20.01.2010 · Der von Berkshire geplante Aktiensplit anlässlich der Übernahme von Burlington Northern könnte die Aktie des Mischkonzerns für alle Anleger erschwinglich machen und damit eine neue Ära einläuten - vielleicht sogar mit Aufnahme in den S&P-500.
Von Ben StevermanAm 20. Januar dürften die Anteilseigner von Berkshire Hathaway die Öffnung des Aktienkapitals für weitaus weniger exklusive Anlegerkreise beschließen, vor der Berkshire-Chef Warren Buffett lange gewarnt hat.
Durch eine Aufteilung der B-Aktien im Verhältnis 50:1 würde der Preis für die bislang erschwinglichste Aktienklasse des Mischkonzerns von rund 3.247 Dollar auf etwa 65 Dollar sinken. Anteilsscheine der Klasse A - die in der über 40-jährigen Geschichte des Unternehmens nie geteilt wurden - werden nach wie vor mit rund 97.500 Dollar gehandelt.
Indexfonds vor der Tür
Buffett unterbreitete den Vorschlag zu diesem Aktiensplit trotz seiner langjährigen Ansicht, dass diese - wie er in einem Aktionärsbrief 1984 schrieb - eine Käuferschicht „minderer Qualität“ anziehe, die seine Philosophie der wertorientierten Kapitalanlage nicht teilten. Wenn die Berkshire-Anteilseigner dem Aktiensplit in der am 20. Januar anberaumten außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen, womit weithin gerechnet wird, dann könnte die Aktie ein breiteres Spektrum neuer Anteilseigner ansprechen, darunter auch Kurzfristspekulanten.
Der Aktiensplit könnte Berkshire zudem für eine Aufnahme in den Aktienindex S&P-500 qualifizieren, woraufhin Indexfonds gezwungen wären, Milliardenbeträge in die Aktie zu pumpen.
Zugang für weniger erlauchte Kreise
Berkshire ist im Zuge seiner 44 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Burlington Northern auf günstige Aktien angewiesen. Der Aktienkurs des Eisenbahnkonzerns bewegt sich mit rund 100 Dollar in börsenüblicheren Gefilden. Durch den Aktiensplit sinkt der Kurs des Berkshire-Papiers, sodass selbst kleineren Burlington-Anteilseignern ein vergleichbarer Betrag in Berkshire-Aktien ausgezahlt werden kann.
Der Aktiensplit „wird für große Veränderungen sorgen“, sagt Robert Miles, Buffett-Experte und Autor des Buchs „The Warren Buffett CEO“. Es sei so, als würde die einst als „feines Porzellan“ des Aktienmarktes geltende Berkshire-Aktie nun für die „Pappteller“-Massen zugänglich gemacht, sagt Miles. „Jeder, der an der Tafel von Berkshire Hathaway speisen möchte, kann dies nun tun.“
Der Milliardär und wohl weltberühmteste Investor Warren Buffett habe viele Bewunderer, die sich nicht mehrere 3.250 Dollar teure B-Aktien leisten könnten und denen die weitaus erschwinglicheren Aktien zum Preis von 65 Dollar sehr entgegen kämen, sagt John Dorfman, Vorstandsvorsitzender von Thunderstorm Capital.
Selbst zu einem günstigeren Preis „werden die meisten Käufer von Berkshire-Aktien nach wie vor Anhänger von Buffetts Philosophie sein“, meint Dorfman. Und auch das „familiäre Flair“ des Unternehmens dürfte erhalten bleiben, dessen alljährlicher Höhepunkt die Hauptversammlung - das „Woodstock der Kapitalisten“ - sei, so Dorfman.
„Die Aktie besitzt Kultstatus“, sagt Meyer Shields, Analyst beim Handelshaus Stifel Nicolaus. Viele folgen dem Beispiel Buffetts, der Verkörperung des Kaufen-und-Halten-Investors, indem sie Berkshire-Aktien kaufen und diese jahrzehntelang im Depot belassen.
Die gefürchteten Spekulanten
Wären die Buffett-Fans die einzigen, die günstigere Berkshire-Aktien kaufen würden, dann hätte er bereits vor langer Zeit einen Aktiensplit durchgeführt. Durch diese Aufteilung erhalten jedoch auch jene Spekulanten leichteren Zugang zur Berkshire-Aktie, die Aktien vielfach kaum länger als eine Sekunde halten.
Derzeit werden Berkshire-Aktien praktisch kaum gehandelt, zumindest im Vergleich mit den Wertpapieren anderer großer Unternehmen. So ist der Marktwert von Berkshire Hathaway mit 151,2 Milliarden Dollar höher als der des Getränkekonzerns Coca-Cola (130,4 Milliarden Dollar), an dem auch Berkshire Hathway als Großaktionär beteiligt ist. Während sich aber das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen der Coca-Cola-Aktie in den vergangenen zwei Monaten auf 11,1 Millionen belief, lag es bei Berkshires A- und B-Aktien zusammen bei gerade einmal 37.431.
Ein Aktiensplit „wird die Nachfrage nach B-Aktien anheizen“ und damit wahrscheinlich den Kurs nach oben treiben, sagt Matt Carletti, Analyst bei Macquarie Capital. Zugleich dürfte das Handelsvolumen auf ein für börsennotierte Großkonzerne üblicheres Niveau ansteigen, ergänzt er.
Woran es in der Aktionärsbasis von Berkshire Hathaway bislang weitgehend fehlt, sind Spekulanten, insbesondere Hochfrequenz-Händler, die mit Hilfe von Computerprogrammen blitzschnell in Aktien hinein und hinaus springen, häufig in Abständen von nur wenigen Millisekunden. Da diese Händler mit jeder Transaktion nur minimale Gewinne erzielten - nicht selten weniger als einen Cent - würden sie teure Aktien meiden, die hohe Kapitaleinsätze erforderten, sagt Larry Tabb, Gründer und Vorstandsvorsitzender der TABB Group, die Unternehmen in Fragen rund um Handelstrends berät. Einer der Vorteile reger Handelsaktivitäten sei die mögliche Verringerung der Volatilität von Aktienkursen, sagt Tabb. „Werde weniger gehandelt, kann schon eine einzelne große Kauf-/Verkaufsorder den Kurs bewegen.“
Aufnahme in den S&P-500?
Buffett hat mir seiner Meinung zu Kurzfristspekulanten nicht hinterm Berg gehalten. 1993 warnte er in seinem Jahresbericht an die Aktionäre vor den „Transaktionskosten des Wertpapierhandels“. Im Unterschied zu Spekulanten und anderen Kurzfristanlegern, „denken und handeln unsere Anteilseigner wie rationale, langfristig orientierte Eigentümer und betrachten das Unternehmen annähernd so, wie [der stellvertretende Berkshire-Vorsitzende Charles Munger] und ich“. Berkshire kam unserer Bitte um Stellungnahme leider nicht nach.
Gegenwärtig ist Berkshire Hathaway die größte nicht im S&P-500 enthaltene Kapitalgesellschaft. Der hohe Kurs und die geringe Liquidität der Berkshire-Aktie standen einer Index-Aufnahme bis dato im Wege.
In diesem Jahr wird ein Platz im S&P-500 frei, wenn Burlington Northern den Index nach der Übernahme durch Berkshire verlassen muss. Indexverwalter Standard & Poor's gibt sich jedoch bedeckt. Bei der Zusammensetzung des S&P-500 werde sehr sorgfältig verfahren, um die Entwicklung des breiten Marktes bestmöglich abzubilden, sagt Howard Silverblatt, leitender Indexanalyst bei S&P. Neben der Einhaltung von Schlüsselkriterien wie „finanzielle Leistungsfähigkeit“ sowie „hinreichende Liquidität und angemessener Preis“ genießt der S&P-Indexausschuss im Rahmen der Aufnahmekriterien einen gewissen Ermessensspielraum bei der Titelauswahl.
Nach Schätzungen von Silverblatt seien die den S&P-500 nachbildenden Indexfonds aufgrund ihres gewaltigen Anlagevolumens gezwungen, 11 Prozent der Anteile von neu in den Index aufgenommenen Unternehmen zu kaufen. Im Fall von Berkshire würde dies 16,6 Milliarden Dollar in A- und B-Aktien entsprechen. Hinzu kämen die Käufe anderer Investoren, die den S&P-500 „inoffiziell“ nachbildeten oder von Spekulanten, die dem Markttrend folgten, so Silverblatt.
Buffetts Glaubwürdigkeit
Im Unterschied zu fast allen anderen börsennotierten Großunternehmen hält Berkshire keine vierteljährlichen Analystenkonferenzen ab. Die Führungskräfte des Konzerns halten es nicht für notwendig, durch das Land zu reisen, um sich der Gunst hochrangiger Investoren zu versichern. Berkshire besitzt keine Abteilung zur Pflege von Aktionärsbeziehungen, ja nicht einmal einen umfangreichen Internetauftritt mit Anlegerinformationen.
Angesichts der enormen Glaubwürdigkeit von Warren Buffett könne Berkshire auf die üblichen Praktiken der Aktionärspflege weitgehend verzichten, sagt Gerard Carney, Co-Vorsitzender Finanzkommunikation bei der PR-Agentur Fleishman-Hillard. Damit sei „Berkshire das vielleicht einzige Unternehmen weltweit, dass sich dieses Gebaren leisten kann“, so Carney.
Eine Ausweitung des Aktionärskreises dürfte auch eine größere Zahl von Investorenkonferenzen im Berkshire-Hauptsitz in Omaha nach sich ziehen, sagt Carney, es sei jedoch nicht damit zu rechnen, dass Buffett oder andere Manager deswegen ihren Führungsstil änderten. „Das Handelsverhalten mag sich ändern“, sagt Shields mit Blick auf den Aktiensplit. „Das Verhalten des Managements nicht.“
Es ist schwer vorstellbar, dass Warren Buffett - der am 30. August dieses Jahres 80 wird - durch den Zustrom neuer und anderer Anteilseigner von seinen Ansichten abrücken wird. Der Aktiensplit könnte indes das Ende einiger Eigenheiten von Berkshire Hathaway einläuten, wenn die Aktien des Unternehmens stärker wie andere Standardwerte gehandelt werden. Eine weitaus größere Veränderung des Charakters und der Unternehmenskultur von Berkshire deutet sich dagegen für die kommenden Jahre an, wenn der Lenker und größte Anteilseigner das Ruder aus der Hand gibt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |