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Investitionen Warren Buffett nutzt die Krisen

27.12.2011 ·  Der legendäre Unternehmer Waren Buffett glaubt an Amerika und kauft in Krisenphasen Aktien. Das hat sich ausgezahlt - schon seit Jahrzehnten.

Von Nobert Kuls, New York
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Warren Buffett ist kein ängstlicher Typ. Mit seinen 81 Jahren hat der berühmte Investor schon genug Krisen durchlebt. Und er hat sie konsequent zum Vorteil der Aktionäre seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway genutzt. Buffett ist für den Kauf von unterbewerteten Aktien bekannt, und Aktien sind in der Regel nie so günstig wie in Krisenphasen. Buffett glaubt daher auch in der Euro-Krise an Schnäppchen. „Nicht bei Anleihen, aber bei Aktien gibt es Chancen. Mir fallen ein Dutzend Euro-Aktien ein, die attraktiv bewertet sind“, sagte Buffett kürzlich. Zuvor hatte er für Berkshire Aktien des britischen Einzelhändlers Tesco gekauft. Berkshire hält auch eine große Beteiligung am deutschen Rückversicherer Munich Re.

Der Multimilliardär Buffett, einer der reichsten Männer der Welt, folgt einer denkbar einfachen Regel: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Das klingt banal, ist für viele Anleger aber offenbar schwierig zu befolgen, wenn die Angst vor Verlusten die Stimmung prägt. Buffett hatte diese oft zitierte Anlageregel vor etwas mehr als drei Jahren in einem vielbeachteten Beitrag für die „New York Times“ wiederholt. Der Beitrag erschien Mitte Oktober 2008, einen Monat nach dem Kollaps der viertgrößten Investmentbank Lehman Brothers, als die Furcht vor einem Kollaps des Finanzsystems und einer schweren Rezession die Schlagzeilen bestimmte.

Wachstumsstärke amerikanischer Unternehmen

Die Aktienkurse schwankten extrem und die Tendenz wies nach unten. Aber Buffett brach in dem Artikel eine Lanze für amerikanische Aktien. „Die Ängste um einen langfristigen Erfolg der vielen gesunden Unternehmen im Land machen keinen Sinn“, schrieb Buffett. Die meisten großen Unternehmen würden auf Sicht von fünf, zehn oder zwanzig Jahren neue Rekordgewinne machen. Wer Buffetts Ratschlag damals folgte und sich ein Herz nahm, hat seitdem solide Gewinne gebucht. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 ist seit Erscheinen von Buffetts Artikel um rund 35 Prozent gestiegen, auch wenn es zwischenzeitlich größere Rückschläge gab. Buffett stockte unter anderem die Beteiligung an der Großbank Wells Fargo mehrfach auf, deren Aktienkurs zeitweise unter 9 Dollar gefallen war. Der Kurs hat sich im Vergleich zu den Tiefständen mittlerweile verdreifacht.

Buffett glaubt unerschütterlich an die Innovationskraft und die Wachstumsstärke amerikanischer Unternehmen. „Geld wird immer in Richtung von Chancen fließen und die gibt es in Amerika im Überfluss“, schrieb er in einem Aktionärsbrief. Kommentatoren und Politiker würden zwar oft von einer Zeit „großer Ungewissheit“ reden. Die Aktionäre sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen, weil die Zukunft immer ungewiss sei. „Zeit meines Lebens haben Politiker und Experten ständig die schrecklichen Probleme beklagt, denen Amerika gegenüber steht“, erinnert sich Buffett. Die Untergangspropheten hätten aber den entscheidenden Faktor übersehen - die bei weitem nicht aufgebrauchte Leistungsfähigkeit der Menschen und ein weiterhin funktionierendes Wirtschaftsystem in Amerika, das dieses Potential freisetzt.

Buffett hat nicht nur die jüngste Finanzkrise für kühne Investitionen genutzt. Er kaufte schon in den sechziger Jahren Aktien des Finanzdienstleisters American Express, als dessen Kurs wegen des sogenannten Salatöl-Skandals um mehr als 50 Prozent gefallen war. American Express gehörte damals mit anderen Banken zu den Opfern eines Betrugs. Die Banken hatten fiktive Salatöl-Bestände als Sicherheiten für Kredite an einen Öl-Produzenten akzeptiert und dreistellige Millionen-Dollar-Beträge verloren. American Express gehört weiterhin zu den größten Beteiligungen von Berkshire Hathaway. Aktien des Getränkeherstellers Coca-Cola kaufte Buffett günstig, als Analysten überwiegend glaubten, dass der heimische Markt für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke gesättigt sei und es kaum Wachstumsaussichten gebe. In den siebziger Jahren beteiligte sich Berkshire auch am Zeitungsverlag Washington Post, nachdem Fragen um die Qualität von dessen Geschäftführung aufkamen und der Aktienkurs unter Druck geriet.

Und in diesem Jahr beteiligte sich Berkshire Hathaway mit fast 11 Milliarden Dollar am amerikanischen Technologiekonzern IBM. Der Dow-Jones-Wert ist nach Coca-Cola jetzt die zweitgrößte Position im fast 60 Milliarden Dollar schweren Anlageportfolio von Berkshire. Eigentlich war Buffett bisher kein Freund der Technologiebranche. Aber IBM ist ein etablierter Konzern, dessen Aktienkurs Buffett offenbar für unterbewertet hielt. Auf jeden Fall ist es abermals eine mutige Wette auf Amerika und die globalen Chancen amerikanischer Konzerne.

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