuerliche Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Die Umschichtung macht nur einen geringen Unterschied in der Wertentwicklung aus, während das Risiko laut eines im Mai 2009 veröffentlichten Informationsberichts von PNC erheblich sinkt. PNC fand heraus, dass eine Neustrukturierung eines ausgewogenen Portfolios einmal im Jahr den zu verzeichnenden Verfall in den Jahren 1979 bis 2009 von 44 Prozent auf 34 Prozent verringert hätte.
Aufgrund der erhöhten Marktvolatilität in den vergangenen zwei Jahren, hat Palisades Hudson Asset Management vor einigen Monaten entschieden, die Häufigkeit notwendiger Umschichtungen seiner individuellen Kundenportfolios genauer unter die Lupe zu nehmen. „Normalerweise haben wir nach Bedarf umgeschichtet, was in einem unberechenbaren Jahr mehrmals bedeutete, und in einem eher mittleren Jahr ein bis zwei Mal“, sagt Jonathan Bergman, Chefstratege des Unternehmens.
Palisades Hudson entschied, abhängig von der Gewichtung seine Anlageklassen um 10 Prozent um die Vorgabe herum schwanken zu lassen. Bei einem einfachen Portfolio mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen durfte die Gewichtung der Aktien bis auf 55 Prozent steigen, bis Palisades Aktien verkaufte, und auf 45 Prozent fallen, bevor Aktien gekauft wurden. Bei einem ausgewogenen Portfolio strukturierte das Unternehmen 2008 vier Mal und 2009 zwei Mal um. Dies beinhaltet auch Steuerverluste auf Wertpapiere, die im Wert gefallen sind. Bergman sagt, er würde Steuerverluste so oft wie möglich „herausquetschen“ und so immer wieder steuerliche Verlustvorträge geltend machen.
Bewährte Methode: Man folgt der durchschnittlichen Allokationen
Eines der Basiswerkzeuge für Investoren, die eine einfachere Methode der Entscheidungsfindung bei Umschichtung nutzen wollen, ist ein Barometer der Marktstimmung unter Experten, wie beispielsweise die wöchentliche Befragung des amerikanischen Verbands aktiver Fondsmanager (National Association of Active Investment Managers - NAAIM). Eine im November von Hepburn Capital Management veröffentlichte Studie zeigte, dass eine Umschichtung auf Basis der Allokationsansätze professioneller Fondsmanager das Risiko um die Hälfte reduziert und gleichzeitig die Rendite erhöht.
Hepburn überprüfte die historischen Daten von 115 an den wöchentlichen Umfragen zur Strukturierung teilnehmenden Firmenmitgliedern des NAAIM aus drei Jahren. Als Allokation für das folgende Quartal diente ihm die berechnete durchschnittliche Portfolio-Strukturierung der befragten Fondsmanager für die vorausgegangenen 90 Tage. Die Tatsache, dass der S&P 500 innerhalb dieser drei Jahre sechs positive und sechs negative Quartale verzeichnete, hatte den Effekt eines kompletten Marktzyklus, der für die Testzwecke ideal war, mein Will Hepburn, Geschäftsführer von Hepburn Capital Management.
Nominelle, nicht um Inflation oder Steuern bereinigte Renditen eines Mischfonds mit einem Aktien-Anleihen-Verhältnis von 60:40 verbesserten sich durch die Anwendung einer von Hepburn so genannten adaptiven Umschichtung im Zeitraum vom 30. September 2006 bis zum 30. September 2009 von einem Dreijahres-Verlust von -0,56 Prozent auf ein Plus von 9,06 Prozent. Die durchschnittliche Aktienbeteiligung der NAAIM-Mitglieder sank mit Beginn des zweiten Quartals 2007, und ihre durchschnittlichen Allokationen lagen vom 11. Juni 2008 bis zum 11. März 2009 - dem Zeitraum, in dem der S&P 500 knapp unter 45 Prozent seines Wertes verlor - bei nur 18,5 Prozent.
Ab Januar will Hepburn auch Privatanlegern für die Umschichtung ihrer Portfolios zum Anfang jeden Quartals die durchschnittlichen Allokationen der vergangenen 90 Tage zur Verfügung stellen.
Anlageerfolg hängt nicht vom Aktivismus ab
Ein Anleger, der überwiegend Exchange Traded Funds besitzt könnte es jedoch vorziehen, nur ein Mal im Jahr mit Hilfe der NAAIM-Ergebnisse umzuschichten, anstelle jedes Quartal Transaktionskosten entstehen zu lassen, sagt Hepburn. In diesem Fall würde er auf die aktuellsten Daten zurückgreifen. „Das ist kein Verfahren, bei dem man viel handelt, sondern nur die bedeutenden Entwicklungen mitmacht“, meint er. „Wenn die Anleger das getan hätten, würden nun weniger Menschen über das Pensionsalter hinaus arbeiten müssen.“
Kathleen Piaggesi, geprüfte Finanzplanerin bei K/A/P Planning Advisory in Scarsdale, New York, sagt, sie hätte sich nach katastrophalen Verlusten im dritten Quartal 2008 von der Buy-and-Hold-Strategie abgewendet. Ein Jahr verbrachte sie damit, Frühstücksmeetings und andere Besprechungen zu besuchen, um mit Managern von Investmentfonds zu sprechen, die einen taktischeren Ansatz bei der Anlage des Fondsvermögens verfolgten, inklusive Long/Short- und Merger-Arbitrage-Strategien.
Inspiriert durch das Beispiel des Stiftungsfonds der Cooper Union for the Advancement of Science & Arts, der sich von Pleite gegangenen Anlagen weg hin zu alternativeren Anlagen hin diversifizierte, meint sie, sie wäre dazu bereit, Renditen von bis zu 45 Prozent im Jahr zu opfern, um einen Teil des Geldes ihrer Kunden in nicht mit einander korrelierende Anlagen zu stecken, die sich nicht unbedingt nach oben entwickeln.
„Das ist das „New Normal““, sagt sie mit dem von Pimco geprägten, allgegenwärtigen Ausspruch. „Es geht darum, über den Horizont hinaus zu blicken und sich zu fragen, wie die Risiken aussehen könnten und wie ich mich auf sie vorbereiten kann, um wenigstens etwas meines Geldes zu retten.“
Absolute Return-Ansätze machen Anleger immun gegen Volatilität
Die große Unsicherheit auf den Märkten treibt Clifford Michaels, Chef der Financial Planners Association, eher in Richtung der Absolute-Return-Strategie, bei der auf Leerverkäufe, Futures, Optionen, Arbitrage und Leverage gesetzt wird, um den Kunden unabhängig von Marktbewegungen positive Renditen zu bieten. Er investiert in einen Long/Short-Fonds bei JPMorgan Chase, der 2008 um 9 Prozent gestiegen war und in internationale Rentenfonds, die sich umgekehrt proportional zum Dollar entwickeln.
„Es gibt wirklich keine Möglichkeit, sicheres Geld zu machen. Rentenpapiere und Einlagezertifikate rentieren sich nicht“, sagt er. „Also muss man kreativ sein und die alten Regeln eventuell neu definieren. Vielleicht sollte man sich nicht so auf eine Portfolio-Umschichtung fixieren, sondern neue Ansätze suchen.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |